Redliches Tagebuch

Mein redlicher Tagesbeginn

Heureka,

heute um 5.00 aufgestanden und zur Begrüßung des Tages auf der Sturmtrompete geblasen. Wie üblich Protestrufe aus dem Haus von Herrn Krawulke, die ich einfach niederspiele. Der Herr bildet sich ein, nur weil er Straßenarbeiter mit Nachschicht ist und um 4 nach Hause kommt, müsse die ganze Welt sich um ihn drehen. Ballaballa, sapperlot!

Eine Stunde extatisches Gebet in der garteneigenen Gnadenkapelle wechseln sich ab mit Ertüchtigung, frâhliche 500 Liegestütze auf je einem Arm. Nach einem erprobten Programm meines ehemaligen Ausbilders, des Herrn von Prügelpeitsch, beende ich den Morgensport erst, als mir vor Erschâpfung die Sinne schwinden und mir das Blut aus der Nase schießt. Heureka, nun bin ich frisch für den Tag.

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Eine redliche Maulschelle hat noch keinem geschadet!

Wohlgelaunt zum Einkaufen in den nÀchsten EDEKA-Markt marschiert, da sogleich das erste Malheur des Tages, in der Fleischabteilung. Hühnerhirn ist alle, ich protestiere lautstark, schlage mit dem Stock auf die Vitrinen, fordere Rechtfertigung des GeschÀftführers. Als das MÀnnlein vor mir steht lasse ich meinem gerechten Zorne freien Lauf, schreie ihn an, dass die Dosen aus den Regalen fallen und die VerkÀuferinnen sich unter der Ladentheke verstecken. Schließlich wird ein Lehrbub geschickt, um Hühnerhirn aus einer anderen Filiale zu besorgen, na bitte, warum nicht gleich so. Vorsorglich verpasse ich dem Knaben eine herzhafte Maulschelle, damit er erst gar nicht auf die Idee kommt, bei dem Botengang zu trâdeln, sapperlot.

Bis zu seiner RΓΌckkehr halte ich den GeschΓ€ftsfΓΌhrer am ausgestreckten Arme am Schlafittchen gepackt, damit der Lump sich nicht still verdrΓΌcken kann. β€žSΓΆrwisβ€œ wird hier offensichtlich klein geschrieben, sapperlot!

SpΓ€ter dann, mit leckerem HΓΌhnerhirn und einer TΓΌte Innereien ausgestattet, das nΓ€chste Γ„rgernis an der Kasse! Vor mir eine lange Schlange halbwΓΌchsiger, die allerlei Schoko-Krimskrams, wohl fΓΌr den Pausenhof, erstanden haben. Sogleich mache ich vom Recht des Alters gebrauch und gehe bis zum ersten Platz an der Kasse vor. Feurio, ein altkluges MΓ€del von etwa 15 Jahren mit einem albernen β€žSchΓ€gewara-Hemdβ€œ protestiert lautstark und kassiert dafΓΌr die zweite Maulschelle des Tages. Ein Bube der unverschΓ€mt bemerkt, das man keine Damen schlage, erhΓ€lt die dritte und den Hinweis, das es sich nicht um eine solche handele.

SpΓ€ter dann ein kurzer Besuch bei Kaplan Bertrams, dem ich Eigensucht und fehlende Manieren der heutigen Jugend vorklage. Geistlicher Beistand richtet mich wieder auf, sapperlot. Der Herr Kaplan bemerkt, dass die Welt noch nicht gΓ€nzlich verloren wΓ€re, solange es so anstΓ€ndige Menschen wie mich gibt. Ich erbitte den Segen fΓΌr mich und meinen Stock und trinke mit dem Herrn Kaplan noch einen Wacholder.

Moralisch gestΓ€rkt sehe ich nun dem weiteren Tage entgegen.

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

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Kategorien: Aktuelles, Der Seesack, Redliches Tagebuch

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