Archiv des Autors: Baron von Friedel

Xaver Naidoo: Seine größten „Hits“

Xaver Naidoo. Bei aller berechtigten Aufregung sollten wir uns trotz allem daran erinnern, daß dieser Mann nicht nur ausgezeichnet leugnen, sondern noch dazu herausragend singen und komponieren kann. In der Tat hat er uns im Laufe seiner bewegten Karriere zahlreiche Gassenhauer von Weltrang beschert.
Daher aus gegebenem Anlass die aktuelle Umfrage: Welcher ist Ihr liebster Xaver-Naidoo-Schlager:

☐ „Zehn Fässer Adrenochrom (können uns nicht gefährlich sein)“

☐ „Alu, Stein und Eisen bricht“

☐ „Dieser Weg (wird kein weiser sein)“

☐ „Der Xaver aus Neuschwabenland“

☐ „Flugscheiben in meinem Bauch“

☐ „Bevor Du 5gst“

☐ „Himmel über Deutschland“

☐ „Verdammt Du impfst mich“

☐ „Wahnsinn“

☐ „Heil Dir im Siegerkranz“

Schicken Sie Ihre Antwort bitte ausreichend frankiert (3 Reichsmark) an „Stoll Records“, postlagernd Neuschwabenland.
Die ersten zehn Einsender erhalten eine Maskenpflichtbefreiung im Wert von zwei Wochen Intensivstationsaufenthalt.

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Redliche Musik

Am Karfreitag gilt: Obacht bei der Heimgymnastik!

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Kategorien: Aktuelles, Das Christfest, theologische Meditationen

Zur Kreuzigungsmode

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»[…] Als typisch für die kulturell äußerst schnelllebigen und insgesamt sehr lebhaften 0030er Jahre kann jedenfalls der ungewöhnlich rasche Wandel der modischen Präferenzen gelten, was insbesondere den für diese Arbeit relevanten Bereich der Unterwäschemode betrifft. Dieser Umstand kann bei näherer Betrachtung kaum verwundern, galt doch die eigene Hinrichtung schlechterdings die einzige Möglichkeit, sich überhaut in Unterbekleidung einem größeren Publikum zu präsentieren und dabei einen Individualismus zu demonstrieren, der sich mit dem damals ansonsten eher ernüchternden Modeangebot, bestehend hauptsächlich aus aschgrauen Sackgewändern, kaum abbilden ließ. Die Hinrichtung wiederum eignete sich außerdem ausgezeichnet für derartiges Schaulaufen, da sie damals fast jeden Durchschnittsbürger wenigstens einmal im Leben ereilte.

Ging die Forschung bislang davon aus, daß die „Nazarether Bindung“ noch zu Zeiten der Kreuzigung des Heilands als letzter Schrei unter den juvenilen Delinquenten galt, legen aktuelle Forschungen nahe, daß sich insbesondere in der Schächer-Subkultur bereits zu diesem Zeitpunkt neuere Formen der Genitalverhüllung herausgebildet hatten, die mit der traditionellen, als theatralisch und verkitscht empfundenen Schurz-Bindung brachen und eher Ähnlichkeit mit den auch heute noch üblichen Beinkleidern aufwiesen, wobei die sehr knappe Bedeckung der primären Geschlechtsmerkmale eher an einen heutigen „Tanga-Slip“ erinnert. Mit dem keck-lasziven Charakter dieser Unterbekleidung hoffte man, bei der Kreuzigung alle Blicke auf sich zu ziehen, was insbesondere auch bei den Hinterbliebenen Eindruck hinterlassen sollte und einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Opulenz des Begräbnisses gehabt haben könnte.

Strittig ist hingegen noch immer die Frage, ob es den Schächern mit dieser neckischen Minimalgewandung tatsächlich gelang, dem Heiland an seinem großen Tag sozusagen „die Schau zu stehlen“. Von Luther wurde dieser Umstand zeitlebens energisch bestritten, wenngleich verlässliche Quellen nahelegen, daß er selbst sich ausgesprochen gerne bei der Gartenarbeit im Schächer-Tanga präsentierte, wovon aber – wohl insbesondere wegen der stetig sich mehrenden Leibesfülle des Chef-Reformators – keine bildlichen Zeugnisse überliefert sind.«

