Aktuelles

Bald im Fernsehen: „Pfiff der Lunge“

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Allüberall wird derzeit über eine mögliche Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert. In meinen Augen nicht ganz zu Unrecht, hat man doch insbesondere bei den gebührenfinanzierten Fernsehanstalten inzwischen sträflich jenen Bildungsauftrag aus den Augen verloren, der ihr sündteures Dasein ja eigentlich erst legitimiert. Längst ist das mahnende Fernsehspiel allüberall der leichten Unterhaltung gewichen, während endlose Gesprächssendungen als Feigenblatt den Blick auf die über­bor­dende Einschaltquotenorientierung verstellen sollen. Kurzum: So kann es nicht weitergehen!

Dabei wäre es doch mehr als simpel, der allgemeinen Einfalt intelligente Formate entgegenzusetzen, die zwar durchaus modern sind, der Jugend aber trotzdem den Weg zum Studium klassischer Stoffe weisen. Kurzum: Es ist wohl wieder einmal an mir, dem Abendland mit virtuoser Feder zur Rettung zu eilen. Lesen Sie hier ein Handlungs-Outline der ersten Episode meiner Rückbildungs-Telenovela “Pfiff der Lunge”, die den Stoff von Thomas Manns “Zauberberg” ebenso unterhaltsam wie informativ aufgreift. Schon die erste Folge, so viel sei schon im Voraus verraten, hat es durchaus in sich.

Der vielversprechende, wenngleich etwas schwärmerisch veranlagte Student José Castorp (Bachelor, Wirtschaftsingenieurwesen) macht sich eines Tages allein mit seiner Tasche aus Krokoimitat (Urban Outfitters), ein Geschenk seines Stiefvaters und Kumpels, Bankvorstand Dr. Tienappel, auf den Weg ins Sanatorium „Gourmet- und Wellness-Ressort Berghof“, einer romantisch-verwunschenen, aber liebevoll sanierten und mit modernem Spa-Bereich ausgestatteten Schlossruine in den Dolomiten und begegnet dort der oberflächlich biestigen, im Grunde aber herzensguten Krankenschwester Claire Chauchat, die eigentlich schon seit Jahren selbst unter einer Salon-TBC leidet, dies aber vor aller Welt geheim hält, um im Kreise der Patienten den Übeltäter zu identifizieren, der sie als im Alter von zarten 17 in einer stürmischen Liebesnacht hinter dem Bierzelt des Bruschenvereins mit der teuflischen Lust- und Lungenseuche infizierte. Castorp fühlt sich schon beim allerersten Treffen “irgendwie so” zu Schwester Claire hingezogen, was er sich erst kaum erklären kann, später aber auch nicht so richtig. Sie ähnelt wohl ein bisschen seinem Jugendschwarm Lady Gaga. Allerdings ist Claire schon hoffnungslos mit dem Niederländischen Energy-Drink-Produzenten Mynheer Pieter van der Vaart liiert, was wiederum Castrops Cousin, der Social-Media-Manager Hansjörg Ziemßen, zum Anlass nimmt, ihn via Messenger und Whatsapp eindringlich vor den Reizen der wollüstig keuchenden Schwester Claire zu warnen, die er für eine schlechte Partie hält, da sie “nicht mal studiert” hat. Allerdings kann auch er nicht verhindern, daß die beiden Protagonisten sich beim Stationsfasching näherkommen, die nach fünf Jackie-Cola einigermaßen sturzbesoffene Claire Castorp schließlich sogar ihre Krankheit gesteht und ihm überdies noch in derselben Nacht als Zeichen ihrer Verbundenheit ein Röntgenbild ihrer Lunge in die Timeline postet, was Castorps Kommilitonen Pietro Settembrini dazu veranlasst, sie in drei seiner merkelkritischen Postings zu markieren. Das wiederum ruft Sascha Naphta auf den Plan, der in mindestens fünf antifaschistischen Gruppen aktiv ist und eine sogar selbst verwaltet. Die beiden liefern sich daraufhin ein intensives Duell in der Kommentarspalte, während Castrop bereits beginnt, die Vorzüge des kommoden Spa-Bereichs und die ersten Anzeichen einer Wohlstands-Tropenkrankheit zu entdecken. Der Zuschauer hingegen fragt sich unversehens: Werden die beiden je zueinanderfinden – insbesondere aber: wird das alles je auch nur irgendeinen Sinn ergeben?

