Archiv des Autors: Baron von Friedel

#Montagsperpetuum

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Skandinavische Krimis

»Ach, ist das spannend!«
»Ja, wirklich sehr spannend.«
»Total! Ich liebe ja diese skandinavischen Krimis.«
»Weil die aber auch immer so spannend sind!«
»Ja, aber nicht nur. Die skandinavische Seele hat sowas Tiefes und Abgründiges.«
»Eins frage ich mich aber schon immer…«
»Was denn?«
»Eigentlich tragen die Skandinavier ja fast immer Pullover…«
»Das ist deshalb, weil es in Skandinavien fast immer kalt ist!«
»Ich frage mich immer, ob die auch mal was anderes tragen. Was macht der Skandinavier beispielsweise, wenn er mal schick ausgeht? Da ist es doch dann auch kalt.«
»Ist doch ganz klar, was die da anziehen.«
»Aha. Und was bittesehr?«
»Na schicke Pullover, natürlich.«
»Natürlich.«

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Die Hölle: Silvesterparty

Spätestens nach den rauschenden Erfolgen der AfD ist bekannt: Nichts liebt der deutsche Mensch mehr als seine Traditionen. Das gilt insbesondere, wenn ihn allzu kleinmütige Vorschriften linksgrünversiffter Miesepeter ohnehin schon über die Gebühr in seiner Persönlichkeitsentfaltung einschränken. Nie wird dieser Umstand evidenter als an Silvester: Wenn es ihm heutzutage schon nicht mehr gestattet ist, die neusten Errungenschaften der heimischen Rüstungsindustrie eigenhändig an den Nachbarn zu erproben, so pocht der Germane wenigstens auf sein hartertrutztes Recht, zumindest das neue Jahr mit blitzkriegophoner Artilleriesperrfeuerschalmei zu empfangen, bei der selbst Opapa recht warm ums Herz würde, hätte ihn nicht bereits Anno ‘14 die damals neuste Errungenschaft der französischen Rüstungsindustrie konfettiähnliche Fitzelchen zerfranst.

Apropos Konfetti: Abseits des traulichen Böller-Tumults droht dem geistig Normalen weit schlimmerer Unbill: Auf der sogenannten “Silvesterparty” rottet sich am 31.12. alles zusammen, was noch nicht in der Verwesungsgruft des heimischen Fernsehzimmers dem gnädigen Schicksal des baldigen Exitus entgegenfault. Wer sich Schlag sechs, bewaffnet mit einem Eimer Industrie-Kartoffelsalat und einer Flasche Rotem aus den eher zweifelhaft reputierten Regal-Regionen der Edeka-Spirituosenabteilung, beim Gastgeber der diesjährigen Sause einfindet, wird die daheimgebliebenen Chaiselongue-Mumien schon beim ersten Anblick der brettspielabendgestählten Partygesellschaft beneiden. Nun heißt es abwarten, bis die stocknüchternen Feierbiester sich vermittels Druckbetankung mit der pappsüßen Bowle auf eine angemessene Betriebstemperatur gurgeln. Bis dahin steht inspirierter Smalltalk über Arbeit, Job und Siechtum auf dem Programm. Nach etwa drei Stunden aber ist jedermann endlich angemessen abgefüllt. Spätestens dann pfeift man auf die pseudo-akademischen Sachzwänge und jedes noch so dröge Business-Gespräch verliert sich in diffusem “Ich-so-Hallo”-Gestammel. Somit hat der Abend bereits seinen Scheitelpunkt erreicht – das Ambiente kulminiert in einem dickschwadigen Mix aus ohnmächtiger Resignation und trotzigen Durchhalteparolen, dem Flair einer durchschnittlichen SPD-Regionalkonferenz nicht ganz unähnlich.

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Dann, endlich, wird es Zeit für die reiche heimische Silvester-Tradition: Fondue oder Raclette (schweizerisch) fungieren mit unkoordiniertem Durcheinandergestocher als ideale Einstimmung für die altbekannte, allenfalls mittelkomische Stolper-Klamotte (englisch), wohingegen das inzwischen qua EU-Edikt verbotene Bleigießen (vermutlich römisch) leider entfallen muss. Allerdings lässt sich die hochgiftige Gaudi fast wirkungsgleich mit einem weiteren Blick in die Visagen der Feiergenossen substituieren, die durch einen dem gemeinen Bleiklumpen nicht unähnlichen Deformationsgrad einen etwa gleichwertig informativen Ausblick auf das zu erwartende Restdasein zulassen. Anschließend folgen die deutschesten Beiträge zum weltweiten Jahresend-Ritus, nämlich: ‚Bumm‘, ‚peng‘, ‚prosit‘, ‚rutsch‘ und ‚würg‘.