Aus: Gunsser, Nikodemus: Von „Size Zero“ bis zum Stigma-Tunnel. Der Heiland am Kreuz als als Stilikone. Tübingen, 1925 (neue Auflage 1931)

Kategorien: Aktuelles, Das Christfest, theologische Meditationen, Zur Weltliteratur

Die Rache des Gutvik

»[…] Als besonders perfider Vertreter der späten, aber dafür umso effizienteren Rachenahme darf ohne Zweifel der Schwedenkönig Gustav II. Adolf (1594-1632) gelten, der durch sein beherztes Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg zwar den Fortbestand des Protestantismus in Deutschland zu sichern wusste, jedoch bei Lützen, von einer Musketenkugel getroffen, auf den Schlachtfeld einen hundeelenden Tod starb (Fig. 1). Mehrere Quellen schreiben dem nordischen Potentaten zu, noch kurz vor seinem Ableben seine Häscher mit einem in farbigen Worten verflucht zu haben, wobei er ihnen im Kern prophezeite, noch Jahrhunderte „die Äpfel von meinem Pferde [das Schlachtross „Streiff“, N.G., Fig. 2] zu fressen und auf dem Holze meines Donnerbalkens den Nachwuchs zu zeugen.“ Lange als leere Drohung verlacht, war der Todesfluch Gustav Adolfs allenfalls noch auf die frühe Neuzeit spezialisierten Skandinavisten ein Begriff, als ganze 339 Jahre nach seinem Ableben in Eching bei München – wohlgemerkt mitten im Kernland des konfessionellen Todfeindes – ein System-Möbelhaus namens „IKEA“ eröffnete, welches sich vom schwedischen Mutterland aus durch seine günstigen Preise schon bald in ganz Deutschland etablieren konnte. Der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Schon bald strömten von überall her die Nachfahren einstiger Landsknechte in überfüllte IKEA-Filialen mit angeschlossener Gastronomie, wobei sie meist ein „Köttbullar“ (Fig 3.) genanntes Bällchen-Gericht dubioser Herkunft verspeisten und aus Sperrholz bestehende Möbel mit im Deutschen oftmals anrüchig klingenden Produktnamen erstanden. Seither wollen mehrere Zeugen aus dem Skatophag Gustav Adolfs im Riddarholmskyrkan regelmäßig ein leises Kichern vernommen haben.«

Aus: Gunsser, Nikodemus: Wer einst noch auf dem Gutvik schläft. Fluch und späte Rache im Laufe der Geschichte. Tübingen, 1982.gustava

Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Historische Exkurse

Weihnachtsweisen festlich flatuliert

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Und für die alsbald anstehende Bescherung halte ich Ihnen alle Daumen, daß wenigstens eins Ihrer Familienmitglieder Sie so sehr liebt, daß es Sie mit meiner diesjährigen Weihnachts-Langspielplatte „O Du Pfffffffffftliche – Baron Friedel spielt auf Villeroy & Boch“ zu beschenken. Lehnen Sie sich sodann zurück und lauschen Sie versonnen, wie ich auf dem nur von Großmeistern wirklich beherrschten Instrument der Porzellan-Trompete virtuos die unsterblichen Klassiker der Festtagsberieselung flatuliere. Neben der titelgebenden Hymne sind selbstredend auch Immergrüns wie „“Stille pffffffft, heilige Pfffffft“, „We pffffft you a merry Pfffftmas“ und natürlich auch TschingderassaBUMM“ vertreten.
Ich möchte sagen: Wer da nicht in besinnliche Weihnachtsstimmung kommt, hat vermutlich noch nicht genug gegessen.
Ich wünsche allseits ein frohes Fest!

Postscriptum: Wenn Sie von meinen wundervollen Weihnachtsweisen gar nicht genug bekommen können: Selbstredend ist auch meine erste Langspielplatte zur Heiligen Nacht noch immer erhältlich: Drücken Sie hier!

Kategorien: Aktuelles, Das Christfest

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Vorweihnachtlicher Paarabend. Achim und Maike sind bei Sebi und Martina zu Gast.

