Familienchronik

Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil VIII

galgenhumor
Sogenannte „stille Feiertage“ wie den heutigen Volkstrauertag begeht man hierzulande traditionell in dumpfer Verkniffenheit. Jedweder Frohsinn ist bekanntlich polizeilich untersagt, und dringt doch einmal ein verirrter Lacher nach draußen, so ist wenigstens mit empfindlichen Gefängnisstrafen zu rechnen.

Man möchte in Anbetracht dieser allumfassenden Getragenheit fast meinen, die vollständig humorbefreite Volkstrauer sei dem Deutschen schon immer inhärent; dabei wurden im Laufe der strahlenden Geschichte unserer Heimat durchaus nennenswerte Versuche unternommen, den heiligen Ernst zeremoniell bedeutsamer Vorgänge durch etwas subversiven Frohsinn aufzulockern. Und als absoluter Vorreiter dieser Bestrebungen darf ohne Zweifel mein Ahnherr Johan-Heinrich von Friedel (1598-1638) gelten, der sich in der fast allen Historikern als wenig unterhaltsam geltenden Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Pionier der trutzigen Heiterkeit hervortat.

Johan-Heinrich, der auf Wunsch seines Vaters den Beruf des Offiziers ergreifen musste (zur damaligen Zeit fast die einzige Karriereoption mit Perspektive), konnte sich in den Reihen seines Regiments schnell den Ehrentitel „Wallenstein des Frohsinns“ sichern. Schon die ausgesprochene Situationskomik des kriegsauslösenden Prager Fenstersturzes blieb ihm, ganz in Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, keineswegs verborgen. Auch der Blutzoll, den insbesondere die Zivilbevölkerung während des langanhaltenden Konflikts zu leisten hatte, erschien ihm gerade vor dem konfessionellen Hintergrund desselben als durchaus unterhaltsam, bot sich auf diese Weise doch sogleich die Möglichkeit, die Richtigkeit des eigenen Bekenntnisses dem ultimativen Praxistest zu unterziehen. Den Höhepunkt seiner humoristischen Karriere erlebte Johan-Heinrich allerdings erst bei seiner eigenen Hinrichtung.

Was war passiert? Johan-Heinrich, der förmlich darauf brannte, das von ihm erdachte „Schwedenkissen“ (ein mit Jauche gefüllter Schweinebalg, welcher heute als Vorläufer des sog. „Furzkissens“ gilt) erstmals in der Praxis zu erproben, hatte seine Erfindung ausgerechnet seinem unmittelbaren Vorgesetzten Melchior von Hatzfeldt bei einem Bankett unter das Sitzkissen gelegt, was dieser trotz des allgemeinen Hallos nicht sonderlich gut aufnahm. Seine anschließende Aburteilung begriff Johan-Heinrich rasch als ausgemachte Chance, endlich ein großes Publikum von seiner humoristischen Begabung zu überzeugen. Zwar konnte er von seinem in der Todeszelle vorbereiteten Programm lediglich einen Witz zum Besten geben („Wie heißt ein hängender Humorist? Lachsack!“), jedoch verankerte sich sein denkwürdiger Auftritt tief im kollektiven Gedächtnis, weshalb er vielen noch heute als Erfinder des Galgenhumors gilt.

Was können wir also aus dem tragikomischen Schicksal jenes großen Mannes lernen? Nun, doch wohl immerhin, daß keine Situation zu ernst ist, um sich dem Humor gänzlich zu entziehen. Sollte Ihnen also heute eine Störung der Feiertagsruhe auffallen, so tun Sie ruhig Ihre Bürgerpflicht. Aber verständigen Sie die Polizei um Himmels Willen in aller Heiterkeit!

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Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil VI

Naher Osten, 2578 v. Christus.

Im Reigen der biblischen Urväter kommt insbesondere dem wackeren Baumeister Noah noch immer eine Sonderrolle zu. Durchaus zu Recht: Die Konstruktion eines seetüchtigen Säugetierfrachters darf auch heutzutage noch als historische Großleistung gelten – die nur umso imposanter erscheint, wenn man bedenkt, daß die deutsche Ingenieurskunst – wie überhaupt der Deutsche – damals noch längst nicht erfunden war.