Wenn Sie dann am nächsten Morgen mit dem Kopf in den Bowleresten erwachen und noch Wochen danach tiefe moralische Scham verspüren, eröffnet sich nach Abschluss der Kater-Katharsis endlich die tiefere Einsicht, nämlich, daß sich ein weiteres Jahr der unterbezahlten Drehstuhl-Fron als vergleichsweise mindere Strafe ausnimmt. Immerhin bleibt nach jedem Silvester die geheime Hoffnung, daß irgendwann keine weiteren folgen werden.

Guten Rutsch!

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Andere Zeiten, andere Böller

Heutzutage scheint man das Knallern im urbanen Raum ja nachgerade als erstes Bürgerrecht zu erachten. Früher zog der Deutsche es vor, völlig selbstlos für seine Nachbarn bunte Feuerwerke zu veranstalten. Der Katzenjammer hub dereinst erst an, als die Böller schließlich auch über den heimischen Städten herniedergingen. Wie sich die Zeiten doch ändern.

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Feiertagselegie

Heute nochmals Speis und Trank,
morgen dann schon sterbenskrank.
So endet aller Festtagstanz,
auf der Bahre, Ambulanz.
Und ist es etwas wenig schlimmer,
geht es halt ins Wartezimmer.
Dort wird dann recht unverzagt,
die Holo-Bolo-Pein beklagt.
Diagnose bestenfalls:
Blut ersetzt durch Butterschmalz.
Na, die Kur wird doch ein Klacks!
Entlassung: Pünktlich feiertags.
Bis dahin!

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Weihnachtswünsche

Wie sagt man doch so schön: „Heiligabend ist auch nur ein Montag“? Nein: „Humor ist, wenn man trotzdem #weihnachtslaechelt„. Ihnen allen (und trotz allem) ein frohes Fest!

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Noch nicht gänzlich verworfener Auftakt für einen geplanten Bildungsroman im EDEKA-Millieu

»Seine Herkunft blieb dem eines kalten Novembertages scheinbar achtlos vor der Lang-Filiale in der Keppler-Staße abgelegten Findelkind Gregor Tomiczek zeitlebens selbst ein Rätsel. Tatsächlich empfand er gerade in den schwierigen Anfangsjahren eine unerwiderte Seelenverwandtschaft zur „Gut-und-Günstig“-Wurst (1,29.-).«

Kategorien: Erbauliches, Zur Weltliteratur

„𝕯𝖎𝖊 𝖙𝖆𝖚𝖘𝖊𝖓𝖉 𝖊𝖎𝖙𝖗𝖎𝖌𝖊𝖓 𝕾𝖎𝖊𝖈𝖍𝖊𝖓 𝖉𝖊𝖘 𝕾𝖙. 𝕹𝖎𝖐𝖔𝖑𝖆𝖚𝖘“: 𝕰𝖎𝖓 𝖘𝖚𝖇𝖏𝖊𝖐𝖙𝖎𝖛𝖊𝖗 𝕹𝖆𝖈𝖍𝖇𝖊𝖗𝖎𝖈𝖍𝖙

Noch bevor in allen bedeutenden Tageszeitungen am morgigen Tag frenetische Feuilletons zu meiner in­sze­na­to­rischen Großleistung erscheinen, möchte ich Ihnen, werte Fratzenbuch-Freunde, möglichst neutral meine eigenen Eindrücke der denkwürdigen Uraufführung meines Stücks „Die tausend eitrigen Siechen des St. Nikolaus“, welches ich – nicht ganz zu Unrecht, wie ich meine – als Kulmination meines dramatischen Weihnachtsspiel-Schaffens erkenne, schildern. An dieser Stelle sei auch meinem Ensemble nochmals explizit für die Mitwirkung gedankt. Man kann, so denke ich, durchaus mit einigem Stolz auf das Erreichte blicken und sollte die teils unschönen Szenen, die sich im unmittelbaren Anschluss abspielten, keinesfalls überbewerten. Bestenfalls kann man sie zum Gradmesser dafür nehmen, daß die Disruption der gefälligen Selbstvergewisserung eines nur noch an harmlos-wohlfeile Weihnachtsspiele gewohnten Publikums als hehre Aufgabe des Laientheater-Schaffenden wohl gerade dann als besonders geglückt zu gelten hat, wenn man die Gemeinde-Mehrzweckhalle frühzeitig, unfreiwillig und fluchtartig verlässt.

