Monatsarchiv: September 2017

Post von von Friedel (erschienen im „Bad Friedelruher Waldpfeifer“ am 03.09.2017)

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Schon als Kind schrieb ich gerne mit dem Löffel in Dir. Auch heute noch. „Ggbfawetzjjnnpft“ steht da in großen Teiglettern.

Als kleiner Steppke musste ich in der Schule Schönschreiben lernen. Perfekte, runde Kringel sollten zu schönen Buchstaben, sie wiederum zu schönen Sätzen werden. „Fiffers Fritze fifft friffe Fiffe“, stand da in krakeliger Jungenschrift. Ich bekam von Frl. Christlieb, meiner Lehrerin, zur Strafe mit dem Lineal auf die Finger. Verkrustete Striemen blieben zurück.

Erst viel später verstand ich, daß man fürs Schreiben nicht schönschreiben muss. Da hatte ich schon mit dem Briefeschreiben angefangen.

Ich schrieb an Prinzessinnen, Staatsmänner, oft auch an Dinge. Manchmal sogar an Suppen. Viele Briefe kamen ungeöffnet zurück. Auf die Finger haute mir aber niemand mehr. Die Striemen heilten.

Trotzdem weiß ich heute, liebe Buchstabensuppe, daß Schönheit immer vergeht. Auch Deine Buchstaben werden, während ich hier sitze und nachdenke, immer weicher und langsam unleserlich.

Nicht nur die Schönheit, auch der Sinn vergeht. Auch wenn es nie einen gegeben hat. Am Ende wird alles zu trüber Pampe. Oder zu Kruste.

Inzwischen, liebe Buchstabensuppe, bist Du fast kalt und ungenießbar. Eine junge Kellnerin trägt dich ungegessen weg. Vielleicht isst Dich ein Obdachloser.

Es gibt verschiedene Löffel, große, kleine. Egal was ich mit ihnen in die Brühe pansche – auslöffeln müssen es meistens andere. Krusten habe ich heute nur noch im Kopf. Da kann sie keiner sehen.

Herzlichst,

 

sig

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Kategorien: Aktuelles, Post von von Friedel

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