Viel weniger Würdigung erfährt Schagah (לטעות) aus Friedebeth, der heutzutage wohl nur noch den Kennern obskurer Apokryphen ein Begriff ist. Aber auch jenen eingeweihten Theologen gilt er meist bestenfalls als glückloser Wirrkopf, dem man meist immerhin eine mit der seines berühmten Anverwandten vergleichbare Schaffenskraft zuzubilligen bereit ist. Zu Recht?

Doch der Reihe nach. Eines Tages wendet der Gott JHWH sich an Schagah. Er sei, so bekundet er freimütig, mit seiner bisherigen Schöpfung latent unzufrieden und trage sich daher mit dem Gedanken, alles bisherige hinwegzuraffen und nochmals von vorne zu beginnen. Allerdings sei er, Schagah, ihm schon immer sympathisch gewesen, wie er da jeden Tag opfere, bete und zeuge. Er trage sich daher mit dem Gedanken, ihn zu verschonen und ihn überdies mit der Rettung der wenigen rettenswerten Kreaturen zu betrauen, je zwei Exemplare jeder Art, versteht sich. Bibelkundigen Zeitgenossen wird an dieser Stelle nicht entgehen, daß die Vernichtungspläne JHWHs (wie auch sein Eigenname) dereinst noch lange nicht so ausgereift waren.

Schagah, dereinst ein relativer Jungspund von vielleicht 570 Jahren, macht sich sogleich mit willfährigem Eifer ans Werk. Und als gelernter Fischer erscheint es ihm am naheliegendsten, gleich mit der Rettung der Meereskreaturen zu beginnen – beileibe kein triviales Unterfangen. So muss zunächst ein mindestens ein 300 Ellen langes, 100 Ellen hohes und 500 Ellen breites Wasserbassin konstruiert werden, das nach Schagahs grober Schätzung ausreichend Platz für alle Meeresbewohner anbieten soll – der Import einer ausreichenden Menge ägyptischen Glases kostet den emsigen Urvater ein Vermögen.

Auch der Lebendfang der Meeresbewohner erweist sich als verzwickter als gedacht: Zu Schagahs Missvergnügen besteht gerade die Tiefseefauna damals in der großen Hauptsache aus, nun, biblischen Monstren, deren Ausfindigmachung und Festsetzung sich als logistische Mammutaufgabe erweist und zahlreiche Hilfskräfte das Leben kostet.

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Schagahs Archen-Aquarium vor der Katastrophe, Darstellung aus dem 15. Jahrhundert aus der „Chronica Friedora“

Konsequenterweise ist Schagahs Werk erst 250 Jahre später vollbracht und im Archen-Aquarium herrscht geschäftiges Treiben – allerdings nicht für lang. Denn alsbald beginnen die zahllosen Ungeheuer, allesamt Glieder einer komplizierten Nahrungskette, sich gegenseitig zu verspeisen, bis nur noch der mächtige Leviathan übrig bleibt, welcher, von der schieren Menge der verspeisten Mit-Monstren auf mindestens das Anderthalbfache seiner ohnehin schon imposanten Körpermaße aufgebläht, prompt das Bassin zum Bersten bringt. Von da an überschlagen sich die Ereignisse.

Die dem Aquarium entweichenden Wassermassen ergießen sich über Stadt und Land und fegen Mensch, Tier und Gewürm hinweg. Nur einer bleibt bekanntlich verschont: Nämlich Noah, der, vom Anblick von Schagahs Bassin tief beeindruckt, das touristische Potential der neuen Sehenswürdigkeit erkennt und im Zeitraum von nur 100 Jahren ein zur Bassinbeschiffung gedachtes Kreuzfahrtschiff konstruiert, “ohne sich zu waschen und die Kleidung zu wechseln” (ApkPaul 50). Gemeinsam mit den zu Proviantierungszwecken mit an Bord genommenen Nutztieren entgeht er den alles verheerenden Wassermassen und darf sich fortan als “Held der Sintflut”, quasi eine Art Gerhard Schröder der Frühzeit, hochleben lassen.

Schagah hingegen wäre wohl an seinem spektakulären Scheitern zugrunde gegangen, hätte ihm ein gnädiges Schicksal nicht diese Schmach erspart: Er wird vom adipösen Leviathan zerquetscht. JHWH indes betrachtet das entstandene Chaos, sieht, daß es gut ist und beschließt, mit der endgültigen Vernichtung allen Lebens wenigstens noch bis zur Entdeckung der Kernspaltung abzuwarten. So ward die Welt wieder einmal gerettet – wenigstens vorerst.

