Kulinarisches

Die Siebenbürgener Nachzehrer-Wurst

Sind sie es ebenfalls leid, alle Jahre wieder anlässlich dieses blödsinnigen “Hallo-Wien”-Festes von bestenfalls drolligen Schreckensgestalten penetriert zu werden, die eigens für diesen Anlass C&A-Anzug und Sachbearbeiterschreibtisch mit Gespenstertuch und Plastik-Hackebeil vertauschten und sich dann ungefragt bei Ihnen einladen? Nun, ich darf erfreut verkünden: Das Darben hat hiermit ein Ende! In diesem Jahr nämlich werden Sie dem pseudozombifizierten Pöbel eine Köstlichkeit aus alter Zeit servieren, die ihn lehren wird, was Furcht wirklich bedeutet: Die Siebenbürgener Nachzehrer-Wurst!

Gerne weihe ich Sie in die Zubereitung dieser schmackhaften Speise ein:

Sie benötigen:

1. Wurst (Pfälzer, Wiener, Lyoner, je nach Geschmack)
2. Eier (keine Straußeneier, das verdirbt den Geschmack)
1-2 Liter frischgepressten Orangensaft
1-3 zuverlässige Kurzschwerter (oder ersatzweise Küchenmesser)
4-5 fähige Walfänger
1 Golddublone (notfalls tun es auch zwei Euro)
1 Dose Kutteln (notfalls auch Bohnen in Sauce)

Man nehme die Wurst und lege sie in eine Kasserolle. Sorgsam mit dem frischgepressten Orangensaft bedecken, dann die Eier darüberschlagen. Dann in einen möglichst feuchtwarmen Raum (gerne auch Sauna) verbringen.

Dort vergessen wir unsere Wurst zwölf bis vierundzwanzig Monate, bis sie ausreichend gezogen hat. Ab und an sehen wir nach unserer Delikatesse, und stutzen eventuell nach uns greifende Tentakel sorgsam mit einem der Kurzschwerter (bei Verschleiß auswechseln). Nach c.a. vierundzwanzig Monaten nehmen wir die erfahrenen Walfänger, und bringen die Wurst zur Strecke (Vorher unbedingt eine Golddublone an einen Mast nageln).
Mit Kutteln verfeinern. Fertig!

Ich wünsche einen gesegneten, ja, schauerlichen Appetit!

Abb. 1: Serviervorschlag

IMG_20181031_185238_115

 

Advertisements
Kategorien: Aktuelles, Kulinarisches | Hinterlasse einen Kommentar

Eine äußerst ungustiöse, mündliche Wurst

Werte Damen und Herren,

Wer mich kennt, der wird nur allzu genau wissen, dass mir nichts ferner läge, als die zivilisatorische Großleistung des deutschen Menschen im Laufe der Weltgeschichte zu bestreiten. Welche Nation kann schließlich von sich behaupten, der Welt gleichsam mit großen Köpfen wie Goethe und Helmut Kohl, sowie kulturellen Segnungen wie dem Vadalensturm oder dem Sparkassenwesen bedacht zu haben?

Bild

Bisweilen jedoch beschleichen mich in stillen Momenten leise Zweifel an der subtil ausgebildeten Kulturfertigkeit meiner Landsleute. So ist es doch – gelinde gesprochen – einigermaßen befremdlich, dass eine Suchanfrage nach einer alten, meztgereiproduktbezogenen Volksweisheit zu gleichen Teilen kulinarische Ratgeberseiten und Verweise auf einen weithin bekannten Hersteller einschlägiger Chemie-Klosette ausspeit.

Woher, so muss man sich in diesem Zusammenhange doch fragen, rührt die oftmals festzustellende, semantische Ähnlichkeit (oder Gleichheit) von wohlschmeckenden Speisen und Scheußlichkeiten aus dem Reich der Fäkalien?

Kehren wir zurück zum Ausgangsbeispiel: auch dem Franzosen ist bekanntermaßen das Konzept der Wurst keineswegs unbekannt. Gleichwohl wird man ihn wohl niemals von einer„saucisse de merde“ sprechen hören – optische Ähnlichkeit hin, optische Ähnlichkeit her. Ganz im Gegenteil: der Franzose hält diese beiden Sphären appetitlicherweise hübsch getrennt – kurzum: er defäkiert nicht, wo er ißt. Ein Konzept, das wiederum zum deutschen Landsmann – wenigstens was die praktische Ausführung anbelangt – auch bereits durchgedrungen ist.