Nun aber genug der langen Vorrede. Was war passiert? Oder besser: Was überhaupt intendiert? Über meine Beweggründe muss ich, so glaube ich, keine großen Worte mehr verlieren. Nur so viel: Muss man sich denn ernsthaft wundern, daß nicht einmal mehr das ungezogenste Gör den St. Nikolaus zumindest ein bisschen fürchtet, wenn er doch bei näherem Hinsehen heutzutage nur noch als weichlicher Lieferant zuckriger Lebensverkürzer fungiert, sozusagen als zauselbärtiger Diabetes-Dealer mit seltsamem Hut? Wo bleibt da die Ehrfurcht, wo der Respekt vor der imposanten Lebensleistung dieses Ausnahme-Heiligen? Fraglos schien ein entschlossenes Gegensteuern dringend angezeigt. Und so hatte ich mein Stück ganz in diesem Geiste als Parforceritt durch die zahlreichen Wundertaten des Heiligen aus Myra angelegt, sozusagen ein sakrosanktes Kammerspiel, gelegentliche Menetekel keineswegs ausgeschlossen!

Wie aber, so lautete zweifellos die Ausgangsfrage, kann es gelingen, das für seine nachgerade mikroskopische Aufmerksamkeitsspanne geradezu berüchtigte infantile Publikum für eine derart ernste Thematik zu interessieren? Ganz klar: man musste mit einem echten Knalleffekt beginnen! So hatte ich gerade die Wirkung der ersten Szene wohlkalkuliert und verfolgte vom Bühnenrand (besser gesagt dem Aufbewahrungsraum der Turn-Gerätschaften) einigermaßen siegesgewiss, wie Frl. Radka und Frl. “Ruby Gold”, genauestens observiert von 34 leuchtenden Halblings-Augenpaaren, in ihrer üblichen Arbeitskleidung um viertel nach sechs die Bühne betraten. Zu den beiden Damen nur so viel: Aus den genannten dramaturgischen Überlegungen hatte ich mich entschlossen, mit der Legende vom Geldgeschenk zu beginnen. In dieser (selbstverständlich wahren) Geschichte errettete der St. Nikolaus einen verarmten Mann nobler Herkunft aus misslicher Lage. Er konnte nämlich die Mitgift für seine Töchter nicht aufbringen und sie deshalb nicht anständig vermählen. Als einziger Ausweg erschien dem bedauernswerten Mann, seine Töchter dazu zu zwingen, sich im äußerst ungünstig reputierten Hafenviertel von Myra den Seemännern feilzubieten. Was blieb dem armen Menschen auch anderes übrig? Der heilige Nikolaus kam ihm schließlich zu Hilfe, indem er in drei aufeinanderfolgenden Nächten einige Goldmünzen unter seiner Tür durchschob.

Da mir gerade bei dieser entscheidenden Szene Authentizität als besonders wichtig erschien, hatte ich mit den genannten Damen echte Professionelle engagiert, die in meinen Augen am besten imstande waren, die mit dem bejammenswerten Schicksal der Töchter einhergehende Verzweiflung mit dem gebotenen Nachdruck zu verkörpern. Und was soll ich sagen? Mein Plan ging ganz famos auf! Beide improvisieren kaugummikauend etwa drei Minuten einen Monolog über die Fährnisse des Dirnen-Daseins, bevor ich im Nikolausgewand die Bühne betrete und jeder einige Münzen zustecke, woraufhin mich die beiden jubilierend ihrer Dankbarkeit versichern und wir alle drei Hand in Hand die Bühne verlassen. Vorhang und anerkennendes Raunen, insbesondere bei der versammelten Elternschaft.