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Ein weiser Rat vom Vater

Mein Herr Vater war ein weiser Mann. „Sohn“, so pflegte er stets zu sagen,“ vergiss nie, was ich Dir über das Leben und die Welt gesagt habe. Eines fernen Tages wird alles einen Sinn ergeben. Da wirst Du längst tot sein.“

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Meine liebste Kindheitserinnerung

Zeitlebens war mein Herr Vater ein sittenstrenger Zuchtmeister, der mich stets auf Distanz hielt. Umso größer mein Entzücken, als er eines sonnigen Tages vor meine Kinderhütte trat und sprach: „Sohn, wir fahren in den Streichelzoo. Wir nehmen meinen Geländewagen.“
Und Trauma hin, Trauma her – noch heute handelt es sich bei dieser Ausfahrt mit großem Abstand um meine liebste Kindheitserinnerung. Bisweilen konnte ich sogar für einige Sekunden zaghaft ein Häschen oder Rehlein liebkosen, sofern die possierlichen Tierchen (oder immerhin Teile von ihnen) von den massiven Hinterreifen seines Armee-Jeeps in Richtung der Rückbank geschleudert wurden. Am Ende ließ er mich außerdem ganz alleine die Kadaver zum späteren Verzehr aufsammeln (die anderen Kinder hatten zu diesem Zeitpunkt längst die Flucht ergriffen).

Insgesamt ein denkwürdiger Tag für beide – ich kam meinem Herrn Vater, mein Vater wiederum seinem Automobil ein Stückchen näher. Den Anblick von rohem Hackfleisch kann ich aber auch heute nur schwer ertragen.

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Mein kleiner Lumpi

„Da ist der Wurm drin“ – dieses Sprichwort gereicht doch insbesondere einem ausgemachten Mißstande zum eindrucksvollen Fanal: nämlich, dass das überaus redliche Weichtier völlig zu unrecht allenfalls einen tertiären Ruf unter den mutmaßlich besten Freuden des Menschen (neben dem Frauenzimmer, natürlich) genießt.

Der moderne Mensch hält sich Feliden, Caniden, ja, sogar garstige Nagetiere und behandelt sie mit einer treudämlich-nassforschen Vertraulichkeit, obschon es völlig offensichtlich ist, dass ihn diese Schädlinge nichts weiter als ausnutzen und ihm im Erstfall im wahrsten Sinne des Wortes sogar das Antlitz vom Schädel fressen würden, wäre gerade nichts anderes da.

Alldieweil fuhrwerkt der deutsche Regenwurm bienenfleißig und trutzig in der sakrosankten Heimaterde und ermöglicht so durch seinen unschätzbaren Umwühldienst Ernte um Ernte, ohne dafür auch nur im Ansatz eine angemessene Würdigung zu erfahren.

Ich selbst hatte gottlob schon in jüngsten Jahren die Gelegenheit, auf höchst zärtliche Weise mit einem waschechten Abkömmling jeder stolzen Mollusken in Kontakt zu treten: In der Tat war der liebe „Lumpi“, mein Haus-Bandwurm, sogar mein einziger Freund (und ist es, bei näherer Betrachtung, bis heute geblieben).

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Mein kleiner Lumpi

Wie Sie sicher wissen, hatte ich mich in meiner Kindheit auf Weisung meines gestrengen Herrn Vaters mit den Hofhunden um meine Nahrung zu balgen. Vermutlich trat Lumpi dereinst als niedliche Finne in einem rohen Pansen-Stück in mein Leben.

Als er erst in meinem Darm zu voller Größe ausgewachsen war, waren wir in der Tat unzertrennlich: nie vergesse ich die unbeschwerten Stunden, die ich damit zubrachte, meinen geliebten Lumpi von mir aufgenommene Nährstoffe apportieren zu lassen. Seither weiß ich: Oberbauchschmerzen können innige Liebe bedeuten! Bisweilen steckte er sogar sogar während des Defäkierens auf grüner Heide frech seinen Kopf hervor, um blöde Mädchen zu erschrecken. Kurzum: Lumpi war wie der Bruder, den ich gehabt hätte, hätten ihn nicht die Wölfe gerissen.