Fraglos: dass sich dergleichen auch in rein theoretischer, sozusagen mündlicher Form nicht geziemt, ist schon die höhere Schule. Gleichwohl wird es uns ausgesprochen gut tun, diesen nächsten zivilisatorischen Schritt alsbald zu wagen.

Also halten Sie sich gefälligst von nun an daran. Zuwiderhandlungen werden mit Kaviarlöffel-Züchtigung nicht unter hundert Schlagen geahndet.

Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Kulinarisches

Gastronomische Höhepunkte in der „Parkklause“

Werte redliche Heimseitenbesucher,

die Düsseldorfer „Parkklause“ hat einen „Sternekoch“ eingestellt und konnte ihr kulinarisches Programm damit erheblich erweitern, sapperlot.

Es handelt sich um einen Herrn, der bei der Fremdenlegion an der Gulaschkanone diente – im Rang eines Hauptgefreiten d.h. auszeichnet mit einem Stern auf den Schulterklappen.

Kuhfuß

Gustiös!

Folgende Spezereien sind daher ab sofort zusätzlich auf der Karte zu finden:

Eine ganze rohe Kartoffel mit Tütensenf oder Zimt 12,50

Kuhfuss auf einem Bett aus Klee 19,-

Schweinenase mit einer Soße aus Kondensmilch 18,-

Kniescheibe vom Hammel gefüllt mit „Allerlei“ 17,50

Heureka, sicherlich allesamt kulinarische Hochlichter, die man nicht verpassen sollte, sapperlot. Vergessen Sie nicht, noch heute einen Tisch zu reservieren.

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Aktuelles, Der Seesack, Klassiker, Kulinarisches

Geröstete Bettwanzen-Maronen à la Flatulence

Werte Verdun-Feinschmecker,

endlich hat das leidige Warten ein Ende. Heute beginnen wir unseren lange geplanten Parforce-Ritt durch das kulinarische Wunderland der zerklüfteten Schützengräben.

Eingangs muss ich sogleich gestehen, dass die besagte Wartezeit nach der vollmundigen Ankündigung keineswegs einer vergesslichkeitsbedingten Säumigkeit geschuldet ist; vielmehr handelte es sich um ein von mir ganz bewusst zum Einsatze gebrachtes Stilmittel. Schließlich ist die sogenannte „Immersion“ ein ganz wesentlicher Bestandteil der themengebundenen Erlebnisgastronomie.

Und Geduld, soviel kann mit Sicherheit gesagt werden, musste im großen Kriege die erste Tugend des passionierten Genießers sein. Oft bedurfte es tagelangen Darbens in verschmutzen Gräben – meist knietief stehend im Exkrement. Die Verpflegungssituation war selbstredend desperat. Gab es überhaupt einmal etwas Essbares, so gedachte die OHL unsere ausgezehrten Krieger-Gaumen mit Grausamkeiten wie „Liebigs Fleisch-Extrakt“ zu malträtieren.

Groß war in dieser Situation die Freude, wenn endlich der Befehl zum Sturmangriff der Agonie ein Ende setzte und somit, wenn schon nicht gespeist, so doch wenigstens ehrenvoll gestorben werden durfte.

Just aus diesem Notstand kulinarischer Natur heraus entstand jenes erste Gericht, welches ich Ihnen heute vorstellen möchte. Es handelt sich um ein wahres Kleinod der französischen „Kuiwisine“, nämlich:

„Geröstete Bettwanzen-Maronen à la Flatulence“.

Bettwanzen-Nest-272x300

Gewiss werden einige unter Ihnen, werte Leser, nunmehr ein wenig die Stirn in Falten legen. Sicherlich: die Angewohnheit des Franzosen, jedes halbwegs bewegliche Lebewesen auch sogleich zu verspeisen mag gerade für den heimischen Gaumen zunächst gewöhungsbedürftig anmuten. Ich darf aber versprechen: der nachgerade himmlische Geschmack rechtfertigt in diesem Fall jede Ekelüberwindung! Zudem gilt natürlich im Konfliktfall der eherne Grundsatz: „Im Krieg und in der gehobenen Küche ist alles erlaubt“.

Vorbereitung

Sie benötigen: Bis zu 1 kg Bettwanzen. Diese sollten Sie en Masse in Ihrem Feldlager vorfinden. Außerdem: die bei schlechten sanitären Bedingungen ohnehin unvermeidliche Diarrhö, sowie ein Streichholz.

