Historische Exkurse

Die „Nazarether Bindung“

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»[…] Für Irritation – ja bisweilen gar für Empörung – bei der Pilgerschaft sorgt noch heute allenthalben die sogenannte „Nazarether Bindung“, welchselbige dereinst als „letzter Schrei“ bei juvenilen Delinquenten galt, von mittelalterlichen Künstlern aber aufgrund ihres keck-lasziven Charakters oft durch den deutlich braveren „Bethlehemer Schurz“ ersetzt wurde. Der berühmte „Sternschnytte unseres Heylants in foler Groeß“, welcher der Erstausgabe der Lutherbibel beilag, präsentierte die originale Schurzbindung erstmals wieder einer breiteren Öffentlichkeit. In der von Papst Leo eilends verfassten Enzyklika „Castae condere obductis“ wurde die Authentizität der gewagten Heilandshüllung energisch bestritten. Freilich konnte er damit nicht mehr verhindern, daß sich der Nazarether Schurz alsbald als beliebtes Freizeitkleidungsstück in den frischreformierten Gebieten durchsetzte. Selbst Luther höchstpersönlich soll ich des Öfteren im neckisch umgeschwungenen Lendengewande präsentiert haben, was allerdings aufgrund der stetig sich mehrenden Leibesfülle des Chef-Evangelen rasch zu einem Abebben jenes frühreformatorischen Modetrends führte.«

Aus: Gunsser, Nikodemus: Von „Size Zero“ bis zum Stigma-Tunnel. Der Heiland am Kreuz als als Stilikone. Tübingen, 1925.

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Weisheit zum Montag

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Andere Zeiten, andere Böller

Heutzutage scheint man das Knallern im urbanen Raum ja nachgerade als erstes Bürgerrecht zu erachten. Früher zog der Deutsche es vor, völlig selbstlos für seine Nachbarn bunte Feuerwerke zu veranstalten. Der Katzenjammer hub dereinst erst an, als die Böller schließlich auch über den heimischen Städten herniedergingen. Wie sich die Zeiten doch ändern.

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Völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Redewendungen

Heute:

„Der Teufel verliert immer beim Strip-Poker.“

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Eine kurze Geschichte des Schwitzens

Wer hierzulande der heilsamen Transpiration frönen will, wird in den allermeisten Fällen eine finnische Saunalandschaft aufsuchen. Nahezu gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist hingegen die indianische Schwitzhütte, die heutzutage allenfalls bei esoterisch beseelten Sinnsuchern einigen Anklang findet, ansonsten aber ein eher trauriges Nischendasein fristet.

Dabei schienen die Zukunftsaussichten der Schwitzhütte nach der Entdeckung der neuen Welt geradezu glänzend: Im Gegensatz zum bis Dato bekannten römischen Dampfbad war die indianische Variante nach damaligen Maßstäben für ein Gebäude geradezu unerhört leicht zu transportieren und überdies ausgesprochen günstig in der Anschaffung. Freilich war die damals noch recht schwachbrüstige amerikanische Wirtschaft nicht im Ansatz dazu imstande, die steigende Nachfrage auf der anderen Seite des Ozeans zu bedienen. Eine Marktlücke, die der Altöttinger Kaufmann Kuntz zu Holzhardt alsbald erkannte.

Holzhardt, im Hexenverfolgungs-Boom des 16. Jahrhunderts mit der Produktion von Folterinstrumenten früh zu Wohlstand gelangt, legte 1558 einen eigenen Entwurf für eine “Hutta fur gar wassirig Switz-Vroide” vor. Allerdings hatte Holzhardt bei seiner Schwitzhütte im Vergleich zum Original einige tiefgreifende Änderungen vorgenommen.

Der tiefgläubige Holzhardt wollte in der heidnischen “Ur-Schwitzhütte” einen entscheidenden, mit dem rechten Glauben unvereinbaren Schwachpunkt ausgemacht haben. So war er der Überzeugung, daß es sich für einen guten Christen schlicht nicht schicke, der wonnevollen Körperreinigung zu frönen, ohne dabei in ausgleichender Demut das Antlitz des Herrn schaun zu können – das Haupt des Saunierenden musste sich folglich zu jeder Zeit im Freien befinden. Auch in puncto Formsprache ging der bayerische Visionär eigene Wege. Seine Hütten-Konstruktion orientierte sich an der Tiara – der zeremoniellen Krone des Papstes.