Leider verließ mich mein Lumpi allzu früh: die alten, zinnhaltigen Rohre des friedelschen Landgutes sorgten dafür, dass mein kleiner Freund unser Trinkwasser nicht recht vertrug; selbst ein Ehrengrab auf dem Tierfriedhof blieb ihm leider verwehrt; Mein Herr Vater war strikt dagegen, Potztausend!

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Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil V

Bad Friedelruh, 1854: nach kurzem Todeskampf erliegt Kees-Beatrix van de Friedelen aus dem flämischen Zweig meiner Familie seiner schweren Verletzung und stirbt einen vorzeitigen, gewaltsamen Tod. Ein Schicksal, das er mit zahlreichen Visionären, die ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht voraus waren zu teilen hat.

Schon in frühster Kindheit diagnostiziert der Leibarzt der Familie Kees-Beatrix einen geringfügigen Unterbiss, der bis Dato nicht weiter aufgefallen ist. Gleichwohl ist es dieser Makel, der ihn zeitlebens verfolgen wird und noch heute oftmals den Blick auf sein großartiges Lebenswerk verstellt. Denn obgleich selbst von edelstem Geblüt kann Kees-Beatrix noch heute als visionärer Sozialreformer gelten, der zeitlebens eine großartige Empathie für die Belange des Pöbels an den Tag legte.


Kees-Beatrix van de Friedelen

Schon in jungen Jahren von einer nachgerade unbändigen Weltneugier getrieben, schließt sich Kees-Beatrix schon mit 14 Jahren als Schiffsjunge der Niederländischen Westindien-Kompanie an. Doch mit einem derart niederen Rang will sich der muntere Jungspund verständlicherweise nicht zufriedengeben. Schon fünf Jahre später kann er folgerichtigerweise bereits sein erstes Kommando übernehmen, wobei sich eine verheerende Typhus-Epidemie an Bord sich für seine Karriere als äußerst zuträglich erweist.

Während seiner zwanzig Jahre währenden Laufbahn zu See kann Kees-Beatrix eine große Expertise in der Arbeiterbewegung erwerben, indem er Gastarbeitern aus aller Herren Länder die Überfahrt zu den pulsierenden Arbeitsmärkten in den neuen europäischen Bundesländern ermöglicht.

Schon damals versteht sich Kees-Beatrix ganz intuitiv auf Konzepte, die erst viel später weite Anerkennung auf dem Gebiet der Arbeitsmarktforschung finden sollten. Als Stichwort soll hier der Begriff des „Humankapitals“ genügen. Niemals ertrank ihm auch nur ein Klient, wie überhaupt der Europäer sich dereinst – im Gegensatz zu heute – geradezu vorbildlich um eine sichere Passage für Arbeitssuchende aus weniger privilegierten Ländern bemüht.

Erst als ihn eine weitere Typhus-Epidemie überraschend zum Alleinerben des Stammsitzes Bad Friedelruh macht, beschließt Kees-Beatrix die Kapitänsmütze an den Nagel zu hängen und sich ganz dem Junkertum zu verschreiben. Auch hier tut er sich als großer Reformer hervor; beispielsweise ernennt er, als er das gereizte, durchaus aufrührerische Klima in der Bauernschaft erkennt, rasch den ersten Gewerkschaftsvertreter auf deutschem Boden überhaupt. Hier eine Darstellung der Ernennungszeremonie:

Bedauerlicherweise muss der gute Mann sich alsbald wieder zur Ruhe setzen, was dem Modellcharakter des gnädigen Gewährungsaktes indes keinen Abbruch tut.
Da jedoch gerade die Besten oftmals von der Härte der Vorsehung besonders hart getroffen werden, muss Kees-Beatrix – wie eingangs schon erwähnt – ein gewaltsames Ende erleiden. Ein gewisser van Helsing ersticht ihn, von der irrigen Ansicht beseelt, es handle sich bei ihm um einen Vampir, unter dem allgemeinen Jubel der undankbaren Bauernschaft mit einem Holzpflock. Vorher hatte sich Kees-Beatrix um eine Wiedereinführung des Ius primae noctis bemüht, was die bösen Verleumdungen und Gerüchte im Volk weiter befeuerten. Seine Hauer tun das Übrige.