Zubereitung

Jeder Kenner unzureichender Hygiene ist mit dem Verhalten der kleinen Krabbler vertraut. Sobald das Licht gelöscht wird, beginnt alsbald das bunte Treiben. Geduld ist allerdings auch hier der beste Koch: der kluge Kriechtier-Schlemmer wartet geduldig, bis sich die garstigen Blutsauger am eigenen Lebenssaft delektiert haben. Dann sind sie nämlich vollgesogen und träge. Der ideale Zeitpunkt, um zuzuschlagen: richten Sie Ihr Hinterteil nunmehr in einer fließenden Bewegung – bitte rasch, aber nicht hastig – auf das geschäftige Gewimmel auf Ihrer Bettstatt.

Normalerweise sollte diese Verlagerung des Standorts bereits dafür sorgen, dass sich in Ihren Eingeweiden die ersten Krämpfe erheben. Nun gilt es: entflammen Sie das Zündholz und halten Sie es sich direkt an den Podex.

Haben Sie alles richtig gemacht, so sollte Ihrem Hinterteil nun eine beeindruckende Stichflamme entweichen. Rösten Sie die Bettwanzen damit so lange, bis sich ihr Chitin-Panzer an den Schnitten öffnet. Ignorieren Sie dabei eventuell aufkommende Ekelgefühle (Sie sind nun einmal in Frankreich). Die intensive Hitzeentwicklung tötet eventuell Ihrem Gesäß entweichende Bandwurmfinnen. Außerdem erhalten die Wanzen-Maronen durch die rektale Röstung ein unvergleichlich feines E-Coli-Aroma.

Sind die Wanzen rundum goldbraun, lassen Sie diese gerade so lange abkühlen, bis man sie angreifen kann, ohne sich die Finger zu verbrennen. Knacken Sie den Panzer an der Schnittstelle und genießen Sie die Maronen sofort.

Gegessen wird selbstverständlich ganz salopp – oder „leger“, wie der Franzose sagt – sogleich im Bett.

Bon Appetit! Und denken Sie stets daran: der Kaiser ist sehr, sehr stolz auf Sie!

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Kulinarisches, Redliche Kriegserlebnisse

Die Verdun-Feinschmeckerwochen haben begonnen

Werte Damen und Herren,
gewiss ist auch Ihnen nicht entgangen, dass vor gut 100 Jahren die glorreiche Schlacht von Verdun ihren bedeutungsvollen Anfang nahm.

4036gXIG52Ww137371539792P49

Nun wurden diesem Gefecht ja im Laufe der Zeit viele Bezeichnungen zugeschrieben – sei es „Urschlacht“ oder gar „Blutpumpe“. Überhaupt erscheint mir die diesbezügliche Erinnerungskultur – wie so oft – als ausgesprochen einseitig. So wird stets auf den angeblichen „Schrecken“ Verduns beharrt und dabei schlicht verschwiegen oder wenigstens übersehen, dass diese Schlacht doch durchaus auch ihr Schönes hatte. Die Mitglieder des Geselligkeitsvereins „Schwarze Pest“ werden mir gewiss unumwunden beipflichten.

Fürwahr: dieser denkwürdige Hexenkessel hatte deutlich mehr zu bieten, als nur Kriegstrauma, Gasvergiftung und umherfliegende Gliedmaßen!

Gerade ich als passionierter Gourmet konnte dereinst meine Einberufung kaum erwarten, steht doch Frankreich für jeden kulinarisch interessierten Menschen nachgerade synonym mit Gaumenfreuden auf allerhöchstem Niveau.

Sicherlich: heutzutage würde man, wollte man eine gastronomische Lustreise unternehmen, schlicht eine Buchung in einem Reisebüro vornehmen. Allerdings müssten Sie bedenken: es waren damals schlicht andere Zeiten. Uns war dereinst nämlich gar nicht bewusst, dass man ein Land auch bereisen könnte, ohne zugleich auch dort einzumarschieren. Da fehlte uns wohl – zugegebenermaßen – jener kleine Schuss unkonventionellen Denkens, welchen um Einiges später der Amerikaner beizusteuern wusste.