Allerdings unterlief dem sittenstrengen Holzhardt bei seinem Konzept ein entscheidender Fehler: Im Gegensatz zur indianischen Hütte, die durch einen konventionellen Eingang betreten werden konnte, ersann er für seinen Entwurf im Sinne des ästhetischen Gesamtbildes ein elaboriertes System, das aus heutiger Sicht hanebüchen anmuten mag, aber durchaus dem medizinischen Kenntnisstand den 16. Jahrhunderts entsprach: Der Kopf des Schwitzhütten-Besuchers wurde mit einem entschlossenen Ruck mit der Streck-Maschine (selbstredend ebenfalls aus Holzhardts Sortiment) vom Torso getrennt und erst im dann wieder aufgesteckt, wenn der Körper durch ein tunnelähnliches Rohr ins Hütteninnere verbracht worden war.

Was für Holzhardt höchst einträglich war, wurde für die lokale Wirtschaft schnell zum Problem: die vermeintlich frischerholten Lehensnehmer agierten bei der Feldarbeit überraschend kopflos und mussten fast ausnahmslos nach den im Mittelalter üblichen Gepflogenheiten frühverrentet werden.

Gemeinsam mit den ersten Probanden wurde auch die Idee des Gesundschwitzens vorerst begraben. Es sollte noch einige Jahrhunderte dauern, bis sich die Sauna schließlich auch hierzulande durchsetzte.

Holzhardt indes fiel, ganz Tausendsassa, auch nach dieser Schlappe auf die Füße. Er konzentrierte sich wieder aufs Kerngeschäft und konnte seine verhinderte Schwitzhütte nach dem Aufkommen der hochnotpeinlichen Befragung erfolgreich als Folterinstrument vermarkten – und man darf wohl mit Sicherheit davon ausgehen, daß die Holzhardt-Hütte trotz ihrer Umwidmung noch so machen Delinquenten gehörig ins Schwitzen brachte.

[Bilder: Oben: Holzhardt mit einem Modell seiner Schwitzhütte. Unten: Zeichnung aus dem originalen Patent-Dokument]

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Die erstaunliche Erfindung der Anal-Arznei

Die Älteren unter Ihnen werden sich gewiss erinnern:
Bereits 1899 erfindet K. Prestorius in Linz das Fieberzäpfchen und entdeckt somit eine völlig neuartige, äußerst effektive, aber zugleich ungekannt unangenehme Form der Arzneimitteldarreichung. Seine revolutionäre Idee kommt ihm der Legende nach bei der Betrachtung alter Holzschnitte mit Darstellungen unter Vlad III. gepfählter Delinquenten.

Leider wäre die kühne Entdeckung beinahe an der leidigen Durchführbarkeit gescheitert: vor der Erfindung des Penicillins ist es schlicht unmöglich, Arzneiwirkstoffe auf eine handliche Größe zu komprimieren. Prestorius freilich lässt sich durch diese Widerstände nicht beirren. Flugs konstruiert er die „κώλος I“ getaufte (Prestorius war gelernter Altphilologe), motorisierte Zäpfchen-Droschke. Unter der Außenhülle aus einem hochwertigen Chinin-Morphin-Gemisch auf Hartfett-Basis ist ein Benz-Viertaktmotor mit drei Pferdestärken verbaut. Ein Zäpfchen mit Verbrennungsmotor – was aus heutiger Sicht vielleicht etwas bizarr anmuten mag, ist damals schob ob der schieren Größe der torpedoförmigen Anal-Arznei unabdingbar. Nur auf diesem Weg ließ sich eine korrekte Verabreichung sicherstellen.

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Die motorisierte Anal-Arznei des K. Prestorius

Am 29. April 1889 kommt es auf einem Streckenabschnitt der Semmeringbahn zum ersten Härtetest. Unter Zuhilfenahme des starken Gefälles gelingt es Prestorius, auf eine damals schier haarsträubende Spitzengeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern zu beschleunigen – ein neuer Rekord für die gesamte Region unter der Enns.