Wird es natürlich nicht. Freilich werden Castorps sieben Wellness-Jahre im in sieben seelenstreichelnden Staffeln trotzdem detailliert beleuchtet, während die Buchvorlage die letzten sechseinhalb Jahre aus Platzgründen nur gerafft wiedergibt. Die Langeweile, die auch der Zuschauer unweigerlich verspürt, wenn er die Protagonisten beim Aufnehmen von Selfies, Spielen von “Play to Win”-Spielen und dem posten vermeintlich metaironischer Essensbilder beobachtet, hat durchaus Methode. Denn gerade auf der alles entscheidenden Symbolebene verkörpern die in sich völlig hohlen Figuren und ihre siech-saturierte Dumpfheit in nuce auch soziale, politische und geistige Dürre Europas kurz vor dem Dritten Weltkrieg. Ganz im Stile des klassischen Rückbildungsdramas entwickeln sich die Protagonisten im Laufe der Handlung wieder zurück zum kleinbürgerlichen Ideal, das sich schon immer in der eigenen Filterblase genügte.

Ich erwarte stündlich die Zusage des zuständigen Rundfunkrates!

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Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Redliches Fernsehprogramm

Ein denkwürdiger Klassenbesuch

„War früher wirklich alles besser? Oma und Opa erzählen“ – unter diesem (zugegeben etwas lauen) Motto hatte die örtliche Volksschule in der Woche vor Pfingsten zur munteren Klassengespräch geladen. Auch ich ließ mich auf inständiges Bitten der Eltern der kleinen Swantje – die leiblichen Großeltern des armen Dings sind samt und sonders bereits verstorben – zu einem kleinen Vortrag breitschlagen. Man ist ja schließlich kein Unmensch. Zumal ich äußerst Wichtiges zu sagen hatte.

Was hilft es schließlich den Kindlein ausschweifend von der glorreichen Vergangenheit zu berichten, wenn diese doch nicht wieder kommt? Die Wahrheit ist doch: die Gegenwart ist deprimierend, die Zukunft sogar bestenfalls fatal! Und diese bedauernswerten Kinderchen leben doch in einer Traumwelt. Warum sonst würden Sie ein derart aussichtsloses Heranwachsen überhaupt anstreben?

Sollte ich mich da ruhigen Gewissens wie ein dümmlicher Märchenonkel vor diese bedauernswerten Kreaturen setzen und ihnen betuliche Anekdoten aus Verdun auftischen? Keineswegs und nicht mit mir! Wachrütteln musste man diesen Nachwuchs!

Ganz getreu diesem Motto beginne ich meinen Vortrag vor der „2B“. Erst einmal gilt es selbstverständlich, eine adäquate Dramaturgie zu etablieren. Dazu greife ich mir zunächst „Wasti“, eine selten hässliche Handpuppe und zudem das Klassenmaskottchen. Dann hebe ich in betont betulichem Tonfall an:
„Meine lieben Kindlein“, der Wasti und der liebe Onkel Friedel wollen Euch heute mal etwas ganz Geheimes erzählen.“ Und mit verstellter, quäkender Stimme lasse ich die Puppe unken: „Ihr dürft es aber auch nicht weitersagen, gell.“ „Neeeiiiin“, hallt es fidel zurück.
„Naaaaajaa, liebe Kinder“, lasse ich den Wasti beginnen, „habt Ihr denn alle schon eine Lebensversicherung abgeschlossen?“ Ahnungsloses Stieren aus gebannten Kinderaugen. Wenig verwunderlich. Vermutlich haben diese Rangen nicht einmal eine Haftpflichtversicherung, denke ich bei mir. Typisch!
„Nun ja, das macht doch nichts“, fahre ich, nun wieder als ich selbst, nachsichtig fort. „Sie wird Euch nämlich eh nichts nützen. Wer soll schließlich davon profitieren? Na?“
Nun blicke ich in völlig verwirrte Augenpaare.