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In der nächsten Szene eine abrupte Rückblende in die Kindertage des heiligen Mannes: Ich, mich als Baby-Nikolaus nur mit einer Pampers bekleidet auf einem Bärenfell räkelnd, erwarte wonnig brabbelnd die Ankunft meiner Frau Mutter, ebenfalls verkörpert von Frl. Ruby. Kenner der Materie wissen bereits: hier wird die Legende nacherzählt, nach der Nikolaus schon als Säugling so fromm war, daß er die Brust der Mutter an den Fastentagen stets nur einmal nahm, was das Frl. Ruby nach mehrmaligem Angebot, welches ich mit ablehnendem Kopfschütteln quittiere, mit publikumswirksamer Bewunderung kundtut. Vorhang und Schweigen im gerührten Auditorium.

In der dritten Szene wird dem Publikum keine Ruhepause gegönnt und das Erzähltempo nochmals erhöht. Behandelt werden die Auferweckung der zerstückelten Scholaren und die Rettung der zum Tode verurteilten Feldherren. Den Zuschauern bietet sich eine verstörende Szene: Zur Rechten Herr Kleinschmidt von Kleingartenverein in seiner bewährten Rolle als zerhackter Scholar im Salzfass, aus dem nur Kopf und Arme ragen und somit den täuschend echten Eindruck abgetrennter Gliedmaßen vermitteln. Zur Linken meine Halma-Brüder Furtmayer, Groß und von Nortz als bereits am Galgen baumelnde Feldherren, wobei hier leider der doppelte Boden versagte, was andererseits der Authentizität der Darbietung überhaupt nicht schadete. Einige Liter Kunstblut verliehen dem schrecklichen Panorama zusätzliches Gewicht. Eiligen Schritts betrete ich im Kostüm die Bühne, spanne das Publikum aber noch gehörig mit einem Monolog über Schuld, Sühne und die verheerenden Folgen mangelnder Folgsamkeit auf die Folter, bevor ich schließlich den Zerstückelten wieder ganz mache und die Erhängten vom Galgen schneide. Vorhang.

Folgen sollte nun eigentlich ein vierzigminütiges Zwischenspiel, das detailliert die Ereignisse beim Konzil von Nicäa unter Berücksichtigung der kanonischen Implikationen nacherzählt. Freilich kam es dazu nicht mehr. Inzwischen hatte sich gerade in den hinteren Reihen, also auf den Eltern-Plätzen, einiger Tumult entwickelt, der noch vor der ersten Bekenntnisverbrennung in wütenden Zwischenrufen und schließlich im Verständigen der Ordnungshüter gipfelte, was einen vorzeitigen Abbruch der Vorführung letztlich alternativlos machte. Immerhin nahmen die durchaus physischen Auseinandersetzungen mit den Eltern beim Verlassen der Mehrzweckhalle jene Schlägerei vorweg, in der die Konzil-Szene ohnehin gipfeln sollte.

Was lässt sich abschließend festhalten? Ärgerlich bleibt sicherlich, daß ich die besonders ausgeklügelte Abschluss-Szene nicht mehr zur Aufführung bringen konnte, die das postume Quellenwunder besonders anschaulich dargestellt hätte: Aus dem Kopfende des Nikolaus-Sarkophags entspringt kurz nach seinem Tode eine Salböl-Quelle. Dazu hatte Bäckermeister Schmied ein lebensgroßes Marzipan-Abbild meiner Wenigkeit auf einer Grablege aus Biskuit präpariert, aus dessen Kopf nach einem Wehklage-Monolog der Fräuleins Radka und Ruby unter allgemeinem Hallo ein sprudelnder Brunnen aus weißer Schokolade entsprungen wäre. Der ehemals zerstückelte Scholar hätte sodann mit den Worten “Nun ist es mit dem Alten aus – gelobt sei der St. Nikolaus” das Buffet eröffnet. So blieb die süße Köstlichkeit leider unverzehrt, was die bedauernswerten Kindlein nicht zuletzt der mangelhaften Bibelfestigkeit ihrer Erzeuger zu verdanken haben. Immerhin konnte Herr Kleinschmidt, der seine Kleptomanie-Selbsthilfegruppe aus Zeitgründen schon seit Monaten nicht besucht hat, vorausschauenderweise die Kindergartenkasse entwenden, mit deren Inhalt wir den Frls. Ruby und Radka sogleich den wohlverdienten Lohn auszahlten.