Sei es wie es will – in der nächsten Woche will ich Ihnen meiner Eigenschaft als Deutschlands berühmtester und bester Internetz-Koch im Rahmen der „Verdun-Feinschmeckerwochen“ jeden Tag eine neue Köstlichkeit aus dem kulinarischen Schmelztiegel der Schützengräben präsentieren. Ermöglicht wird diese schöne Aktion natürlich einmal mehr durch die freundliche Unterstützung des Wirtshauses „Zur Burenschanz“.

Als Motto möchte ich diesen Genussreichen Tagen abschließend den Wahlspruch des Veteranenvereins „Schlemmergenossenbund Bauchspeicheldrüsen-Schrapnell“ voranstellen:

„Jedes Knattern des Maschinengewehrs ein leerer Magen / Jedes rauschen des Flammenwerfers eine raffinierte Flambierung / Jedes Krachen des Mörsers eine neue Geschmacksexplosion“

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Historische Exkurse, Kulinarisches, Redliche Kriegserlebnisse

Phobisches Mittagessen (lecker)

Werte redliche Brettbesucher,

pünktlich zur Mittagszeit, betrete ich voller Elan die Düsseldorfer Parkklause und suche mir sogleich einen strategisch gelegenen Tisch an der Tür zum Hinterzimmer – ist mir doch bekannt, das hinter der geschlossenen Türe heute wieder das monatliche Treffen der „Anonymen Phobiker“ abgehalten wird, sapperlot!

Kaum hat Herr Luigi, der Pächter der redlichen Parkklause, den versammelten Phobikern das Mittagessen hereingebracht, begebe ich mich auf alle Viere und beginne zaghaft an der Tür zu kratzen, wobei ich das das herzerfrischende Maunzen einer jungen Katze imitiere.

Ich muss indes recht überzeugend sein, kann ich doch durch die Türe Wortfetzen erhaschen, die in freudig-belustigtem Tonfall das „niedliche Kätzchen“ zum Thema haben. Als endlich ein Stuhl gerückt wird und einer der Herrschaften sich der Türe nähert, wird es Zeit die so genannte „Metamorphosierende Phase“ einzuleiten.

Das niedliche Maunzen wird jäh abgelöst von einem unheilvollen Gurgeln und Würgen, der Tonfall wird tiefer, lauter und bedrohlicher, bis es sich schlussendlich anhört, als wäre der Leibhaftige persönlich in das Katzentier gefahren. Zudem kratze ich nunmehr nicht mehr an der Unterseite der Tür, sondern unmittelbar neben der Türklinke, was nur durch ein beachtliches Wachstum innerhalb von Sekunden zu erklären wäre, sapperlot.

Als Höhepunkt der Schelmerei, lasse ich nun zudem meine Stimme erklingen,
indes als eine Mischung aus Katzenlauten, menschlicher Stimme und gurgelndem Knurren.

„Grrrlllleich…“ gurgelt es aus mir heraus, während ich hart auf die Türklinke schlage, „..komme ich.. herrrein!!!“

Potzdonner und Paukenschlag, im Hinterzimmer kommt Bewegung in die Sache und ich höre deutlich das Umstürzen von Stühlen, wilde Schritte sowie berstende Blumentöpfe, die wohl beim Sturm auf die Fensterbank zu Boden geworfen werden. Die Herren Phobiker setzen offenbar kollektiv zur Flucht aus dem Fenster an, harhar.

Einen Moment noch herrscht Tumult, dann jedoch ist es vorbei und ich öffne vorsichtig die Türe. Im Hinterzimmer erwarten mich eine reichhaltige Auswahl an frischen Speisen und Getränken, wobei ich mich für ein Wiener Schnitzel mit Frittierstangen, sowie ein frisch gezapftes Bier vom Fass entscheide. Das Wissen darum, dass mich dieser Schmaus keinen Heller kosten wird, lässt das Mahl gleich doppelt vergnüglich werden, sapperlot.

Beim Hinausgehen vergessen ich es natürlich nicht, den Herrn Luigi auf die neuerliche Flucht der Anonymen Phobiker und deren kollektiven Zechprellerei hinzuweisen, was unbedingt durch eine Anzeige zu ahnden wäre, „…WENN es nicht unser Christliches Gewissen einfordern würde, diesen armen, verstörten Menschen noch eine allerletzte Chance einzuräumen!“

Ich möchte ja schließlich auch im kommenden Monat noch lecker essen gehen, sapperlot!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Der Seesack, Erbauliches, Kulinarisches

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.