So beleibt heute nur die Erinnerung an einen großen Sozialreformer – und die Erkenntnis, dass sich so viel gar nicht verändert hat.

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Aus meiner Familienchronik

„Vor dem Thore aber, da hatten sich allesamt dy Bäuer versammelt um dem Herrn Klotho vom schlymmen Hunger zu klagen. Nun wollte es aber just an dysem Morgen dass der redlyche Bischof in der Klotzburg weihlte. Und als da der allerchristlichste Bischof die zu Tod hungernden Bäuerlein sah, die ein wyldes Geschrai vor dem Tohre machten mit allerlei Schabernack und Krimassen, da lachte der dicke Bischof von den Zinnen herab, den Hühnerschlegel in der Hand. Und es lachte auch die dicke Frau vom Bischof, und die fette erste Buhle vom Bischof und die dürre zweite Buhle vom Bischof, und die dicken Kinder vom Bischof, 7 an der Zahl und auch die 12 anderen Kinder von den Buhlen, die im Hof mit dem Gesindel im Unrath spielten. Da überkahm den Ritter von Klotze die heilige Wut und er rief voll Zorn, wehey euch, ihr ruchlohsen, die ihr meine allerchristlichsten Gäste beim Mahle störet. Des Thodes sollt ihr allesamt sein, rief er im Zorn, griff sein Schwert und ritt durch ihre Reihen, wie der dunkle Schnitter garselbst. Der Bischof aber, lobte in der Andacht noch am selben Thage den redlychen Einsatz für Mutter Kirche und nannte den Ritther Klotho einen wahren Christenmenschen. Auch, weil die noch übrigen Bäuerlein, nicht mehr als Finger an einer Hand daran sind, nun wieder genug zu essen hatten, da doch die Hälfte auf den Gottesacker kahm. Der Ritter aber selbst wurde ganz rührselig bei dem Lobe, hatte er doch schon immer gewusst, was für ein wackerer Kerl er da war!“

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Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil IV

Wir schreiben das Jahr 8 nach Christus.

Karlmann-Dietlind aus dem heute weithin vergessenen Stamme der Fridleusker gelingt der erste nennenswerte Sieg gegen die Römer auf germanischem Boden, eine historisch nicht zu unterschätzende Tat, welche später fälschlicherweise Herrmann den Cheruskerfürsten zugeschrieben wird.


Karlmann-Dietlind bei der Ausarbeitung einer Verordnung

Als zwei Römische Legionen unter der Führung des Sextanus Maximus im Rahmen einer Strafexpedition germanischen Boden betreten, gelingt es dem gewieften Stammesfürsten in nur zwei Wochen, eine „Runenverordnung zur Nutzung Germanischer Feldwege für ausländische Bewaffnete mit einer Sandalenlast von zwei Mal soviel, wie zwei Schweine wiegen“ auszuarbeiten.

Indem er den lokalen Stammesfürsten den Bau eines Teutoburgerwald-Umgehungspfades verspricht, kann er eine rasche Bewilligung seiner Verordnung erreichen. Nachdem die Römer keine ausreichenden Barmittel verfügen, um die Nutzungsgebühren für den Wald-Transit zu entrichten, können sie den Teutoburgerwald nicht durchqueren. Die Errichtung eines befestigten Lagers scheitert an der Erteilung einer Baugenehmigung. Somit gelingt Karlmann-Dietlind die Zurückschlagung der Römischen Offensive mit einem frühbürokratischen Winkelzug par excellence. Er erringt nicht nur einen wertvollen Sieg für das Selbstbewusstsein der germanischen Stämme, sondern begründet auch eine stolze Tradition der Bürokratie, für die unser Heimatland noch heute in der ganzen Welt bewundert wird.

Über das weitere Leben dieses großen Verordnungsschmiedes ist wenig bekannt. Nicht historisch belegbar ist jene Legende, welche besagt, daß sich Karlmann-Dietlind später zur Gegenoffensive aufmachte und ein weites Gebiet entlang der Adria-Küste unter seine Gewalt bringen konnte. Dabei soll er sich abermals eines geschickten Winkelzuges bedient haben: er habe seine Vorhut den gesamten Küstenstreifen mit Steppdecken (eine Frühform des Handtuchs) bedecken lassen. Die Hautstreitmacht soll dann in aller Gemütsruhe nachgerückt sein, um das bereits reservierte Land in Besitz zu nehmen. Manche Quellen behaupten sogar, Karlmann-Dietlind sei mit seiner Armee bis zu den Balearen vorgedrungen. Dies ist nicht ganz unwahrscheinlich. Noch heute sind dort deutliche Spuren frühgermanischer Kultur zu finden.

