Monatsarchiv: April 2015

Der Straßenverkehr – eine seniorenfeindliche Angelegenheit!

Werte Damen und Herren,

endlich: ich verfüge wieder über die legale Erlaubnis, ein Kraftfahrzeug zu führen! Hurra! Was war passiert? Nun, lassen Sie mich mit dem guten Herrn Qualtinger sprechen: „[…] ist mir ein Passant, bevor er g’storbn is, eineg’rannt“. Aber Spaß beiseite. Selbstredend war man von behördlicher Seite äußerst bemüht, die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis zu einem möglichst großen Gnadenakt zu stilisieren; viel lieber hätte man es gesehen, wenn „ich meinen Führerschein wegen meines hohen Alters endlich abgeben würde.“

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An diesem Fall lässt sich sehr gut illustrieren, wie Hochbetagte im Allgemeinen und Rentner im Besonderen noch immer aus dem alltäglichen Leben ausgegrenzt werden. Für die Teilnahme am gesellschaftlichen Miteinander werden ihnen heutzutage zumeist schier unüberwindbare Hürden aufgestellt. Siehe den Straßenverkehr. Oftmals ist man im höhren Alter schlicht nicht mehr so gut zu Fuß und daher nachgerade auf das eigene Kraftfahrzeug angewiesen; warum um Himmels Willen müssen die Lichtsignale der Ampeln so schwer erkennbar sein, dass man sie selbst mit dem Zwicker kaum auszumachen vermag? Zumal man sich zumeist noch zusätzlich mit hupenden Rüpeln auseinanderzusetzen hat, denen die Vorzüge des Fahrens im ersten Gang offenbar in der Fahrschule nur unzureichend aufgezeigt wurden.

Ein klein wenig Toleranz würde ich mir hier wünschen. Schließlich ist der Straßenverkehr für unsereinen eine ungleich größere Herausforderung, als für jüngere Generationen, die sich nur selten mit leidigen Geißeln wie der Gicht, grauem Star oder Parkinson herumzuschlagen haben. Nur wird darauf von hektischen Bälgern und Fahrradfahrern keine Rücksicht genommen. Von allen Seiten und aus allen Hofeinfahrten springen und rollen sie auf die Straße und beklagen sich (oder oftmals die Hinterbliebenen) hinterher über den entstandenen Personenschaden.

Dabei stellen greise Fahrzeugführer erwiesenermaßen keineswegs die größte Risikogruppe im Straßenverkehr; sie fahren stets ausgesprochen vorsichtig, beide Hände fest am Lenkrad, den Blick zu jeder Zeit konzentriert nach vorne gerichtet. Sie sind fast niemals betrunken und haben zumeist ihre Medikamente eingenommen. Und sie betreiben zudem mit Hilfe von Sankt-Christophorus-Medaillen wirksame Unfallprävention.

Ich wage zu behaupten: wären alle Verkehrsteilnehmer Senioren, der Straßenverkehr wäre wenigstens so ausgeruht und andächtig wie eine sonntägliche Frühmesse.

Man kann, werte Leser, nur inständig hoffen, dass die Politik – oder der Kaiser nach seiner Rückkehr – endlich lernt, die offensichtlichen Fakten richtig zu deuten und das Alter für die Erstzulassung zum Straßenverkehr deutlich anhebt. Ich jedenfalls bleibe auch im hohen Alter mobil, mag mein Fuß zittern, wie er will, Potztausend!

Ihr

[Bild: sig.gif]

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Kategorien: Aktuelles

Bei der MPU

Werte Heimseitenbesucher,

wie angekündigt, habe ich mich nach dem kaum erwähnenswerten Zwischenfall mit
meinem Porsche in der so genannten „Spielstraße“ heute zu einer so genannten
MPU eingefunden, damit die Herren Mediziner und Verkehrsexperten noch etwas
von mir lernen können, sapperlot.