“Bald, ja, bald, da macht es BUMM!”, versetze ich triumphierend und lasse, diese dramatische Wendung angemessen unterstreichend, Wasti wuchtvoll auf den Boden fallen. “Auuuua!”, lasse ich Wasti überrascht und schmerzerfüllt aufstöhnen. Aus den hinteren Bankreihen ist nun ein leises Schluchzen zu vernehmen.
“Wundert Ihr Euch da tatsächlich, liebe Kinder? Schaut Ihr denn keine Nachrichten”, trumpfe ich, mir der Aufmerksamkeit meines Auditoriums nun endgültig gewiss, triumphierend auf. “Trump, Putin, Kim – muss ich noch mehr sagen?”
“Nein, müssen Sie nicht, werter Herr Baron”, lasse ich Wasti antworten. “Und überall sind der religiöse Fanatismus und der Nationalismus auf dem Vormarsch.”
“Sehr richtig, lieber Wasti”, bemerke ich verbindlich, während ich mich mit einer geschickten Körpertäuschung an der Klassenlehrerin vorbeischiebe und damit elegant ihren armseligen Versuch unterbinde, mir unverschämterweise ins Wort zu fallen.

“UND SELBST, WENN ES NICHT KRACHT”, brülle ich, endlich am Klimax meiner Brandrede angekommen, “DANN ERWISCHEN EUCH EBEN DIE ANDEREN KATASTROPHEN!”
“Wassermangel, Zusammenbruch der Renten, tödliche Seuchen, Klimawandel…”, lasse ich Wasti noch ausrufen, bevor ich ihn demonstrativ in die über den Kopf halte und ihn sodann grimassierend in der Luft zerfetze.

Nun bricht im Klassenzimmer erwartungsgemäß Zeter und Mordio los. Greinende Halblinge laufen wild schluchzend durcheinander, es entsteht ein unübersichtlicher Tumult. Alles verläuft genau nach Plan.

Genüsslich nehme ich hinter dem Lehrerpult Platz und beobachte befriedigt die erfolglosen Versuche der Lehrkraft, ihre völlig aufgelösten Schützlinge mit hilfloser Kuschelpädagogik zu beruhigen.

Erst, als sich die Kindlein nach etwa zwanzig Minuten müdegeplärrt haben, ergreife ich, nachdem ich nochmals bedeutungsschwer in die Runde geblickt habe, abermals das Wort. Nun gilt es: Kann ich meine wohldurchdachte Vorstellung in einen völligen Triumph verwandeln? Gelingt mir der intendierte tröstliche Abschluss?

“Nun, liebe Kinder, da ihr euch endlich beruhigt habt”, verkünde ich großväterlich, “kann ich Euch aber auch sagen, warum das alles gar nicht so schlimm ist.”
Zwanzig verweinte Augenpaare blicken mich an. Erkenne ich da verstohlene Hoffnung? Mir wird ganz warm ums Herz. Sogleich werden sie verstehen!

“Gottseidank”, doziere ich hocherfreut, “muss ICH das alles nicht mehr erleben!”

Insgesamt, so kann man wohl sagen, darf meine erster Einsatz auf dem Feld der Grundschulpädagogik wohl als voller Erfolg gelten. Der Direktor war gar derart begeistert, daß er mich sogar persönlich aus dem Schulgebäude geleitete. Welche Ehre! Leider wurde es schändlichst versäumt, meinen Auftritt fotografisch für die Ewigkeit festzuhalten. Immerhin hat die kleine Swantje diesen zeichnerisch festgehalten. Das arme, talentierte Ding. Fast würde man ihm eine bessere Zukunft wünschen.

Klassenbesuch

Kategorien: Aktuelles, redliche Erziehung

Aus der hochrelevanten Reihe „Verboten gehört …“.

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Heute: Schwachsinnige Fahrrad-Kinderhütten

Was in aller Welt will man damit bezwecken, seine Halblinge in derartigen Komfort-Anhängern umherzufahren? Werden sie im Erwachsenenalter nicht zumindest Sultan und haben somit ständigen Anspruch auf eine Dienstsänfte, so ist solch weichliches Bauchgepinsel durch nichts zu rechtfertigen. Die Aufgabe redlicher Eltern ist doch ganz eindeutig, den Nachwuchs auf ein raues Leben vorzubereiten.

Mein Herr Vater jedenfalls war sich dieser Verantwortung noch schmerzlich bewusst. Standen Besorgungen in der Stadt an, so drückte er uns kurzerhand seinen Kleingeldsack mit ca. 900 Reichspfennigen in die Hand, mit welchem wir sodann im Beiwagen Platz nahmen.

