Redliche Kriegserlebnisse

Geröstete Bettwanzen-Maronen à la Flatulence

Werte Verdun-Feinschmecker,

endlich hat das leidige Warten ein Ende. Heute beginnen wir unseren lange geplanten Parforce-Ritt durch das kulinarische Wunderland der zerklüfteten Schützengräben.

Eingangs muss ich sogleich gestehen, dass die besagte Wartezeit nach der vollmundigen Ankündigung keineswegs einer vergesslichkeitsbedingten Säumigkeit geschuldet ist; vielmehr handelte es sich um ein von mir ganz bewusst zum Einsatze gebrachtes Stilmittel. Schließlich ist die sogenannte „Immersion“ ein ganz wesentlicher Bestandteil der themengebundenen Erlebnisgastronomie.

Und Geduld, soviel kann mit Sicherheit gesagt werden, musste im großen Kriege die erste Tugend des passionierten Genießers sein. Oft bedurfte es tagelangen Darbens in verschmutzen Gräben – meist knietief stehend im Exkrement. Die Verpflegungssituation war selbstredend desperat. Gab es überhaupt einmal etwas Essbares, so gedachte die OHL unsere ausgezehrten Krieger-Gaumen mit Grausamkeiten wie „Liebigs Fleisch-Extrakt“ zu malträtieren.

Groß war in dieser Situation die Freude, wenn endlich der Befehl zum Sturmangriff der Agonie ein Ende setzte und somit, wenn schon nicht gespeist, so doch wenigstens ehrenvoll gestorben werden durfte.

Just aus diesem Notstand kulinarischer Natur heraus entstand jenes erste Gericht, welches ich Ihnen heute vorstellen möchte. Es handelt sich um ein wahres Kleinod der französischen „Kuiwisine“, nämlich:

„Geröstete Bettwanzen-Maronen à la Flatulence“.

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Gewiss werden einige unter Ihnen, werte Leser, nunmehr ein wenig die Stirn in Falten legen. Sicherlich: die Angewohnheit des Franzosen, jedes halbwegs bewegliche Lebewesen auch sogleich zu verspeisen mag gerade für den heimischen Gaumen zunächst gewöhungsbedürftig anmuten. Ich darf aber versprechen: der nachgerade himmlische Geschmack rechtfertigt in diesem Fall jede Ekelüberwindung! Zudem gilt natürlich im Konfliktfall der eherne Grundsatz: „Im Krieg und in der gehobenen Küche ist alles erlaubt“.

Vorbereitung

Sie benötigen: Bis zu 1 kg Bettwanzen. Diese sollten Sie en Masse in Ihrem Feldlager vorfinden. Außerdem: die bei schlechten sanitären Bedingungen ohnehin unvermeidliche Diarrhö, sowie ein Streichholz.

Zubereitung

Jeder Kenner unzureichender Hygiene ist mit dem Verhalten der kleinen Krabbler vertraut. Sobald das Licht gelöscht wird, beginnt alsbald das bunte Treiben. Geduld ist allerdings auch hier der beste Koch: der kluge Kriechtier-Schlemmer wartet geduldig, bis sich die garstigen Blutsauger am eigenen Lebenssaft delektiert haben. Dann sind sie nämlich vollgesogen und träge. Der ideale Zeitpunkt, um zuzuschlagen: richten Sie Ihr Hinterteil nunmehr in einer fließenden Bewegung – bitte rasch, aber nicht hastig – auf das geschäftige Gewimmel auf Ihrer Bettstatt.

Normalerweise sollte diese Verlagerung des Standorts bereits dafür sorgen, dass sich in Ihren Eingeweiden die ersten Krämpfe erheben. Nun gilt es: entflammen Sie das Zündholz und halten Sie es sich direkt an den Podex.

Haben Sie alles richtig gemacht, so sollte Ihrem Hinterteil nun eine beeindruckende Stichflamme entweichen. Rösten Sie die Bettwanzen damit so lange, bis sich ihr Chitin-Panzer an den Schnitten öffnet. Ignorieren Sie dabei eventuell aufkommende Ekelgefühle (Sie sind nun einmal in Frankreich). Die intensive Hitzeentwicklung tötet eventuell Ihrem Gesäß entweichende Bandwurmfinnen. Außerdem erhalten die Wanzen-Maronen durch die rektale Röstung ein unvergleichlich feines E-Coli-Aroma.