Parbleu, als ich den großen Saal betrete, erblicke ich direktemang eine Horde von offensichtlichen Trinkern,
Blödianen und Tunichtguten, die anscheinend ebenfalls zu dieser Untersuchung geladen wurden,
um einen gewissen Kontrast zu meinen hervorragenden Ergebnissen zu schaffen!

Um das so genannte „Eis“ zu brechen, lüfte ich freundlichst den Hut und nenne die versammelte Baggage
lachend „Eine Horde von Trinkern, Blödianen und Tunichtguten“, allerdings ohne den gewünschten Erfolg.
Ich tippe sogleich mit dem Finger an die Stirne und mache zudem das allseits bekannte Zeichen von
Ballaballa, um die allgemeine Humorlosigkeit abzustrafen.

Dann nehme ich an einem der Pulte platz und betrachte den so genannten „Fragebogen“, welchen ich nach
bestem Wissen und Gewissen auszufüllen habe.

„Rote Ampel? Gilt nicht für mich!“

„Tempo 30 Zone? Gilt nicht für mich!“

„Vorfahrtsregelung? Von Amts wegen immer auf meiner Seite“

„Fahradfahrer von links? Linke immer sofort auf die Haube, ansonsten ignorieren!“

Mit heiterem Ernst gehe ich durch die Fragen, welche allesamt für mich ohne jede Relevanz sind,
da Amtspersonen meines Kalibers natürlich von jeglicher kleinbürgerlichen Ordnung befreit
sind, sapperlot. Ein entsprechendes Papier mit der Unterschrift von Paul von Hindenburg
führe ich selbstverständlich immer zur Legitimation mit mir.

Um dabei die trockene Kehle zu ölen, nehme ich einige große Schlucke Marillenlikör aus
meiner Feldflasche, mit der ich wiederum einen Anlauf wage und den versammelten Herrschaften,
inklusive Prüfern, zuproste. Auch hier zeigt sich erneut die völlige humorlosigkeit dieses Packs,
welches ich daraufhin – sehr zutreffend, möchte ich meinen – als „Pack“ beschimpfe.

Als endlich die Stunde um und die Feldflasche leer ist, erhebe ich mich schwankend und knalle
den versammelten Herrschaften meinen Bogen auf den Tisch. „Bestanden“ rufe ich und funkel
die Experten dabei böse an um ihnen direktemang deutlich zu machen, dass eine Auswertung in
meinem Falle gänzlich unnötig sein wird, sapperlot.

Sichtbar eingeschüchtert von meiner Marillenlikör durchdämpften Stimme, wagt es nur einer
der amtlichen Filous kurz das Wort zu ergreifen, bevor ich ihn auch schon gepackt und im
Schwitzkasten mit zum Parkplatz geschleift habe.

Nach einem wahren Höllenritt mit 110 Stundenkilometern im ersten Gang, quer durch die
Spielstraße am Hollunderbusch und über den benachbarten Spielplatz hinweg, wo es mir doch fast
gelingt, einen arbeitslosen Dschankie zu überfahren, liefere ich den den bleichen Herrn von
der MPU Stelle wieder vor seiner Amtsstube ab.

Zitternd, mit geweiteten Augen, ringt er deutlich um passende Worte, welche ich ihm sogleich
aufs redlichste souffliere. „Bestanden, nicht wahr?“ brülle ich ihn schneidigst an und
lege ihm dabei meine Hand auf die Schulter, dass er in den klappernden Knien einknickt.
„Bestanden mit Auszeichnung, alles andere wäre töricht NICHT WAHR, POTZTAUSEND?“

Als er nickt, zieht ein Lächeln über mein Gesicht und ich verpasse ihm sanft einen harten
Stoß vor die Brust, so dass der Herr auf dem Rasen platz nimmt.