Ich muss wohl wieder einmal damit leben, meiner Zeit wenigstens drei Tode mit anschließender Wiederauferstehung voraus gewesen zu sein. Mein Vorhaben allerdings, nämlich mit Nachdruck auf die eigentliche Bedeutung des Nikolausfestes hinzuweisen, ist zweifellos grandios geglückt. Wünsche weiterhin eine besinnliche Adventszeit!

Vorhang.

Kategorien: Aktuelles, Baron Friedels aristokratischer Almanach, Erbauliches

An die Autobahnraststättenmülltonne

Da stehst Du, unerklärlich Rund,
ungekannte Tiefe,
was glitzert da im tiefen Schlund?
Ah! Präservative!

Äonenlang magst Du hier steh’n,
seit wann, kann niemand wissen,
hast trutzig Deinen Dienst verseh’n
– und der ist echt beschissen.

So schluckst Du Jahr um Jahr galant,
was andere entbehren,
ganz stoisch, wie ein Erdtrabant,
und ohne Dich zu wehren.

Woher kommt dieser Gleichmut nur,
ganz ohne Seelenlast,
trotz Tampons, Windeln, Kot-Lasur,
nur ruhige Tonnen-Rast?

Wie ein Idol stierst Du mich an,
höhnisch grient Dein Schlund:
„Ich bin Tonne, Du nur Mann,
und das nicht ohne Grund:

Wer hier zu mir gekommen ist,
wird bald auch wieder gehen,
wenn Du schon längst verschwunden bist,
werd‘ ich noch immer stehen.

So leb‘ ich hier als stiller Gott,
kann, was ich verrichte,
ich entsorge Eu’ren Schrott
– Euch dann die Erdgeschichte.“

So steh‘ ich mit dem Eispapier,
bereit, wieder zu fahr’n,
von Ferne her rauscht die A vier,
fast wie der Ozean.

*) Aus meiner gefeierten Anthologie „Debatten mit Dingen“. Jetzt auch beim Bücher-Club Ihres Vertrauens und jeder wohlsortierten Autobahnraststätte erhältlich

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Kategorien: Aktuelles, Erbauliches

Die Siebenbürgener Nachzehrer-Wurst

Sind sie es ebenfalls leid, alle Jahre wieder anlässlich dieses blödsinnigen “Hallo-Wien”-Festes von bestenfalls drolligen Schreckensgestalten penetriert zu werden, die eigens für diesen Anlass C&A-Anzug und Sachbearbeiterschreibtisch mit Gespenstertuch und Plastik-Hackebeil vertauschten und sich dann ungefragt bei Ihnen einladen? Nun, ich darf erfreut verkünden: Das Darben hat hiermit ein Ende! In diesem Jahr nämlich werden Sie dem pseudozombifizierten Pöbel eine Köstlichkeit aus alter Zeit servieren, die ihn lehren wird, was Furcht wirklich bedeutet: Die Siebenbürgener Nachzehrer-Wurst!

Gerne weihe ich Sie in die Zubereitung dieser schmackhaften Speise ein:

Sie benötigen:

1. Wurst (Pfälzer, Wiener, Lyoner, je nach Geschmack)
2. Eier (keine Straußeneier, das verdirbt den Geschmack)
1-2 Liter frischgepressten Orangensaft
1-3 zuverlässige Kurzschwerter (oder ersatzweise Küchenmesser)
4-5 fähige Walfänger
1 Golddublone (notfalls tun es auch zwei Euro)
1 Dose Kutteln (notfalls auch Bohnen in Sauce)

Man nehme die Wurst und lege sie in eine Kasserolle. Sorgsam mit dem frischgepressten Orangensaft bedecken, dann die Eier darüberschlagen. Dann in einen möglichst feuchtwarmen Raum (gerne auch Sauna) verbringen.

Dort vergessen wir unsere Wurst zwölf bis vierundzwanzig Monate, bis sie ausreichend gezogen hat. Ab und an sehen wir nach unserer Delikatesse, und stutzen eventuell nach uns greifende Tentakel sorgsam mit einem der Kurzschwerter (bei Verschleiß auswechseln). Nach c.a. vierundzwanzig Monaten nehmen wir die erfahrenen Walfänger, und bringen die Wurst zur Strecke (Vorher unbedingt eine Golddublone an einen Mast nageln).
Mit Kutteln verfeinern. Fertig!

Ich wünsche einen gesegneten, ja, schauerlichen Appetit!

Abb. 1: Serviervorschlag

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Kategorien: Aktuelles, Kulinarisches

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