Monatsarchiv: November 2016

Theologische Mittwochs-Meditation

Der Zeitgeist ist bekanntlich hΓΆchst widersprΓΌchlich. Einerseits ist ein striktes Fastenregime heutzutage verpΓΆnt (ungesund); andererseits sind die PlakatwΓ€nde voll von sogenannten β€žMager-Modellenβ€œ, die ein fΓΌr Viele unerreichbares SchΓΆnheitsideal propagieren, wΓ€hrend der β€žnormaleβ€œ Mensch mit stΓ€ndigen Gewichtsproblemen zu kΓ€mpfen hat.

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Da drΓ€ngt sich doch die Frage auf, ob diese ausgemergelten Idealbilder nicht Ausdruck einer menschlichen Ursehnsucht sind, nΓ€mlich der nach dem Verzicht. Und ist dieser Wunsch nicht ganz auf einer Linie mit dem Glauben? Schließlich hat der Mensch bei jedem Kirchgang das Abbild des gekreuzigten Heilands vor sich, der dort, gezeichnet von seinem bejammernswerten Martyrium, mit eigefallener Brust seinen Tod erwartet – und doch im knappen Lendenschurz gleichzeitig eine beneidenswert gute Figur macht? Anders gefragt: war Jesus nicht sogar das erste β€žGrâße-Null-Modellβ€œ?

Welche wertvollen Erkenntnisse kΓΆnnen wir daraus fΓΌr unser Alltagsleben gewinnen?

Ein guter Christ hat allzeit bereit zu sein fΓΌr den MΓ€rtyrertod. Und sollte man einst beschließen, ihn zu kreuzigen, so hat er schon vorher dafΓΌr Sorge zu tragen, dass ΓΌber dem Lendenschurz kein Schmerbauch hΓ€ngt. Merke: Die christliche Todesmarter hat etwas genuin Γ„sthetisches an sich.

Nun wissen Sie also, was der Herr von Ihnen erwartet. Sollte Ihnen das Hungern schwerfallen – stellen Sie sich nicht so an! FΓΌr sein Seelenheil darf man sich ruhig beizeiten den Finger in den Hals stecken. Was glauben Sie, hat der Heiland getan?

Amen.

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Kategorien: Aktuelles, theologische Meditationen

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