„Na bitte!“ Rufe ich erfreut. „Wie nicht anders zu erwarten war!“

Nun muss ich mich allerdings sputen, steht doch noch ein Besuch bei dem Herrn
Ambrosius Wahnfeuer an, den ich während meines letzten Sanatoriumsaufenthaltes
kennenlernen durfte. Er will mich heute in die hohe Kunst einführen, in abgelegenen
Papiercontainern Feuer zu entfachen, welches „keinem schaden kann, außer den
Trapezoiden Störenfrieden“ welche sich gerne in solchen Behältnissen einnisten,
nachdem ihnen der Sprung in unsere Dimension geglückt ist. Heureka, wie spannend
und nützlich zugleich!

Ich beschließe, als Abkürzung die A40 in Gegenrichtung zu benutzen.
Praktisch völlig ungefährlich, wenn man dabei konsequent auf dem Seitenstreifen bleibt
und mit Fernlicht fährt, wie jeder erfahrene und geistig gesunde Automobilist wird bestätigen
können!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

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Aus meiner Familienchronik

„Vor dem Thore aber, da hatten sich allesamt dy Bäuer versammelt um dem Herrn Klotho vom schlymmen Hunger zu klagen. Nun wollte es aber just an dysem Morgen dass der redlyche Bischof in der Klotzburg weihlte. Und als da der allerchristlichste Bischof die zu Tod hungernden Bäuerlein sah, die ein wyldes Geschrai vor dem Tohre machten mit allerlei Schabernack und Krimassen, da lachte der dicke Bischof von den Zinnen herab, den Hühnerschlegel in der Hand. Und es lachte auch die dicke Frau vom Bischof, und die fette erste Buhle vom Bischof und die dürre zweite Buhle vom Bischof, und die dicken Kinder vom Bischof, 7 an der Zahl und auch die 12 anderen Kinder von den Buhlen, die im Hof mit dem Gesindel im Unrath spielten. Da überkahm den Ritter von Klotze die heilige Wut und er rief voll Zorn, wehey euch, ihr ruchlohsen, die ihr meine allerchristlichsten Gäste beim Mahle störet. Des Thodes sollt ihr allesamt sein, rief er im Zorn, griff sein Schwert und ritt durch ihre Reihen, wie der dunkle Schnitter garselbst. Der Bischof aber, lobte in der Andacht noch am selben Thage den redlychen Einsatz für Mutter Kirche und nannte den Ritther Klotho einen wahren Christenmenschen. Auch, weil die noch übrigen Bäuerlein, nicht mehr als Finger an einer Hand daran sind, nun wieder genug zu essen hatten, da doch die Hälfte auf den Gottesacker kahm. Der Ritter aber selbst wurde ganz rührselig bei dem Lobe, hatte er doch schon immer gewusst, was für ein wackerer Kerl er da war!“

Kategorien: Familienchronik

Dämonisch – eine Lichtspiel-Rezension

Abendfüllende Lichtspiele meide ich gewöhnlicherweise. Ich entsinne mich noch immer mit Grausen an die ungute Erfahrung, als ich mit meinem Herrn Vater dereinst einmal ein Kintopp besuchte. Acht, vielleicht neun Lenze zählte ich dereinst. Zu sehen war ein Zug, der mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit auf uns zuraste. Panisch duckte ich mich unter meinen Sitz, in völliger Überzeugung, alsbald von dem stählernen Ungetüm überrollt zu werden. Zwar überlebte ich knapp, besuchte aber dennoch seither kein Kintopp mehr. Indes muss man heutzutage nicht einmal mehr die heimelige Stadtvilla verlassen, um sich mit einem solchen Schauspiel zu unterhalten. Dieser technische Fortschritt. Faszinierend!

Besprechen will ich in diesem Artikel den Film „Dämonisch“ aus dem Jahre 2001, den ich beim alljährlichen Benefiz-Basar der örtlichen Liebfrauen-Gemeinde erwarb. Der Obermüller-Bengel, der ihn an seinem Stand feil bot behauptete, dass ihn dieser Film „immer an mich erinnert habe“. Soso. Regie führte im Übrigen ein Herr Namens Wilhelm Pachston, der auch sogleich die Hauptrolle übernahm. Ein echter Tausendsassa also. Man darf gespannt sein

Die Vorbereitung

Einen saftigen Punktabzug trägt dem Machwerk bereits seine seltsame Verpackung ein; geschlagene anderthalb Stunden benötigte ich allein, um das Film-Band aus seiner unsinnigen Hülle (eine sogenannte „VHS-Kassette“) zu entfernen. Hernach musste ich es mühevoll auf eine Rolle wickeln, um es auf dem Projektor abspielen zu können, den ich mir eigens von Pfarrer Willms geborgt hatte. Trotzdem funktionierte der Unfug nicht. Hanebüchen!