Natürlich wäre es meinem Herrn Vater niemals eingefallen, mit dem Fahrrad zu fahren – er nahm natürlich die Kraftdroschke. Und ebenso selbstverständlich reizte er die Kraft seiner zwei Pferdestärken voll aus, während wir hinten in dem kleinen Schlitten (dereinst war das ganze Jahr Winter), den er auch scherzhaft als seinen „Kofferraum avant la lettre bezeichnete, unsere liebe Mühe hatten, mitsamt den Reichspfennigen das Gleichgewicht zu halten. Was freilich nicht immer gänzlich gelang. Mein Herr Vater hielt in solchen Fällen schon aus pädagogischen Erwägungen sein Fahrzeug nicht an.

Meinen jüngsten Bruder Johann-Maria holten aus diesem Grunde im Schlosswald die Wölfe. Welch wertvolle Lektion er hierdurch lernte!

Kategorien: Aktuelles, Diabolisches

Völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Redewendungen

Heute:

„Der Teufel verliert immer beim Strip-Poker.“

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Kategorien: Aktuelles, Historische Exkurse

Die Wettervorhersage für April

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Gewöhnen Sie sich nicht zu sehr an die frühlingshaften Temperaturen – bekanntlich naht alsbald der April. Der hundertjährige Kalender sagt für den Narren-Monat folgende Wetterlage voraus:

Eine von Saturn gerittene Kaltfront bringt in der ersten Monatshälfte Niederschläge kräftiger Schusterbuben. Dazu weht oft ein sensenscharfer Ostwind. Ab dem 16. des Monats sorgt eine von den Azoren aus einreitende, zweiköpfige Lindwurm-Warmfront durch feuerschwangeren Odem mit Temperaturen von bis zu 57 Grad Celsius für eine anhaltende Dürreperiode mit gelegentlichen Flächenbränden. Landwirten wird dringend angeraten, von der Bestellung der Felder abzusehen und stattdessen die Schweinshaxen-Ernte vorzuziehen, da sich Fleisch aller Art durch die außergewöhnlich hohen Temperaturen quasi wie von selbst räuchert. Zum Monatsende bringt eine sintflutartige Sintflut mit gelegentlichen Apokalypsen die erhoffte Abkühlung. Da hilft wohl nur beten, beten, beten!

Nun zu den Lotto-Gewinnzahlen mit Nostradamus.

Kategorien: Aktuelles, Zum Wetter

Pflege – endlich auch maschinell

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Kategorien: Aktuelles, Gesundheit, Zur Weltpolitik

Ökologische Selbstvernichtung

Was der gemeine Öko-Winsler gerne vergisst: Auch der laufende Betrieb der Natur verbraucht eine ganze Menge Energie. Man denke nur an die Gezeiten oder die permanente Kühlung der Polkappen – das alles kostet doch gewiss ein Heidengeld. Wofür man unbedingt diese permanente Rotation der Erdachse benötigt, frage zumindest ich mich schon seit Jahren. Eine kostengünstige (da drehungsfreie) Erdenscheibereichte schließlich jahrhundertelang völlig aus. Was nur beweist: auch wissenschaftlich verifizierbare Fakten sind teuer. Umso bemerkenswerter, daß inzwischen aufwändige Evolutionsbemühungen permanent schier ad absurdum geführt werden – allenthalben übernimmt der Halbaffe die Macht.
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Noch preiswerter würde es übrigens, wenn die besagten Primaten einen Atomkrieg auslösten. Zwar ist eine solche Unternehmung auch nicht ganz billig, immerhin besteht aber eine gute Chance, daß hernach der überaus gravierende Kostenfaktor „Mensch“ gänzlich entfällt. Bei gradueller Abschaltung der Natur hingegen wären noch einige Jahrhunderte kostenintensiver Lebensfortbetreibung erforderlich. Noch weitaus kostengünstiger wäre indes ein Armageddon durch einen massiven Anstieg des Meeresspiegels. Unsere sterblichen Überreste würden sich, kombiniert mit anderen Sedimenten, im Laufe der Jahrtausende zunächst zu Faulschlamm und schließlich zu Erdöl verdichten, welches dann wiederum als Kraftstoff für die Automobile der Insektoiden- Zivilisation dienen könnte, die uns vermutlich nachfolgt.