Maike: Jedenfalls sollte man sich auf gar keinen Fall von dieser Laisser-Faire-Propaganda beirren lassen, die gerade in der Eltern-Kolumne auf SPON immer wieder auftaucht. Jedes Kind hat Talente und Begabungen.
Achim: Und wir finden eben, daß die es verdienen, gefördert zu werden. Wer da kapituliert, hat meistens ja schon anerkannt, daß das eigene Kind nur Durchschnitt ist.
Maike: Ja, und deshalb finden wir es schon mega wichtig, daß der Ernim und die Sophie ihr Programm durchziehen, auch wenn sie mal keinen Bock haben. Einfach, weil ihnen das später so viel bringen wird.
Achim: Man kann das ja auch ganz entspannt machen, ohne gleich diktatorisch rüberzukommen. Wenn der Ernim mal nicht zum Cello will, dann zähle ich ihm einfach ganz zwanglos auf, was er wahrscheinlich später alles sausen lässt – und natürlich, wie das dann irgendwann mal beim Personaler rüberkommt.
Maike: Wie macht ihr das denn mit Juri? Ernim hat uns erzählt, daß er schon ganz lange nicht mehr im Chello war.
Sebi: Ne, der Juri kann am Mittwoch nicht mehr zum Cello, da hat er Street.
Maike: Wie jetzt „Street“?
Martina: Naja, ihr müsst wissen: Wir sind jetzt auf die Yield-Methode gewechselt.
Achim: Ah, das klingelt irgendwie. Das ist doch diese neue Erziehungsmethode aus den USA, oder?
Sebi: Genau. Das Besondere daran ist eigentlich die totale Efficiency-Orientierung. Anstatt das eigene Kind in tausende ungerichtete Aktivitäten zu jagen, schaut man erstmal: Was kann das Kind wirklich und, das ist besonders wichtig, wie lassen sich diese Talente später auch mal richtig profitabel einsetzen.
Martina: Und dann fördert man nur noch in diese Richtung. Also schon sehr efficiencyorientiert.
Sebi: Und beim Juri hat das echt Wunder gewirkt. Vorher waren wir bei ihm echt teilweise am Verzweifeln. Das hat schon in der PEKiP angefangen bei ihm. Und auch sonst war er irgendwie in allem bestenfalls mittelmäßig.
Martina: Was haben wir uns Vorwürfe gemacht. Aber nach dem Yield-Buch ist es uns wie Schuppen von den Augen gefallen.
Sebi: Ja. Wisst Ihr noch, was es mal für einen Ärger gab, als der Juri in der Vorschule „Pippi Kacka“ und „Arschi“ an die Klowand geschrieben hat. Und das kam ja nicht nur einmal vor. Wir haben ihm sowas ja nicht vorgelebt. Also muss das etwas sein, was selbst aus ihm herauswill, quasi eine Manifestation seiner natürlichen Veranlagungen.
Martina: Und da wurde uns plötzlich klar: Er wird Gangster-Rapper!
Achim: Okay… Naja, ich fand ja früher die Fanta Vier auch ziemlich gut.
Sebi: Ach, daß ist ja dieser deutsche Akademiker-Rap. Damit gewinnt man heute keinen Blumentopf mehr. Spätestens seit Aggro Berlin muss man schon real sein. Man muss von ganz unten kommen, sozusagen.
Maike: Das wird bei Juri aber schwer. Ich mein, Sebi, du bist ja Entwickler und hast ein super Gehalt, und Martina verdient jetzt ja trotz Teilzeit auch nicht schlecht. Und ihr wohnt in Berlin-Mitte…
Martina: Deswegen ja auch „Street“. Da geht er einmal in der Woche in ein ganz schlechtes Viertel und lernt die Regeln der Straße. Das ist für seine spätere professionelle Entwicklung ganz wichtig.
Maike: Aha… und was macht er da so?
Sebi: Das erzählt er uns nicht. Aber soweit ich weiß, vertickt er gerade erfolgreich Weed.
Martina: Am Montag hat er außerdem Swear-Word-Lessons und am Freitag Flow bei einem ganz erfahrenen OG.
Achim: Und das bringt tatsächlich was?
Martina: Und wie! Warte mal. (ruft) Juri, komm doch mal kurz rein. Ganz wichtig: sprecht ihn bitte bei seinem Street Name „Buso“ an. Geschrieben wird das „Bu$0“, also mit Dollarzeichen und einer Null am Ende.
Juri: Wallah, was geht?
Maike: Hallo Juri!
Juri: Hey Milf!
Maike: Also…
Martina: Bu$0, zeig Achim und Maike doch mal seine Skills.
Juri: Logo! (räuspert sich) Ich leg die Bitches in den Dojo, und kick sie dann mit meinem Flow jo, meine Rhymes sind so tight wie Mutti Merkel, selbst Deine Omi hält mich für’n Ferkel, ich ritt schon auf JLo durch Vegas, als Du doch noch Pokemon-Bilder geklebt hast.
Maike (verhalten klatschend): Ja…sehr…
Martina: Ja, das ist alles natürlich ein bisschen frauenfeindlich, aber das gehört in dem Fall eben dazu, das darf man nicht so eng sehen.
Juri: Ja, das hab ich meiner Lehrerin in der Schule auch…
Martina: Juri! Artikel?
Juri: Oh! Das hab ich Lehrerin in Schule auch gesagt. Entschuldigung, Mama.
Martina: Juri!
Juri: Fuck! Entschuldigung, Bitch.
Martina. Siehst Du? Geht doch!

Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft

Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil VIII

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Sogenannte „stille Feiertage“ wie den heutigen Volkstrauertag begeht man hierzulande traditionell in dumpfer Verkniffenheit. Jedweder Frohsinn ist bekanntlich polizeilich untersagt, und dringt doch einmal ein verirrter Lacher nach draußen, so ist wenigstens mit empfindlichen Gefängnisstrafen zu rechnen.

Man möchte in Anbetracht dieser allumfassenden Getragenheit fast meinen, die vollständig humorbefreite Volkstrauer sei dem Deutschen schon immer inhärent; dabei wurden im Laufe der strahlenden Geschichte unserer Heimat durchaus nennenswerte Versuche unternommen, den heiligen Ernst zeremoniell bedeutsamer Vorgänge durch etwas subversiven Frohsinn aufzulockern. Und als absoluter Vorreiter dieser Bestrebungen darf ohne Zweifel mein Ahnherr Johan-Heinrich von Friedel (1598-1638) gelten, der sich in der fast allen Historikern als wenig unterhaltsam geltenden Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Pionier der trutzigen Heiterkeit hervortat.

Johan-Heinrich, der auf Wunsch seines Vaters den Beruf des Offiziers ergreifen musste (zur damaligen Zeit fast die einzige Karriereoption mit Perspektive), konnte sich in den Reihen seines Regiments schnell den Ehrentitel „Wallenstein des Frohsinns“ sichern. Schon die ausgesprochene Situationskomik des kriegsauslösenden Prager Fenstersturzes blieb ihm, ganz in Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, keineswegs verborgen. Auch der Blutzoll, den insbesondere die Zivilbevölkerung während des langanhaltenden Konflikts zu leisten hatte, erschien ihm gerade vor dem konfessionellen Hintergrund desselben als durchaus unterhaltsam, bot sich auf diese Weise doch sogleich die Möglichkeit, die Richtigkeit des eigenen Bekenntnisses dem ultimativen Praxistest zu unterziehen. Den Höhepunkt seiner humoristischen Karriere erlebte Johan-Heinrich allerdings erst bei seiner eigenen Hinrichtung.

Was war passiert? Johan-Heinrich, der förmlich darauf brannte, das von ihm erdachte „Schwedenkissen“ (ein mit Jauche gefüllter Schweinebalg, welcher heute als Vorläufer des sog. „Furzkissens“ gilt) erstmals in der Praxis zu erproben, hatte seine Erfindung ausgerechnet seinem unmittelbaren Vorgesetzten Melchior von Hatzfeldt bei einem Bankett unter das Sitzkissen gelegt, was dieser trotz des allgemeinen Hallos nicht sonderlich gut aufnahm. Seine anschließende Aburteilung begriff Johan-Heinrich rasch als ausgemachte Chance, endlich ein großes Publikum von seiner humoristischen Begabung zu überzeugen. Zwar konnte er von seinem in der Todeszelle vorbereiteten Programm lediglich einen Witz zum Besten geben („Wie heißt ein hängender Humorist? Lachsack!“), jedoch verankerte sich sein denkwürdiger Auftritt tief im kollektiven Gedächtnis, weshalb er vielen noch heute als Erfinder des Galgenhumors gilt.

Was können wir also aus dem tragikomischen Schicksal jenes großen Mannes lernen? Nun, doch wohl immerhin, daß keine Situation zu ernst ist, um sich dem Humor gänzlich zu entziehen. Sollte Ihnen also heute eine Störung der Feiertagsruhe auffallen, so tun Sie ruhig Ihre Bürgerpflicht. Aber verständigen Sie die Polizei um Himmels Willen in aller Heiterkeit!