Erfreulicherweise gelang es mir, den kompletten Streifen anschnur aufzufinden. Das Angebot kommt direkt aus dem schönen Togo-Land und ist damit schon aufgrund der steten Missionsarbeit des werten Herrn Kunz gewiss keusch und redlich. Hurra!

Die Handlung

Alles beginnt mit einem uns bis Dato unbekannten Herrn, der sich in einer Polizeistation vorstellt, um Angaben zu machen, die zur Aufklärung eines Mordfalles führen könnten. Da zeigt sich wieder einmal, dass der hinterwäldlerische Amerikaner kein „Aktenzeichen XY“ kennt; hierzulande hätte ein besorgter Bürger einfach im Aufnahmestudio angerufen. Sei es wie es will. Jedenfalls beginnt dieser uns noch völlig unbekannte Herr aus Gründen, die mir nicht ganz einleuchten wollten, dem redlichen Ordnungshüter (ob es sich um einen Kommissar oder einen Hauptkommissar handelt wird nicht erwähnt) seine Lebensgeschichte zu erzählen. Und hier wird es denn auch durchaus interessant! Was nun folgt, ist eine ein filmischer Kunstgriff Namens „Rückblende“.

Wir erfahren, dass der junge Mann den Namen Fehnton Meiks trägt und mit seinem Bruder Adam bei seinem Vater aufwuchs, der seine Gattin auf dem Kinderbette verlor. Wie traurig. Die Familie lebt ein eher ereignisloses Leben in einem Häuschen in einer beschaulichen Kleinstadt, idyllisch gelegen unmittelbar hinter einem Rosengarten.

Doch der Herr hat große Pläne für die Familie Meiks. Eines Tages erscheint dem Vater während der Verrichtung seines Tagewerkes ein Engel des Herrn und erteilt ihm einen äußerst speziellen Auftrag: er und seine Söhne sollen garstige Dämonen aufspüren, die heimtückischerweise in Gestalt exakt normalen Menschen gleichen. Und Herr Meiks tut, was jeder normale Mensch in einem solchen Fall täte: er beginnt emsig damit, die dämonische Brut einzufangen und ihnen mithilfe einer gesegneten Axt den Schädel zu spalten. Hernach verscharrt er ihre jämmerlichen Reste im Rosengarten. Wie schön.

Während Sohn Adam seinen Herrn Vater mit aller Kraft in seiner göttlichen Mission unterstützt, hegt der Knabe Fehnton schon zu Anfang kleinliche Zweifel an der Richtigkeit des väterlichen Vorgehens. Er hält dem Vater vor, er sei „wahnsinnig geworden“ und will seinen jüngeren Bruder sogar zum Ausbüchsen anstiften. Feurio, diese rotzfreche Göre machte mich derart fuchsteufelswild, dass ich beinahe meinen wertvollen Datensichtschirm hinuntergeworfen hätte, als ich ihm eine reflexhafte Maulschelle versetze.

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Familie Meiks mit einem eben gefangenen Dämon

Vater Meiks reagiert auf diese offene Auflehnung, wie es ein redlicher Vater sollte: er lässt seinen halbstarken Sohn eine Grube im Garten ausheben, bis seine Hände zerschunden sind, dass es eine wahre Freude ist. Doch auch diese wohlverdiente Disziplinierung bringt den Knaben nicht zur Raison. Vielmehr zeigt er seinen Vater sogar noch bei der Polizei an!

