Monatsarchiv: Oktober 2015

Transparenz und Neuanfang

Werte Herrschaften,

ich darf an dieser Stelle nunmehr offiziell verkünden, was die Luftratten ohnehin schon allenthalben von den Dächern pfeifen:

Mit sofortiger Wirkung werde ich die vakante Stelle im Fußlümmel-Weltverband übernehmen. Und ich versichere Ihnen: ich stehe für nichts weniger als einen rigorosen Neuanfang!

fifa

Meine erste Amtshandlung: die unter äußerst dubiosen Umständen (das heißt: ohne meine Beteiligung) zustande gekommene Vergabe der Balltreter-Weltmeisterschaft 1922 an die Scheichs aus Katarrh wird mit sofortiger Wirkung annulliert!
Es ist doch nachgerade hanebüchen, bei solch einer Hitze auf einem Rasen (oder wo auch immer dieses unsinnige Spiel ausgetragen wird) herumzulaufen.

Ich darf weiterhin freudig verkünden, dass das schöne Nordkorea stattdessen den Zuschlag erhält. Dort herrscht nämlich stets schönes Wetter (und wenn nicht, dann wird es vom Lieben Führer gezwungen).

Was ich dafür erhalten habe? Selbstverständlich eine ganze Menge Geld! Da sehen Sie sogleich, dass ich in Punkto Transparenz keineswegs zu viel versprochen habe.

Mögen die Spiele also beginnen, oder wie auch immer man zu so einem Anlass sagt.

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Kategorien: Aktuelles, Zur Weltpolitik

Kindheit … einst und heute

Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: sic transit gloria mundi!

Johannes Kaplan

Kindheit damals und heute

Liebe Leserinnen und Leser, wie Sie sicher schon bemerkt haben, verlottert unsere Gesellschaft immer mehr. Diese Entwicklung geht selbstverständlich auch nicht an den Kindern vorbei. Für die Kleinen ist alles was die Großen treiben „normal“ – sie eifern ihnen immerzu nach.

Und das, was man tagtäglich tut, wirkt sich natürlich auch auf den Charakter aus. Früher waren Kinder niedliche Geschöpfe, an denen die Eltern ihren Wohlgefallen fanden. Heute benimmt sich der Nachwuchs so, als sei er von Dämonen besessen. Manchmal glaubt man, es mit Monstren zu tun zu haben, vor denen man am liebsten Reißaus nehmen möchte. Sehr schön kann man das am obigen Bild erkennen.

Da ist zunächst das Mädchen, das seinen (sicherlich heiß und innig geliebten) Stoffhund fest an sich drückt und dabei freundlich in die Kamera schaut. Jeder kann sehen, dass man es hier mit einem braven Kind zu tun hat, das fleißig der Mutter nacheifert. Bestimmt hat die Kleine…

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Kategorien: Aktuelles

Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil V

Bad Friedelruh, 1854: nach kurzem Todeskampf erliegt Kees-Beatrix van de Friedelen aus dem flämischen Zweig meiner Familie seiner schweren Verletzung und stirbt einen vorzeitigen, gewaltsamen Tod. Ein Schicksal, das er mit zahlreichen Visionären, die ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht voraus waren zu teilen hat.

Schon in frühster Kindheit diagnostiziert der Leibarzt der Familie Kees-Beatrix einen geringfügigen Unterbiss, der bis Dato nicht weiter aufgefallen ist. Gleichwohl ist es dieser Makel, der ihn zeitlebens verfolgen wird und noch heute oftmals den Blick auf sein großartiges Lebenswerk verstellt. Denn obgleich selbst von edelstem Geblüt kann Kees-Beatrix noch heute als visionärer Sozialreformer gelten, der zeitlebens eine großartige Empathie für die Belange des Pöbels an den Tag legte.


Kees-Beatrix van de Friedelen

Schon in jungen Jahren von einer nachgerade unbändigen Weltneugier getrieben, schließt sich Kees-Beatrix schon mit 14 Jahren als Schiffsjunge der Niederländischen Westindien-Kompanie an. Doch mit einem derart niederen Rang will sich der muntere Jungspund verständlicherweise nicht zufriedengeben. Schon fünf Jahre später kann er folgerichtigerweise bereits sein erstes Kommando übernehmen, wobei sich eine verheerende Typhus-Epidemie an Bord sich für seine Karriere als äußerst zuträglich erweist.

Während seiner zwanzig Jahre währenden Laufbahn zu See kann Kees-Beatrix eine große Expertise in der Arbeiterbewegung erwerben, indem er Gastarbeitern aus aller Herren Länder die Überfahrt zu den pulsierenden Arbeitsmärkten in den neuen europäischen Bundesländern ermöglicht.

Schon damals versteht sich Kees-Beatrix ganz intuitiv auf Konzepte, die erst viel später weite Anerkennung auf dem Gebiet der Arbeitsmarktforschung finden sollten. Als Stichwort soll hier der Begriff des „Humankapitals“ genügen. Niemals ertrank ihm auch nur ein Klient, wie überhaupt der Europäer sich dereinst – im Gegensatz zu heute – geradezu vorbildlich um eine sichere Passage für Arbeitssuchende aus weniger privilegierten Ländern bemüht.