Damit wäre dann selbst die Menschheit endlich hochprofitabel. Es lebe die Marktwirtschaft!

 

Kategorien: Aktuelles, Zur Weltpolitik

Danse macabre ins neue Jahr

In wenigen Stunden ist es wieder soweit: Das siech darniederliegende Seuchenjahr wird mit ohrenbetäubendem Geknalle und unmäßigem Alkoholabusus standesgemäß verabschiedet. Freilich: seine rituelle Bedeutung hat der mitternächtliche Radau schon längst eingebüßt. Wollte man in grauer Vorzeit hauptsächlich die ungeliebten Geister des alten Jahres verjagen, noch bevor sie auch das kaum dem Schoße der Ewigkeit entschlüpfte Neujahr mit ihren Heimsuchungen zu peinigen vermochten, so hält man dergleichen heutzutage für vorzeitlichen Aberglauben und lässt lieber gedankenlos ähnliche Quantitäten an Barschaften und Gehirnzellen mitsamt dem scheidenden Annum in übelriechendem Schwarzpulverdunst und schaumweinumwölktem Delirium tremens verglimmen. Welch fatale Ignoranz!

Ja, Sie lesen recht: Die bösen Geister der Vergangenheit sind nicht nur sehr real, sondern heutzutage sogar präsenter denn je. Nur zu: horchen Sie, schnuppern Sie. Können Sie ihn fühlen, den dumpfen Hauch der Verwesung, der sich jetzt, genau in diesem Moment, über Ihre traute Stube legt? Freund Hein hat es sich längst neben Ihnen auf dem Sofa bequem gemacht – und mit ihm alljene Gespinste der deutschen Fernsehunterhaltung, die Sie längst tot und begraben wähnten.

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Ganz recht: das vermeintliche “Programmfeuerwerk” auf allen Sendern ist tatsächlich nicht viel mehr als ein ungelenker Danse macabre, dessen Ouvertüre, eine allenfalls mittelkomische Stolper-Klamotte aus England, den Zuseher bereits durch ihre schiere Altbekanntheit in einen heimtückischen Schlummer wiegt. Derart eingelullt (und sowieso bereits einschlägig vorbetrunken) ist der ahnungslose Chaiselongue-Apathiker leichte Beute für eine Schaar zombifizierter Schreckensgestalten, die nunmehr im Halbstundentakt aus dem Krypten der leichten Unterhaltung zum Fernsehschirm emporsteigen: ob Harald Juhnke, Dieter Krebs, Rudi Carrell oder das Ekel Alfred – kein Spaßmacher der piefigen Bundesrepublik bleibt am Silvesterabend unexhumiert. Auch die gerade noch Lebendigen vom Schlage eines Roberto Blanco, die man für eine obligatorische Pilawa-Unterhaltungssendung mühsam zurück ins Wachkoma rüttelt, können kaum über die Tatsache hinwegtäuschen, daß im deutschen Silvester-Fernsehen nicht der Frohsinn, sondern die Fäulnis Programm ist.

Wenn heute also kurz vor Mitternacht Johannes B. Kerner, von der Spider Murphy Gang auf der alten Leier adäquat begleitet, das verflossene Jahr routiniert abmoderiert, dann sollten auch Sie einige Minuten für ein kurzes Innehalten reservieren. Wenn dann alsbald die lauten Böllersalven einsetzen, gedenken Sie kurz und innig der ursprünglichen Bewandtnis des Feuerwerks, das neben lustigem Farbspiel und traumhaften Feinstaubwerten eben in allererster Linie die bösen Geister längst vergangener Tage wieder in ihre Särge scheucht. Ich darf Ihnen versichern: eher früher als später gibt es ein Wiedersehen. Allerspätestens am 31.12.

Kategorien: Aktuelles, Baron Friedels aristokratischer Almanach, Redliches Fernsehprogramm

Bisherige Feiertagsbilanz

Heiligabend: “Ochs-und-Esel-Ragout in Gottesmutter-Milch” (Mit Camenbert überbackene Würfel vom Maulesel in sämiger Ochsen-Fettbemmen-Gorgonzola-Sauce. Dazu eine grüne Beilage aus in Speck ausgelassenen Polenta-Röschen, garniert mit karamellisierten Spinatstreifen. Zum Nachtisch: Creme “Krippenstroh” (Im rustikalen Holzeimer gereichte, mit Nusslikör flambierte Dessert-Variation aus Nougat und Kuvertüre am Stück, dekoriert etwa achtzehn “Strohhalmen” aus Snickers-Riegeln, fünfundzwanzig Eigelb sorgen für die charakteristische Farbe).