Nun allerdings ist das Maß auch bei Vater Meiks voll. Er sperrt seinen missratenen Sohn in ein Erdloch und gewährt im immerhin ein Glas Wasser am Tag. Viel zu großzügig, wenn Sie mich fragen. Nach mehreren Wochen gibt Fehnton sich schließlich geläutert und behauptet, den Herrn gesehen zu haben, was sein Vater ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert. Hätte er ihn zumindest einer Wasserprobe unterzogen!

So kommt es, wie es kommen muss: Wechselbalg Fehnton soll zum Beweis seiner neuen Überzeugung selbst einen Dämonen enthaupten und richtet die Axt stattdessen gegen den eigenen Vater! Hier musste ich mit einigen Tränen der Wut kämpfen. Welch himmelschreiende Ungerechtigkeit.
Doch mit dem Ende der Rückblende offenbart der Film seinen „Clou“: der angebliche Fehnton auf der Polizeistation ist in Wahrheit Adam, der das großartige Werk seines Vater fortführt. Dem wahren Fehnton hat er hingegen zur Strafe den Schädel in zwei saubere Hälften gespalten. Zudem hat der sympathische Jüngling sogar noch den redlichen Beruf eines Oberbüttels (unredl.: „Scheriff“) ergriffen. Angesichts dieser unerwarteten Wendung kam ich nicht umhin, umgehend meine Flinte vom Kamin zu holen und einige Freudensalven den Nachthimmel abzufeuern.

Die Mimen

Unbekannt. Weltsterne wie Heinz Rühmann, Inge Meysel oder Theo Lingen sucht man hier vergebens. Indes muss man den agierenden Mimen – insbesondere Hauptdarsteller Matthias MäckKonnahie – durchaus zu Gute halten, die wendungsreiche Geschichte mit raffiniertem Minenspiel zu illustrieren.

Die Das Fazit

Das Lichtspiel „Dämonisch“ stellt eine hervorragende Parabel dar, die nachgerade bestens geeignet ist, insbesondere der medienaffinen Jugend eine wichtige biblische Botschaft näher zu bringen: wer an dem Wort des Herrn zweifelt, wird am Ende unnachgiebig bestraft.

Auch die Eltern können aus der Geschichte wichtige Schlüsse ziehen, beispielsweise dass Nachsicht bei gotteslästerlichem Verhalten des Nachwuchses völlig fehl am Platze ist. Wie schnell hat man eine Axt zwischen den Rippen!

Kurzum: ein lehrreiches Vergnügen für die ganze Familie!

Daher erhält dieses Lichtspiel auch die Freigabe ab null Jahren und eine Wertung von viereinhalb Kreuzen. Ein halbes Kreuz Abzug gibt es für die technischen Schwierigkeiten zu Beginn.

Gleichwohl gilt: Prädikat besonders wertvoll, Potztausend!

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Der kleine Bodo sucht ein neues Zuhause

Sehr geehrte Heimseitenbesucher,

ich suche dringend ein neues Zuhause für unseren treuen Versuchsaffen Bodo!

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Bodo ist ein Albino-Gorilla, der bereits im Alter von einem Jahr zu uns kam.
Wir führten eine Langzeitstudie mit ihm durch, die insbesondere die Frage ergründen sollte, ob auch seelenlose Tiere grundsätzlich – die richtige Behandlung vorausgesetzt – zu redlichem und sittlichem Verhalten fähig sind.

Dazu musste sich Bodo über Jahre einigen radikalen Experimenten unterziehen. So wurde ihm täglich zehn Stunden aus den gesammelten Schriften des Herrn Konteradmiral von Klotz – bekanntermaßen ein Prototyp der Redlichkeit – vorgelesen, dazu wurde er durch Kopfhörer mit Marschmusik beschallt. Anschließend trieben wir ihm eine Diode ins Stammhirn und setzten ihn täglich hoher Spannung aus. Ich will Sie nicht mit Details langweilen, die Ihren Horizont ja ohnehin übersteigen würden.