Kategorien: Aktuelles, Familienchronik

𝕸𝖊𝖎𝖓 𝖂𝖎𝖊𝖌𝖊𝖓𝖋𝖊𝖘𝖙

An dieser Stelle ist es mir ein ausgesprochenes Anliegen, allen Gratulanten zu meinem Wiegenfest aufs herzlichste zu danken. Freilich muss ich um Ihr Verständnis bitten, daß mir eine gebührliche Danksagung erst zum jetzigen Zeitpunkt möglich ist, musste ich mich doch erst von den ausgemachten Strapazen meiner Geburtstagsfeier erholen.

Und was es für eine Feier war! Selbstredend gilt mein Ehrentag in gehobenen Pensionisten-Kreisen ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges. In diesem Jahr hatte sich das Frl. von Eisenstein sich etwas ganz Besonderes ausgedacht und eine sogenannte „Motto-Party“ für mich organisiert, welche sie, dem bedeutungsreichen 19er-Jahr entsprechend, unter das Motto „Spartakusaufstand 1919“ gestellt hatte, was gerade in Anbetracht der geradezu permanenten Bedrohung von Links heutzutage aktueller denn je erscheint. Selbstredend war für jeden Gast eine bestimmte Rolle vorgesehen: während das Frl. Eisenstein selbst als kaisertreue Generalswitwe brillierte, gab ich recht überzeugend den Freikorps-Major. Auch Kleingartenvorsteher Kleinschmidt fand an jedem denkwürdigen Abend seine Paraderolle: Als füsilierter Spartakist brillierte er nach acht halben „Schierling“ fast schon in Volksschauspieler-Manier. Als heimlicher „Star“ des Abends muss allerdings rückblickend Pupsi gelten, der als Reichswehrminister Noske schlicht entzückend aussah.

Zu vorgerückter Stunde sorgte dann ein ganz besonderer Gast nochmals für allgemeines Hallo: Zar Putin höchstpersönlich stattete der zu diesem Zeitpunkt schon einigermaßen illuminierten Teegesellschaft einen Überraschungsbesuch ab. Mit dabei hatte er die brandheiße Exklusivmeldungen, die er uns unter allgemeinem Beifall vortrug, noch bevor sie am nächsten Tag auch auf Facebook erschienen. Über den weiteren Verlauf der Feierlichkeiten will ich aus aus Contenance den Mantel des Schweigens legen; es sei aber gesagt, daß man sich noch ausgiebig am Blasentee bediente, während ich in meiner unvergleichlichen Weise eine fidele Tirade über Kommunisten und Sozen zum Besten gab.

Insgesamt darf wohl gesagt werden, daß auch in diesem Jahr eine denkwürdige Geburtstagsfeier gelang, die wohl alle Beteiligten wohl nicht so schnell vergessen werden – gewiss bleibt sie uns wenigstens bis übermorgen in lebhafter Erinnerung.

 

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Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Erbauliches

Wilder (deutscher) Westen

Die Authentizität der Werke Karl Mais gilt heutzutage bekanntlich weithin als widerlegt. Dabei verlacht man insbesondere die Tatsache, daß seine Version des Wilden Westens letztlich aus ein paar Indianern und ansonsten fast ausschließlich aus deutschen Akademikern besteht. Dabei kann ich Ihnen aus schmerzlicher Erfahrung sagen: Gerade diesbezüglich hat der gute Herr Mai sogar eher noch untertrieben. Ich sage Ihnen eins: Um die Jahrhundertwende waren die amerikanischen Grenzländer in puncto Germanensichtungen teils schlimmer als heutzutage die Balearen! Man machte sich auf den beschwerlichen Weg über den Atlantik, reiste westwärts, befreundete sich mühevoll mit den Indianern, bis sie einen schließlich sogar „weißer Bruder“ nannten — und letztlich entpuppte sich der Häuptling doch wieder nur als Exil-Altphilologe aus dem Breisgau.

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Kategorien: Aktuelles, Historische Exkurse, Zur Weltliteratur

Der Anfang vom Ende

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Kategorien: Aktuelles, Gesundheit, Montagslaecheln

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