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Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil III

Wir schreiben das 12. Jahrhundert: Der mutige Reformer Baron Grobian-Hammerhardt von Friedel leistet mit der Einführung des „Codex Friedensis“ auf seinem Lehen einen unschätzbaren Beitrag zur Herausbildung einer modernen Strafprozessordnung.


Baron Grobian-Hammerhardt von Friedel

Darin entwickelt er den noch heute gültigen Grundsatz „Keine Strafe ohne Gesetz“. Fortan wird der dereinst noch sehr weit gefasste Begriff der „Strafe“ deutlich klarer umrissen: so gilt eine hexereibedingte Verbrennung von nun an als „Reynigung der Seele durch Ultrahocherhitzung“, eine Behandlung mit der Garotte wird nunmehr als „Massage zur Beseytigung der Genickstarre“ geführt. Durch diesen geschickten Winkelzug wird der Bedarf an Gesetzen und somit insbesondere der bürokratische Aufwand erheblich reduziert.
Leider war die Zeit noch nicht reif für diesen auch auf dem medizinischen Sektor bewanderten Universalgelehrten. Als er sich anschickt, die Pfählung fortan als Methode zur „Vohrbeugenden Darspielung“ zu deklarieren, wird er von einem aufgebrachten Mob gelyncht. Seine feigen Mörder können freilich ihrer gerechten Strafe nicht entkommen: Grobian-Hammerhardts Pläne, das Lynchen als „Streytgespaeche aus nächstester Naehe“ zu deklarieren, waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht umgesetzt. Sie werden 1356 gehenkt (vertäute Atemwegs-Rosskur).

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Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil II

Das antike Griechenland: Der bis dato nicht in Erscheinung getretene Philosoph Achilles-
Pythagoras Frydlopoulos begründet die philosophische Strömung des „Zucht-und-
Ordnungialismus“ (ἀκρίβεια-ἀκρῑβής δείκνῡμι).

Achilles-Pythagoras Frydlopoulos in einer zeitgenössischen Darstellung (Fragment)

Schon Jahre zuvor forschte dieser große Denker der Antike an einem wirksamen Mittel, die
lottehafte Jugend für die Belange des Staates zu interessieren, während diese ihm eine lange
Nase zog und sich der Muße hingab.
Erst der Zufall bringt ihn der Lösung näher. Als er, auf seinen Gehstock gestützt, missmutig
durch die Straßen Athens spaziert, stößt er mit diesem versehentlich an einen
seinen Rausch ausschlafenden Jugendlichen. Als dieser mit lautem Schmerzensgezeter
aufspringt, und sich somit zum ersten Mal an diesen Tag bewegt, ruft Achilles-Pythagoras
„Heureka!“
Umgehend stellt er den ersten seiner zehn, später in einer Fibel zusammengefassten Lehrsätze
auf:

„Und so scheint es, dass der Stock und das Jungmannen-Gesäß in einer eigentümlichen
Beziehung stehen: berührt der Eine das Andere, so ist ein Energieschub die Folge. Der Erste
ist, um dem Zweiten ein Antrieb zu sein.“

Später gelingt es ihm, seine Ontologie noch zu verfeinern:

„Und so scheint es, als haben einige zackige Worte, in ebenso zackigem Tone, eine zusätzliche
Wirkung. Stock x Zucht = ordentlicher Jungmann! Heureka!“

Nachdem man diesen großen Denker infolge einer infamen Intrige garstiger halbstarker
Sophisten aus Athen vertreibt, gründet er später seine Akademie auf dem Berg Zeter bei
Mordio. Leider kann er dort nur noch wenige Jahre lehren, bevor ihn bei der Demonstration
einer Standpauke der Schlagfluss ereilt. Sein Denken jedoch lebt noch heute fort in der
Sittengeschichte des christlichen Abendlandes.

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