Monatsarchiv: Dezember 2016

Bisherige Feiertagsbilanz

Heiligabend: 1 1/2 Stopfgänse, gefüllt mit Pommfritz rot-weiß an in Butter ausgelassenem, mit Wachtelfett glasiertem Rosenkohl, überbacken mit geriebener Astronautennahrung. Als Nachtisch ein feines Palmin-Kuvertüre-Parfait mit bunten Schokoladenstreuseln nach altem Familienrezept (auch bekannt als „Fettembolischer Hund).

Erster Feiertag: Fetucelle „Doppelrahm“, überbacken mit Walfischtran-Brie-Béchamel in Pizza-Salami-Calzone. Hernach eine selbstgemachte Walnusslikör-Mascarpone-Creme, serviert in der Gugelhupf-Form.

Heute: Reste aus allem, abermals überbacken.

Konstatiere: Vermutlich in der nächsten halben Stunde ist es wohl doch langsam an der Zeit, die Ambulanz zu verständigen. Die Galle, alle Jahre wieder. Insgesamt lässt sich aber ein positives Resümee ziehen. Hätte ich zu diesen Köstlichkeiten nicht exakt 68 Obstler verköstigt, ich hätte wohl kaum bis zum Abend des zweiten Feiertages durchgehalten, was mir bisher nur höchst selten gelang. Nachdem man mir den Magen ausgepumpt hat, begebe ich mich erst einmal auf Kur. Wünsche allseits einen guten Rutsch!

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Kategorien: Aktuelles, Das Christfest

Festliches Innehalten

Die wenigsten unter Ihnen werden wissen, daß ich trotz meiner aristokratischen Herkunft auf Wunsch meines Herrn Vaters auch einen ganz handfesten Beruf erlernt habe: Ich bin staatlich anerkannter Im-Weg-Steh-Fachwirt.

Freilich: Als ich nach dem Krieg meine Ausbildung begann, räumte man der Behinderer-Zunft noch eher düstere Zukunftsaussichten ein. Jene meist dem Mittelalter entstammenden, engen Gässchen – weiland noch die natürlichen Tummelplätze professioneller Versperr-Bummelanten – waren meist dem Bombenhagel zum Opfer gefallen. Kurzum: Es dominierten weitläufige, kaum frequentierte Plänen und Trümmerfelder – schlechte Zeiten für selbst die versiertesten Vollprofis der angewandten Säumigkeit.

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Doch letztlich kam es anders: der mit dem Wirtschaftswunder einhergehende Aufschwung sorgte dafür, daß plötzlich allüberall Kaufhäuser und Lebensmittelläden aus dem Boden schossen, die mit ihrer völlig neuartigen Art der Warendarreichung nicht nur für die Konsumgesellschaft eine Revolution einläuteten. Zwischen sporadisch verteilten Produktinseln und schier endlosen Regalreihen ließ es sich auch so wunderbar effektiv im Weg herumstehen, wie noch niemals zuvor. Auch mangelte es Dank studierbedürftiger Nähwerttabellen und verschieden großer Dosen nie an einer passenden Begründung für ein den Gesamtbetrieb empfindlich störendes Trödel-Verhalten, sofern man sich nicht ohnehin auf zielloses Umherirren mit gelegentlichen, möglichst abrupten Richtungs- und Tempowechseln beschränken konnte, um allzu eilige Zeitgenossen wirksam auszubremsen.

Gerade in der Vorweihnachtszeit erlebt meine Branche traditionell ihre Hochkonjunktur. Überfüllte Innenstädte sind ein Tummelplatz par excellence sowohl für die Zunft der Im-Weg-Steher, als auch für ihre Verbandsgenossen, die Drängler, Querulanten und Lebensgeschichtenerzähler (Gemeinsam ist man in der „ver.zehr“ [Vereinte Nervenzehrergewerkschaft] organisiert). Allenfalls Taschendiebe, Säufer und Perverse sind noch häufiger vertreten (konnten sich aber nie zu einer gewerkschaftlichen Organisiertheit durchringen).

