Monatsarchiv: Oktober 2018

Die Siebenbรผrgener Nachzehrer-Wurst

Sind sie es ebenfalls leid, alle Jahre wieder anlรคsslich dieses blรถdsinnigen โ€œHallo-Wienโ€-Festes von bestenfalls drolligen Schreckensgestalten penetriert zu werden, die eigens fรผr diesen Anlass C&A-Anzug und Sachbearbeiterschreibtisch mit Gespenstertuch und Plastik-Hackebeil vertauschten und sich dann ungefragt bei Ihnen einladen? Nun, ich darf erfreut verkรผnden: Das Darben hat hiermit ein Ende! In diesem Jahr nรคmlich werden Sie dem pseudozombifizierten Pรถbel eine Kรถstlichkeit aus alter Zeit servieren, die ihn lehren wird, was Furcht wirklich bedeutet: Die Siebenbรผrgener Nachzehrer-Wurst!

Gerne weihe ich Sie in die Zubereitung dieser schmackhaften Speise ein:

Sie benรถtigen:

1. Wurst (Pfรคlzer, Wiener, Lyoner, je nach Geschmack)
2. Eier (keine StrauรŸeneier, das verdirbt den Geschmack)
1-2 Liter frischgepressten Orangensaft
1-3 zuverlรคssige Kurzschwerter (oder ersatzweise Kรผchenmesser)
4-5 fรคhige Walfรคnger
1 Golddublone (notfalls tun es auch zwei Euro)
1 Dose Kutteln (notfalls auch Bohnen in Sauce)

Man nehme die Wurst und lege sie in eine Kasserolle. Sorgsam mit dem frischgepressten Orangensaft bedecken, dann die Eier darรผberschlagen. Dann in einen mรถglichst feuchtwarmen Raum (gerne auch Sauna) verbringen.

Dort vergessen wir unsere Wurst zwรถlf bis vierundzwanzig Monate, bis sie ausreichend gezogen hat. Ab und an sehen wir nach unserer Delikatesse, und stutzen eventuell nach uns greifende Tentakel sorgsam mit einem der Kurzschwerter (bei VerschleiรŸ auswechseln). Nach c.a. vierundzwanzig Monaten nehmen wir die erfahrenen Walfรคnger, und bringen die Wurst zur Strecke (Vorher unbedingt eine Golddublone an einen Mast nageln).
Mit Kutteln verfeinern. Fertig!

Ich wรผnsche einen gesegneten, ja, schauerlichen Appetit!

Abb. 1: Serviervorschlag

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Kategorien: Aktuelles, Kulinarisches

Romanidee

ยปIch habe jetzt endlich eine Idee fรผr meinen Roman!ยซ
ยปOh, lass hรถren!ยซ
ยปAlso: Ein Mann, selbst erfolgreicher Uni-Dozent, zieht mit seiner Familie in ein beschauliches ร–rtchen auf dem Land, weil er des urbanen Lebens รผberdrรผssig ist und auch so keinen Feinstaub mehr vertrรคgt.ยซ
ยปBis dahin klingt das sehr interessant!ยซ
ยปWarte, es wird noch besser! Unser Protagonist, nennen wir ihn vorlรคufig Professor G., freundet sich mit einem รคlteren Herrn aus der Nachbarschaft an, der ihn in ein Geheimnis einweiht: Hinter einem รถrtlichen Kleintierfriedhof verlรคuft ein uralter Pfad, der zu einer altertรผmlichen Begrรคbnisstรคtte fรผhrt, die ein dunkles Geheimnis birgt.ยซ
ยปHa, das gibt es doch schon lรคngst! Das ist ziemlich genau die Handlung von „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King! Das hast Du wahrscheinlich irgendwann gelesen und es jetzt fรผr Deine eigene Idee gehalten.ยซ
ยปStimmt ja nicht!ยซ
ยปAch ja? Dann lass mich mal raten, wie die Sache weitergeht. Wahrscheinlich wird eines Tages der Sohn von Deinem Professor รผberfahren und er bringt, die Warnungen seines betagten Freundes in den Wind schlagend, seinen toten Spross auf dem irgendwie verfluchten Friedhof und bestattet ihn unvernรผnftigerweise dort, hab ich Recht?ยซ
ยปVerdammt, woher weiรŸt Du das?ยซ
ยป…und dann kehrt der Sohnemann vom Indianerfriedhof zurรผck…ยซ
ยปNein! Falsch! Ganz falsch!ยซ
ยปAh so? Also doch anders?ยซ
ยปGanz anders! mein Buch spielt ja in Deutschland! Da gibt es keine Indianerfriedhรถfe!ยซ
ยปSondern?ยซ
ยปNa, zum Beispiel Rรถmerfriedhรถfe!ยซ
ยปGut, also ein Rรถmerfriedhof. Das reicht aber nicht aus, um Dein Werk nicht selbst fรผr einen Laien sofort als Stephen-King-Plagiat erkennbar zu machen. Wie geht es dann weiter?ยซ
ยปHast Du doch schon gesagt: Der Sohn kommt zurรผck…ยซ
ยป…und beginnt damit, alle umzubringen….ยซ
ยปNein, FALSCH. Er lag ja auf einem Rรถmerfriedhof. Warum sollte er da alle umbringen? Die Rรถmer waren doch zivilisiert.ยซ
ยปAha. Und was macht er dann? Sich in einen Heilstein-Kurs in der Volkshochschule einschreiben?ยซ
ยปIch bin doch noch in der Konzeptionsphase. So genau weiรŸ ich das noch nicht. Auf jeden Fall stellt der Vater aber fest, dass der Sohn plรถtzlich perfekt Ovid rezitieren kann. Und zwar den Ganzen!ยซ
ยปAh…รคh…verstehe. Aber umbringen tut er niemand?ยซ
ยปJa, ich weiรŸ nicht. Das wรคre der Spannung natรผrlich schon zutrรคglich. Aber auf keinen Fall mit dem Messer oder so.ยซ
ยปWie denn dann?ยซ
ยปAllenfalls mit Ovid. Also durch Langeweile. Ich will mir die Chance auf ein Verfilmung fรผr die Primetime auf den ร–ffentlich-rechtlichen nicht vermasseln.ยซ
ยปDas ist natรผrlich vernรผnftig.ยซ

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches

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