Jedenfalls zeigte diese Behandlung schon sehr bald ihre Wirkung: schon nach einem halben Jahr reagierte Bodo sehr differenziert auf Unhold-Reize. Einem dicken Jungen versetzte er umgehend eine saftige Maulschelle, während er einem redlichen Rentner freundlich die Hand reichte. Wenig später konnte er sich sogar schon ein wenig artikulieren und beispielsweise halbwegs verständlich „Sapperlot“ und „Hallodri“ ausrufen.

Um das ganze abzukürzen: inzwischen hat Bodo die Redlichkeit so verinnerlicht, dass er sich sogar für den Herrn Konteradmiral hält.

Das ist auch der Grund, warum ich mich von ihm trennen muss; zuletzt massakrierte er mir drei studentische Mitarbeiter, ein vierter hat zwar überlebt, doch zu welchem Preis steht auf einem anderen Blatt. Das sollten Sie bei der Haltung bedenken. Bodo ist definitiv kein Haustier für den jungen Halter, den er maßregeln und züchtigen wird.

Dagegen eignet er sich bestens als Wach-Gorilla für redliche Senioren (besser ohne Enkelkinder). Denken Sie allerdings jederzeit daran, Schusswaffen außerhalb seiner Reichweite aufzubewahren.

Ich würde mich freuen, wenn einer unter Ihnen sich bereit finden würde, unserem possierlichen Bodo ein liebevolles Zuhause zu geben!

Mit freundlichen Grüßen
Professor Unrath

P.S. Bodo mag Wagner. Beim „Walkürenritt“ wird er sanft wie ein kleines Kätzchen!

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Rank und schlank – Dank Passionsfasten!

Werte Besucher,

ganz zweifellos beginnt mit dem Aschermittwoch für jeden guten Christenmenschen die schönste Zeit des Jahres: endlich darf bis zum Karfreitag nach Herzenslust – und dem Herrn zum Wohlgefallen – gehungert und kasteit werden, um Körper und Geist selbst von den leisesten Anflügen unkeuscher Gedanken zu reinigen. Schließlich fastete der Heiland selbst 40 Tage in der Wüste, um sich auf seine Bestimmung vorzubereiten.

Freilich ist es heutzutage denkbar schwer, es dem Erlöser gleichzutun. Und das nicht nur, weil oftmals in der unmittelbaren Nachbarschaft keine Wüste zur Verfügung steht. Häufig sind es schlicht die Anforderungen des Zeitgeists, die ein vernünftiges Fasten schier unmöglich machen. Der moderne Mensch ist gefangen in einem schieren Dickicht aus verschiedenartigsten Erwartungshaltungen. Welcher Arbeitgeber würde beispielsweise eine vierzigtägige Krankmeldung dulden, die mit „innerer Einkehr“ begründet wird? Und würden sich nicht die Nachbarn über die ständigen Schmerzensschreie wundern, die bisweilen aus dem Keller zu hören sind, wenn man sich dort inbrünstig mit einem Lederriemen geißelt? Würden sie nicht sogar die Polizei verständigen?

Dabei ist der genannte Zeitgeist wie immer höchst widersprüchlich. Einerseits ist ein strenges Fastenregime heutzutage verpönt; andererseits sind die Plakatwände voll von sogenannten „Mager-Modellen“, die ein für viele Menschen unerreichbares Schönheitsideal propagieren, während der „normale“ Mensch mit ständigen Gewichtsproblemen zu kämpfen hat. Da drängt sich doch die Frage auf, ob diese ausgemergelten Idealbilder nicht Ausdruck einer menschlichen Ursehnsucht sind, nämlich der nach Verzicht. Und ist dieser Wunsch nicht ganz auf einer Linie mit dem Glauben? Schließlich hat der Mensch bei jedem Kirchgang das Abbild des gekreuzigten Heilands vor sich, der dort, gezeichnet von seinem Martyrium, mit eigefallener Brust seinen Tod erwartet und zugleich im Lendenschurz eine beneidenswert gute Figur macht? Anders gefragt: war Jesus nicht sogar das erste „Größe-Null-Modell“?