Ich persönlich habe mich aus dem professionellen Bummelantentum übrigens schon längst zurückgezogen und stehe nur noch ganz bisweilen als Privatmann anderen im Weg. Freilich ist es mir trotzdem ein Anliegen, auf diesem Wege einmal explizit auf den unschätzbaren Dienst hinzuweisen, den diese tapferen Nervtöter der Gesellschaft erweisen. Sie bringen uns dazu, auch an den unmöglichsten Plätzen kurz innezuhalten. Indem sie uns mit ihren enervierenden Kapriolen schier zu Weißglut treiben, erinnern sie uns daran, daß auch der Weg das Ziel sein kann. Und Hand aufs Herz: wer hätte sich am Weihnachtsabend im Schoße der engsten Familie nicht schon einmal inständig gewünscht, man hätte ihn im Einkaufszentrum eingeschlossen?

Kategorien: Aktuelles, Das Christfest

Hoch vom Himmel komm ich her

nikolaus-bomber

Ihr Kinder, stellt die Schuh‘ hinaus,
denn heute kommt der Nikolaus;
Drum geht heute brav und munter,
eilig in den Keller runter.
Äpfel, Feigen, Backwerk, Nüss‘
Bombt er Euch munter vor die Füß‘
Übrigens:
Warum der Klaus die Stuka fliegt
und Land und Stadt damit zersiebt?
Nun, schlechte Erfahrung:
Er Schlug Rangen-Hintern warm,
das Resultat: Ein Ruten-Arm.
So kam er langsam zu der Sicht:
Brave Kinder gibt es nicht!

Foto: Michael Schmidt

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches

Frisur-Vorbild Nordkorea

Werte Leser,

abermals kann man nur voll des Neides gen Nordkorea blicken:

Diktator verordnet Haarschnitt-Zwang. Nordkoreaner müssen jetzt Kim Jong Uns Frisur tragen

Wie schon sein Herr Vater, so lässt auch Herr Jong-Un zunehmend die Züge eines weisen Staatsmannes erkennen. Und ein solcher weiß sehr genau: man muss die Fäulnis an der Wurzel bekämpfen, sonst breitet sie sich aus wie Haarschuppen. Nur naive Idealisten würden auf ein vernünftiges Bruttosozialprodukt hoffen, lässt man dem Haarwuchs einfach freien Lauf. Irgendwann werden diese nämlich so lang, dass sie ins Sichtfeld hängen und somit den Blick auf das Wesentliche verstellen. Der dergestalt in seinem Sichtfeld eingeschränkte Jungmann wird schließlich und endlich jedwede Erwerbstätigkeit vermeiden und sich dem Gammlertum widmen, welches bekanntermaßen sogar noch weitaus pomadiger von der Hand geht, wenn die Zotteln erst auf Halbmast hängen. Pfui Deibel!

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Ja bitte!

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Nein Danke!

Herr Jong-Un indes hat ganz richtig verstanden, was auch hierzulande an sich dem althergebrachten Wissensschatze angehört. Schon mein Ausbilder beim redlichen Militär – der gute Rittmeister Prügelpeitsch – pflegte stets zu sagen: „Schert man im Nacken erst das Haar, pariert der Rekrut ganz wunderbar.“ Das, werte Brettbesucher, ist deutsche Leikultur, wie sie sein sollte. Nur wurde diese von gammligen Sozen und – noch weitaus schlimmer – von ökologischen Sozialschmarozern inzwischen vollständig ausgehöhlt.

Ich fordere daher ultimativ:

  • Frisuren nach Kaiser-Wilhelm- oder Kim-Jong-Un-Vorbild für die Jugend
  • Verstärkter kultureller Austausch mit Nordkorea
  • Durchführung von Frisur-Kontrollen an allen Universitäten
  • Umschulung von erfahrenen Schäfern zu Jungmannen-Scherern

Nur auf diesem Wege, werte Damen und Herren, kann unser Vaterland wieder den Platz an der Sonne erlangen – und eine Luftige Frisur ist da kein Hindernis; wofür gibt es schließlich Pickelhauben?

Kategorien: Aktuelles, Klassiker, Zur Weltpolitik

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