Erst als ihn eine weitere Typhus-Epidemie überraschend zum Alleinerben des Stammsitzes Bad Friedelruh macht, beschließt Kees-Beatrix die Kapitänsmütze an den Nagel zu hängen und sich ganz dem Junkertum zu verschreiben. Auch hier tut er sich als großer Reformer hervor; beispielsweise ernennt er, als er das gereizte, durchaus aufrührerische Klima in der Bauernschaft erkennt, rasch den ersten Gewerkschaftsvertreter auf deutschem Boden überhaupt. Hier eine Darstellung der Ernennungszeremonie:

Bedauerlicherweise muss der gute Mann sich alsbald wieder zur Ruhe setzen, was dem Modellcharakter des gnädigen Gewährungsaktes indes keinen Abbruch tut.
Da jedoch gerade die Besten oftmals von der Härte der Vorsehung besonders hart getroffen werden, muss Kees-Beatrix – wie eingangs schon erwähnt – ein gewaltsames Ende erleiden. Ein gewisser van Helsing ersticht ihn, von der irrigen Ansicht beseelt, es handle sich bei ihm um einen Vampir, unter dem allgemeinen Jubel der undankbaren Bauernschaft mit einem Holzpflock. Vorher hatte sich Kees-Beatrix um eine Wiedereinführung des Ius primae noctis bemüht, was die bösen Verleumdungen und Gerüchte im Volk weiter befeuerten. Seine Hauer tun das Übrige.

So beleibt heute nur die Erinnerung an einen großen Sozialreformer – und die Erkenntnis, dass sich so viel gar nicht verändert hat.

Kategorien: Familienchronik

Höchste Pflegestufe

Werte Heimseitenbesucher,

„Kommen Sie nur, kommen Sie“ rufe ich mit einem herzlichen Lachen im Gesicht und drücke dem
Herrn vom Amt anerkennend die Schulter, als er auch die letzte Stufe meiner steilen Treppe in den
ersten Stock überwunden hat. Sogleich verwandelt sich mein Griff aber auch in einen eisenharten
Schraubstock, der sicherstellt, dass der Herr nicht vor der Zeit den Rückweg nach unten antreten kann,
sapperlot. „Und nun schauen sie mein Guter“ kommt es über meine noch immer freundlich lächelnden
Lippen „Wir stehen nun direktemang auf meiner Pflegestufe, sogar auf der allerobersten, harhar. Und
sie wollten mir nicht glauben, dass ich bereits eine besitze!“. Der schmächtige Herr mit der Brille windet sich
etwas unter meinem eisenharten Griff, den ich nun langsam in Richtung seines Genicks verlagere und
beginnt zögerlich seinen Einwand wie folgt zu formulieren: „Also Herr von Klotz, ich verstehe nicht ganz…
wie gesagt müssen wir jetzt ernsthaft über eine Heimeinweisung…sie wissen doch, dass…“, doch da
unterbreche ich ihn mit einem sanften Knuff gegen das Schultergelenk, dass es unter dem Pullover knackt,
ziehe in ganz dicht an mein Gesicht und lasse ihn in meine Augen starren, die nun eine dramatische Wandlung in stechende, kleine Punkte durchmachen. „Und wollen sie denn gar nicht wissen, WARUM ich dies meine oberste Pflegestufe nenne, sapperlot?“ zischt es durch meine nur noch aus einem Spalt bestehenden Lippen und bevor der Kerl sein heiseres „Ja..aber..“ zu Ende gehaucht hat, bricht es aus mir heraus, laut wie ein Donnerschlag, dass die Bilder an der Wand sich von selber schief stellen „Ich nenne diese Stufe so, weil ich von hier aus jeden Lulatsch, der es wagt mein Haus mit irgendeinem Kokolores zu betreten, hinunter zu stoßen pflege, sapperlot!“.

Und kaum dass das Wort geendet ist, gebe ich dem Hallodri einen Stoß vor die Brust, dass er die erste Hälfte der Treppe im freien Fall überwindet, bevor er in der Mitte hart aufsetzt und sodann unter den tollsten Kapriolen und Überschlägen den Weg bis ganz nach unten zurücklegt. Dort liegt er erst einmal wie ein Käfer der alle Beinchen von sich gestreckt hat, wobei eines der Beinchen so abgewinkelt ist, dass ich nicht umhin komme, den Herrn ob seiner anatomischen Geschicklichkeit zu loben. Freundlichst lüfte ich sodann die Kappe und rufe hinunter, dass ich mich nun zu einem kurzen Mittagsschlaf zurückzuziehen gedenke und man kenne ja den Ausgang selbst nicht wahr?
Indes, sollte noch weiterer Gesprächsbedarf bestehen, so soll der gute Mann einfach liegen bleiben, damit wir NACH meinem Mittagsschlaf noch über die so genannte PFLEGEZUSATZVERSICHERUNG schwadronieren können, sapperlot.

Danach drehe ich mich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren auf dem Absatz um und begebe mich in mein Schlafzimmer,  um zu notieren, solange die Erinnerung noch frisch ist: „Daran denken: nach Schlummer schauen, ob Lulatsch noch vor der Treppe liegt! Wenn ja, wie versichert nochmals nach oben tragen und zusätzlich Pflege angedeihen lassen!“
Leider muss ich mir immer häufiger derlei Dinge aufschreiben, das Gedächtnis lässt immer weiter nach und es ist eine Schande wie der Staat verdiente, redliche Senioren wie mich gänzlich ohne Hilfe alleine wohnen lässt, dem Schicksal ganz überlassen. Irgendwann einmal werde ich vielleicht die Treppe hinunterfallen, ich mag mir gar nicht ausmalen, wie so etwas aussehen könnte, sapperlot!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Aktuelles, Der Seesack, Gesundheit

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