Monatsarchiv: Oktober 2013

Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil III

Wir schreiben das 12. Jahrhundert: Der mutige Reformer Baron Grobian-Hammerhardt von Friedel leistet mit der Einfรผhrung des „Codex Friedensis“ auf seinem Lehen einen unschรคtzbaren Beitrag zur Herausbildung einer modernen Strafprozessordnung.


Baron Grobian-Hammerhardt von Friedel

Darin entwickelt er den noch heute gรผltigen Grundsatz โ€žKeine Strafe ohne Gesetzโ€œ. Fortan wird der dereinst noch sehr weit gefasste Begriff der โ€žStrafeโ€œ deutlich klarer umrissen: so gilt eine hexereibedingte Verbrennung von nun an als โ€žReynigung der Seele durch Ultrahocherhitzungโ€œ, eine Behandlung mit der Garotte wird nunmehr als โ€žMassage zur Beseytigung der Genickstarreโ€œ gefรผhrt. Durch diesen geschickten Winkelzug wird der Bedarf an Gesetzen und somit insbesondere der bรผrokratische Aufwand erheblich reduziert.
Leider war die Zeit noch nicht reif fรผr diesen auch auf dem medizinischen Sektor bewanderten Universalgelehrten. Als er sich anschickt, die Pfรคhlung fortan als Methode zur โ€žVohrbeugenden Darspielungโ€œ zu deklarieren, wird er von einem aufgebrachten Mob gelyncht. Seine feigen Mรถrder kรถnnen freilich ihrer gerechten Strafe nicht entkommen: Grobian-Hammerhardts Plรคne, das Lynchen als โ€žStreytgespaeche aus nรคchstester Naeheโ€œ zu deklarieren, waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht umgesetzt. Sie werden 1356 gehenkt (vertรคute Atemwegs-Rosskur).

Kategorien: Familienchronik

Geschichte der Wurfbibel (historischer Abriss)

Werte redliche Gemeinde,

Gewiss haben Sie allesamt bereits mehr als einmal von einer Wurfbibel Gebrauch gemacht. SchlieรŸlich gehรถrt diese seit jeher zum Standardreportoire eines jeden redlichen Menschen. Woher aber kommt dieses redliche Brauchtum? Selbstverstรคndlich liegt es mir fern, Ihnen auf diesem Wege mangelnde Bildung zu unterstellen; indes sollte nicht vergessen werden, dass diese Heimseite insbesondere auch der moralischen Bildung der Jugend dienen soll. Insofern erscheint es mir angezeigt, hier nur einige Episoden wiederzugeben, welche mir als besonders signifikant erscheinen.

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  • Die Geschichte der Wurfbibel beginnt bei einem der groรŸen Kirchenvรคter, dem Volkspropheten Paulus. Er soll die besagte Tradition begrรผndet haben. Man sagt, er habe seine Rรถmerbriefe dem Kaiser persรถnlich an den Kopf geworfen. Der Mรคrtyrertod durch das Schwert war ihm somit sicher
  • Als eigentlicher Grรผnder der Tradition gilt indes Papst Silvester I. So soll dieser Kaiser Konstantin beim Konzil von Nicรคa Anno 325 die soeben beschlossenen Kanones aus dem Handgelenk ans Haupt geschleudert haben. Benommen und verwirrtย unterschreibt der Kaiser die sogenannte „konstantinische Schenkung“
  • Bereits 1521 wirft Martin Luther seine soeben fertiggestellte Bibelรผbersetzung Kurfรผrst Friedrich von Sachsen an den Kopf. Als er diesen allerdings nicht trifft, nimmt er dies als gรถttliches Zeichen fรผr die Unzulรคnglichkeit seines Werkes. Er selbst stellt fest, er „es sey, daรŸ ich mich verworfen habe“ und รผbersetzt die Bibel aufs Neue. Hier wird abermals Luthers unschรคtzbare sprachschรถpferische Leistung deutlich, spricht man doch noch heute davon, „etwas zu verwerfen“
  • 1456: euphorisch wirft Johannes Gutenberg die ersten Exemplare seiner druckfrischen Bibel unter das Mainzer Volk. Leider bewegt der Erfolg sich in engen Grenzen. Niemand kann lesen
  • 1867: Papst Pius IX stellt einen neuen Rekord im inzwischen im Jahresturnus veranstalteten Bibelwurf auf: zielsicher wirft er dem versammelten Kardinalskollegium samt und sonders die Hรผte vom Kopf. Das Dogma der Pรคpstlichen Unfehlbarkeit ist geboren.

Sie sehen – die Wurfbibel kann auf eine reiche Tradition innerhalb der Geistesgeschichte des christlichen Abendlandes zurรผckblicken. Wenn Sie also demnรคchst eine Bibel werfen, gedenken Sie der groรŸen Mรคnner, die es vor Ihnen taten.

Ihr

Baron von Friedel

Kategorien: Historische Exkurse

Primitive Kunst

Werte Damen und Herren,

hier sehen Sie ein Kleinod meiner inzwischen ausgesprochen umfangreichen Kollektion primitiver Kunst. Nรคmliche Gรถtze stellt mich selbst dar und wurde von den Blรคhi-Indios im Amazonasgebiet angefertigt, um mir zu huldigen. Der besagte Stamm ernรคhrt sich ausnahmslos von verschiedenen Bohnensorten und kommuniziert ausschlieรŸlich durch einen ausgesprochen nuanancierten Singsang aus Darmgerรคuschen. Die Anthropologie war stets mein Steckenpferd. Nun, sei es wie es will, jedenfalls war ich der erste „AuรŸenseiter“, der (nach drei Wochen Bohnendiรคt) imstande war, die Sprache der Blรคhis sowohl zu erlernen, als auch eine aktive Artikulation zu vollbringen. Aus diesem kรผhnen Grunde also entstand die besagte Skulptur. รœberhaupt sind die Blรคhis stets eine Expedition wert. Allerdings empfehle ich aufgrund der starken Geruchsentwicklung dringend das Mitfรผhren einer Wรคscheklammer, um gegebenenfalls die Nase zu verschlieรŸen. Hurra!

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Kategorien: Aktuelles

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