Monatsarchiv: Dezember 2015

Prosit Neujahr!

Hochgeehrte Damen und Herren!

Die Welt feiert den Tag des heiligen Silvesters und das neue Jahr – wir redliche Christen sind da keine Ausnahme, Potztausend! Ich persönlich werde den heutigen Abend im Beisein meines mittlerweile halbvollen Urinsammelbehälters, meines schnieken Hörgerätes wie auch meiner löblichen, rezeptpflichtigen Demenzmedikamente geniessen. Selbstverständlich gehören auch sogenannte „Vorsätze“ zur alljährlichen Silvesterprozedur, hierzu zählen nicht etwa die vorsätzliche Körperverletzung wie das Zünden gehörschädigender Feuerwerkskörper durch vorbestrafte Jugendliche: nein, es handelt sich um banale Bestrebungungen, welche für das nächste Jahr geplant sind.

Meine Vorsätze sind redlicherweise: noch löblicher, noch christlicher, noch kaisertreuer und noch frommer zu werden. Wohl wahr, einige überaus komplizierte Aufgaben, wenn man bedenkt, wie löblich, christlich, kaisertreu und fromm meine Wenigkeit doch bereits ist, Sackerlot. Seien Sie froh, geschätzter Leser, dass Sie sich nur mit solch überaus simplen Vorsätzen wie dem Verlust einiger Pfunde beschäftigen müssen! Wenn man das seinige Dasein so nahe der Perfektion fristet, wie man es als Dr. Waldemar Drechsler leider zu tun pflegt, so fallen einem die guten Vorsätze nicht mehr so leicht in den redlichen Schoss, gell. Welch ein Frust mein Leib bei diesem Gedanken durchfährt!

Frustriert ob seiner Existenz nahe der ultimativen Perfektion,
Dr. Waldemar Drechsler

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Es weihnachtet

Am heutigen Tag überkam mich eine ebenso spontane wie unerwartete weihnachtliche Herzenswärme. Gewöhnlicherweise denke ich in solchen Fällen stets an Mutter Bambi und begebe mich auf die Jagd. Heute aber erklomm ich beseelt den Balkon meiner Stadtvilla und warf einige Hände voll Hellern und Holzpfennigen unters Volk. Gerade in der Weihnachtszeit muss man auch an den Pöbel denken.

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Nachahmung empfohlen!

feiertage

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Zum Nikolaustag etwas ganz Besonderes

[Dieser Beitrag bezieht sich auf das letzte Jahr]

Werte Damen und Herren,

und wieder ist Sankt Nikolaus! Ein überaus freudiger Anlass und zudem ein bedeutendes Fest im Kirchenjahr. Und doch ist mir diese Festivität zuletzt arg zuwider.

Heutzutage scheint der allgegenwärtige Kommerz, gepaart mit weichlicher Streichelpädagogik vollends Besitz von einer einst hehren Tradition ergriffen zu haben. Sprich: dumme und rotzfreche Bälger – zumeist ohnehin mit dem Umfang eines Mastferkels – werden von einem verlausten „Sponti“-Zausel mit abgewetzter Zipfelmütze mit pappsüßer Industrieschokolade gemästet. Ob sie überhaupt brav waren spielt dabei gar keine Rolle mehr. Ekelhaft.

Denke ich da an die Besuche des heiligen Nikolaus in meiner eigenen Kindheit zurück, so fällt eine nachgerade eklatante Diskrepanz ins Auge. Schon als ich vernahm, dass die schweren Schritte des heiligen Mannes sich meiner Kammer näherten, sprang ich, bibbernd vor Furcht, unter meine Pritsche. Denn der Ablauf des Besuchs war mir nur allzu schmerzlich bewusst: zunächst öffnete der Heilige Nikolaus sein goldenes Buch, verlas daraus die lange Liste meiner Sünden (und ihm entging keine). Sodann verließ der den Raum und überließ mich ganz der Gnade seines diabolischen Gehilfen, dem Krampus (oder auch „Knecht Ruprecht“).

[Bild: cu5nym9amzczm069i.jpg]

Diese alljährliche, bittere Stunde der Bestrafung war, so bin ich mir heute noch sicher, ganz entscheidend für die Bildung meiner hochmoralischen Charakterstärke, auch wenn ich mir heutzutage jede Erinnerung an den genauen Inhalt der Disziplinierung in meinem Wandschrank fehlt. Erst als der redliche Krampus sein Werk beendet hatte, betrat sein Herr und Meister wieder den Raum und schenkte mir, nach einer väterlichen Maulschelle, eine schöne Walnuss, die ich freudigst mit den Zähnen knackte.

Sie können, so meine ich, durchaus meinen Punkt erkennen. Was die Kindlein jedenfalls auch heute wieder erlernen müssen, ist die Furcht vor dem Nikolaus. Er ist eben kein netter, trottliger Oheim, der süße Drops verteilt, sondern ein gestrenger Zuchtmeister, den es zu fürchten gilt!

Und ich gedenke nunmehr, diese Tradition wieder aufleben zu lassen.

Auch heuer werde ich nämlich in der katholischen Kindertagesstätte „Sankt Klothilde“ den Nikolaus geben. Im letzten Jahr ließ mein Auftritt leider zu wünschen übrig, allerdings ohne mein Verschulden. So war beispielsweise nicht einmal eine anständige Mitra als Kopfbedeckung vorhanden, sondern vielmehr eine alberne Zipfelmütze. Auch war ich auf das ganze Ausmaß der vorweihnachtlichen Verlotterung nicht vorbereitet.

In diesem Jahr allerdings wird sich dies ändern. Erfreulicherweise wird der Nikolaus nämlich erst am Elften die Tagesstätte besuchen, was mir etwas mehr Vorbereitungszeit lässt.

Und ich habe mir einiges vorgenommen! Es gilt, die Kindlein auch an die zahlreichen Wundertaten des Sankt Nikolaus zu erinnern. So beabsichtige ich, eine besonders beeindruckende Tat zur Aufführung zu bringen.

[Bild: cu5o0571ocjw8wjau.jpg]

So soll der Bischof von Myra dereinst einige fahrende Scholaren wieder zum Leben erweckt haben, die ein mörderischer Gastwirt aus schierer Habgier umgebracht, zerstückelt und sodann in ein Salzfass eingepökelt hatte. Wie beindruckend.

Herr Kleinschmidt aus dem Vorstand des Kleingartenvereins „Teutonia“ wird also die Rolle des eingepökelten Scholaren übernehmen. Zunächst werden nur sein Kopf und seine Arme im Salzfass (welches uns freundlicherweise das Wirtshaus „zur Burenschanz“ zur Verfügung stellt) zu sehen sein, was eine durchaus effektive Illusion von abgetrennten Gliedmaßen erzeugt.

[Bild: cugjkl9ycvc7k1yf2.jpg]

Sodann betrete ich den Raum und erzähle den Kleinen die fesselnde Mär von Habgier und Totschlag. Auf mein Zeichen hin (ich hebe die segnende Hand) wird Herr Kleinschmidt mit einem Ruck aus dem Fasse springen und laut ausrufen. „Es ist ein Wunder, ich bin wieder ganz! Gelobt sei Sankt Nikolaus!“

Im Anschluss verteilen wir gemeinsam feine Nüsse und Äpfel.

Wenn dies den Kindlein nicht die Bedeutung dieses schönen Festes vor Augen führt, werde ich mich, und Sie dürfen mich durchaus beim Worte nehmen, endgültig aus dem Nikolaus-Darstellertum zurückziehen.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten, Potztausend!

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