Auch die angedachte Applikation ist gelingt fast zur Gänze: Dem strategisch an der Ziellinie platzierten Schüttelfrost-Patienten, Herrn Landeskassendirektor Brunz, kann der Wirkstoff mindestens zur Hälfte verabreicht werden, bevor sein Perineum vor dem ungewohnten Anpressdruck kapituliert. Ein Teilerfolg. Außerdem erhält Prestorius so die Möglichkeit, mitsamt seiner nur halb geschmolzenen Konstruktion unter frenetischem Jubel des begeisterten Publikums eine Ehrenrunde zu drehen.

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Eine Zeit kühner Männer in fahrenden Arzeimitteln

Insgesamt muss man wohl festhalten: so banal die damaligen Geschehnisse aus heutiger Sicht auch erscheinen mögen – Prestorius‘ Ur-Zäpfchen war das erste Medikament, das aus eigener Kraft einen Wettkampf gewann. Wenn Sie also demnächst bei einer Olympiade den Siegeszug eines Athleten bewundern, den er ganz zweifellos einem brandneuen Präparat verdankt, so bedenken Sie: ein kinderleicht einführbares Zäpfchen ist beileibe keine Selbstverständlichkeit.

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Die rechte Zeit

K. u. k modert nahezu führungslos, der Brite ist mehr als eine Ärmelkanallänge entfernt, der Russe weiterhin suspekt und mit dem osmanischen Despoten betreibt man ein für beide Seiten fruchtbares Zweckbündnis. Zudem sprießt der Terrorismus. Kurzum: ganz Europa gleicht einem Pulverfass. Wenn der Kaiser alsbald zurückkommt, wird er sich sogleich bestens zurechtfinden.

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Britannien und der Austritt aus dem heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

Werte Heimseitenbesucher,

sicherlich werde einige von Ihnen durch die obskure Debatte über den „Britannienaustritt“
verunsichert worden sein – indes seien Sie versichert, das es sich hierbei um einen Kokolores
und Schabernack handelt, der niemanden weiter verunsichern sollte. König Georg und seine Mannen
haben 1918 im großen Krieg verloren und sind damit fester Bestandteil des heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nationen geworden, sapperlot. Ein Austritt, so drollig der Gedanke auch sein mag, ist damit
ohne ausdrückliche Zustimmung unseres Kaisers gar nicht möglich, potztausend!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

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Wahltag. Eine Nachbetrachtung

Wertes Wahlvolk,

ich persönlich pflege beim Urnengange schon seit Jahr und Tag exakt dieselbe Praxis: ich mache drei Kreuze und erwarte weiterhin sehnlichst die Rückkehr unseres geliebten Kaisers.

Freilich kommt man um eine Beobachtung des Ausganges dieser verzichtbaren Volksvergnügung nicht umhin. Ich muss schon sagen – die meiste Verwunderung bescherte mir der partiell durchaus recht durchschlagende Erfolg der grünen Hallodris.

Sieht man den unübersehbaren Tatsachen ganz nüchtern ins Auge, so hat diese Partei von unverbesserlichen Kaulquappen-Nummerieren doch ihre Daseinsberechtigung schon vor Jahren verloren. Schließlich ist die durchaus sinnvolle Disziplin der Mülltrennug schon längst in der deutschen Lebenswirklichkeit angekommen und jedermann bereits in Fleisch und Blut übergegangen.

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Mülltrennung – eine deutsche Kerndisziplin

Vor kurzem hat man gar ein Bakterium entdeckt, welches sich von Kunststoff und Plastik ernährt. Dergleichen war mir selbstredend schon intuitiv bewusst, weshalb ich meine Einkaufsbeutel schon seit Jahren im Walde entsorge, wo bekanntermaßen von Natur aus Unordnung herrscht und sich garstige Bazillen daher mannigfach tummeln.

Auch sonst leuchtet die korrekte Kehricht-Lese glasklar ein: Altbatterien gehören auf die Heide und dienen dort dem possierlichen Duracell-Häschen als Nahrung. Der ganze Rest wird im Klosett heruntergespült – so ist sichergestellt, dass die Atlantis-Meermenschen stets über ausreichendes Baumaterial für ihre Unterwasserhütten verfügen.

Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist selbstverständlich der braune Biomüll – dieser kommt bekanntermaßen nach Sachsen-Anhalt, Potztausend!

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Es plätschert die Mühle am steinigen Bach

Diese Überfremdung ist schon in der Tat höchst beängstigend.

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Kategorien: Aktuelles, Historische Exkurse, Zur Weltpolitik

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