Erster Feiertag: Gänsebraten “Betlehem” (auch als das “jüngste Gericht” bekannt: Mit Maronen, Walfischtran und Foie gras gefüllte, mit Coca-Cola eingeriebene Fettgans). Dazu “Pommfritz Italia” (in Mini-Pizza “Vierkäse” eingerollte Chili-Käse-Pommfritz, dekoriert mit in Sternform geschnittenen “Holobolo”-Currywurst-Scheibchen). Hernach ein thematisch passendes Dessert: Parfait “Dreikönig” (In einer Buttercreme Minze, Myrrhe und Salbei angeschwitztes Schoko-Trockenobst mit Erdnuss-Einscreme und Sahne).

Zweiter Feiertag: traditionell die Reste aus allem, allerdings in diesem Jahr fein püriert und auf eine schöne Palmin-Stulle gestrichen, obendrauf noch ein “Toast Hawaii”, überbacken mit einer Hollandaise-Fresubin-Bechamel.

Konstatiere: wie schon im letzten Jahr abermals bis zum Abend des zweiten Feiertages durchgehalten. Noch bin ich allerdings ein wenig unsicher, ob ich die Ambulanz, oder doch lieber sogleich den Leichenwagen verständigen sollte. Auch der Herr von der Telefonseelsorge prüft die Faktenlage derzeit noch kritisch. Insgesamt darf ich aber auch in diesem Jahr ein positives Resümee ziehen. Man möchte nämlich kaum glauben, wie intensiv man das Wunder der Weihnacht am ganzen, sich windenden Leibe empfindet, wenn zahlreiche Embolien und Koliken die Sicht trüben und den Geist empfänglich machen für Erscheinungen und Wunderdinge aller Art, erst recht, wenn man dazu in etwa zehn Fläschlein “Sechsämtertropfen” verköstigt.

Kurzum: je nach Ausgang liest man sich nach meiner obligatorischen Kur. Oder auch nicht, sapperlot!

Kategorien: Aktuelles, Das Christfest

Der Ungeist der Weihnacht

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Heute erschien mir des Nachts ein etwas amorpher Herr, der sich zwar zunächst als „Geist der Weihnacht“ vorstellte, sich bei näherem Hinsehen aber ganz eindeutig als mein vor Jahresfrist verstorbener Freund und Kompagnon Dr. Horst Brezner herausstellte. Allerdings bot er in der Tat einen gespenstischen Anblick: über und über war er mit Ketten behängt, verbreitete einen gar pestilenten Muff und wirkte auch sonst nur wenig geschäftsfähig. Noch während er von „Umkehr“, „drei weiteren Geistern“ und ähnlichem Schwachsinn schwadronierte, kam mir siedendheiß in den Sinn, daß ich diesem ausgemachten Nassauer bereits Jahre vor seinem Ableben generöserweise drei Euro geborgt hatte.
Nachdem ich den spukenden Schnorrer mit angemessen donnernder Stimme von diesem Umstand unterrichtete, schien die Brandrede Brezners jedenfalls bereits einige Vehemenz einzubüßen. Sichtlich verunsichert gemahnte er nochmals, ich solle „nicht so enden wie er“, worauf ich brüllend versetzte, daß „ich meine Rechnungen zu zahlen pflege“ und ihn zugleich attestierte, als Geist „weit weniger furchterregend denn als Halsabschneider“ zu sein.

Worauf ich mit dieser Etüde überhaupt hinaus will? Nun, lassen Sie mich zum Punkt kommen: Das letzte Hemd hat eben DOCH Taschen! So kam ich in meiner Eigenschaft als anständiger Herr nach Jahren doch noch zu meinen längst verloren- und beerdigtgeglaubten drei Euro. Wann, so muss man mit einigem Recht fragen, war der Geist der Weihnacht je lebendiger?
Wünsche weiterhin ein Frohes, etc. pp.

Kategorien: Aktuelles, Das Christfest

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