Die Fastenzeit ist also keineswegs ein Anachronismus aus dem Mittelalter, in der der Mensch noch an den Tages- und Nachzyklus gebunden war und deshalb viel Zeit hatte. Nein, sie ist ganz im Gegenteil hochmodern!

Das Redliche Netzwerk möchte Ihnen eine Methode präsentieren, wie auch Sie in nur zwei Kartagen Ihre perfekte Lendenschurz-Figur erreichen – das Passionsfasten!

Bringen Sie endlich die Reinigung Ihres Gewissens und Ihre Berufstätigkeit unter einen Hut und verlieren Sie dabei sogar noch den lästigen Winterspeck! Eine Methode, die von den Präsidenten des Redlichen Netzwerks in jahrelangen Selbstversuchen perfektioniert wurde.


Die Präsidenten beim Passionsfasten

So etwas ist nicht möglich? Doch, ist es schon. Wir zeigen Ihnen hier, wie es geht!

– Am Gründonnerstag dürfen Sie sich noch einmal richtig stattessen. Erlaubt ist alles, was Ihnen schmeckt. Auch ein Schlückchen Wein dürfen Sie sich genehmigen. Aber halten Sie Maß! Fragen Sie sich, was der Heiland an Ihrer Stelle getrunken hätte

– Am Karfreitag wird es ernst. Nehmen Sie sich ein handelsübliches Kreuz (bei jedem gutsortierten Zimmermann erhältlich) und beginnen Sie Ihre ganz eigene Passion. Viele Gemeinden bieten zu diesem Zweck sogar eigene Kreuzwege an. Selbstverständlich kommen Sie nicht ganz ohne fremde Hilfe aus. Bitten Sie daher Freunde und Verwandte, Sie zu motivieren und zu geißeln, sollten Sie unter der Last des Kreuzes zusammenbrechen

– Sobald Sie Ihr Ziel, sprich den Ort Ihrer Kreuzigung, erreicht haben, müssen Sie Ihre Helfer fachmännisch ans Kreuz schlagen. Dafür benötigen Sie zunächst robuste Vierkantnägel (mindestens 22 cm lang), die Sie in jedem Baumarkt erhalten. Diese sollten in die Hand- und Fußwurzelknochen eingeschlagen werden. Genauere Anleitungen finden sich im Internetz. Dann muss das Kreuz aufgerichtet werden. Sollten Sie keinen geeigneten Platz (vielleicht in einer öffentlichen Parkanlage) finden können, kann Ihr Kreuz beispielsweise auch in Ihrem Schrebergarten aufgestellt werden. Schaffen Sie sich Ihren ganz eigenen Golgota!

– Nun beginnt das eigentliche Passionsfasten. Hängen Sie am Kreuz, spüren Sie die gesunde, dehnende Wirkung Ihres eigenen Körpergewichts, genießen Sie die stechende Frühlingssonne. Auch die Nackenmuskulatur wird beansprucht, wenn Sie mit schnellen Kopfbewegungen die Krähen abwehren, die es auf Ihre Augen abgesehen haben. In der Zeit des eigentlichen Martyriums ist nur flüssige Nahrung in Form von essiggetränkten Schwämmen erlaubt

– So verweilen Sie den ganzen Karfreitag und Samstag. Besonders wichtig für die heilsame Wirkung des Passionsfastens ist der Schlafentzug. Drohen Sie also einzuschlafen, so muss Sie einer Ihrer Helfer mit einer Lanze pieken. Spätestens in den Morgenstunden des Ostersonntags dürfen Sie sich vom Kreuz nehmen lassen. Sie werden sich fühlen wie Wiederauferstanden! Außerdem werden Sie mit Ihren Wundmahlen bei der Ostermesse alle Blicke auf sich ziehen!

Das Redliche Netzwerk wünscht Ihnen ein beschauliches Martyrium und ein frohes Osterfest! Bitte bleiben Sie gesund!

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