Sind die Wanzen rundum goldbraun, lassen Sie diese gerade so lange abkühlen, bis man sie angreifen kann, ohne sich die Finger zu verbrennen. Knacken Sie den Panzer an der Schnittstelle und genießen Sie die Maronen sofort.

Gegessen wird selbstverständlich ganz salopp – oder „leger“, wie der Franzose sagt – sogleich im Bett.

Bon Appetit! Und denken Sie stets daran: der Kaiser ist sehr, sehr stolz auf Sie!

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Die Verdun-Feinschmeckerwochen haben begonnen

Werte Damen und Herren,
gewiss ist auch Ihnen nicht entgangen, dass vor gut 100 Jahren die glorreiche Schlacht von Verdun ihren bedeutungsvollen Anfang nahm.

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Nun wurden diesem Gefecht ja im Laufe der Zeit viele Bezeichnungen zugeschrieben – sei es „Urschlacht“ oder gar „Blutpumpe“. Überhaupt erscheint mir die diesbezügliche Erinnerungskultur – wie so oft – als ausgesprochen einseitig. So wird stets auf den angeblichen „Schrecken“ Verduns beharrt und dabei schlicht verschwiegen oder wenigstens übersehen, dass diese Schlacht doch durchaus auch ihr Schönes hatte. Die Mitglieder des Geselligkeitsvereins „Schwarze Pest“ werden mir gewiss unumwunden beipflichten.

Fürwahr: dieser denkwürdige Hexenkessel hatte deutlich mehr zu bieten, als nur Kriegstrauma, Gasvergiftung und umherfliegende Gliedmaßen!

Gerade ich als passionierter Gourmet konnte dereinst meine Einberufung kaum erwarten, steht doch Frankreich für jeden kulinarisch interessierten Menschen nachgerade synonym mit Gaumenfreuden auf allerhöchstem Niveau.

Sicherlich: heutzutage würde man, wollte man eine gastronomische Lustreise unternehmen, schlicht eine Buchung in einem Reisebüro vornehmen. Allerdings müssten Sie bedenken: es waren damals schlicht andere Zeiten. Uns war dereinst nämlich gar nicht bewusst, dass man ein Land auch bereisen könnte, ohne zugleich auch dort einzumarschieren. Da fehlte uns wohl – zugegebenermaßen – jener kleine Schuss unkonventionellen Denkens, welchen um Einiges später der Amerikaner beizusteuern wusste.

Sei es wie es will – in der nächsten Woche will ich Ihnen meiner Eigenschaft als Deutschlands berühmtester und bester Internetz-Koch im Rahmen der „Verdun-Feinschmeckerwochen“ jeden Tag eine neue Köstlichkeit aus dem kulinarischen Schmelztiegel der Schützengräben präsentieren. Ermöglicht wird diese schöne Aktion natürlich einmal mehr durch die freundliche Unterstützung des Wirtshauses „Zur Burenschanz“.

Als Motto möchte ich diesen Genussreichen Tagen abschließend den Wahlspruch des Veteranenvereins „Schlemmergenossenbund Bauchspeicheldrüsen-Schrapnell“ voranstellen:

„Jedes Knattern des Maschinengewehrs ein leerer Magen / Jedes rauschen des Flammenwerfers eine raffinierte Flambierung / Jedes Krachen des Mörsers eine neue Geschmacksexplosion“

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Historische Exkurse, Kulinarisches, Redliche Kriegserlebnisse

Mein schönstes Kriegserlebnis, Teil II

Werte redliche Heimseitenbesucher,

es war im Jahre 1916. Mein alter Freund, der Kapitän Harmsen, schickte sich an die Blockade in der Beeringstraße zu durchbrechen, um den Kaiserlichen Truppen in den Kolonien Nachschub an Zahnseide und Schuhpolitur zu bringen.

Heureka, Planung war das A und O, führte sein Weg doch geradewegs durch ein tükisches Minenfeld, welches der Feind vor der Küste angelegt hatte.

Drei Tage und drei Nächte brüteten wir über den Seekarten, beobachteten mittels Sekstanten den Sternenhimmel, führten die kompliziertesten Berechnungen durch, bis der Kurs der „Seemöve“ endlich stand. Heureka, wie schön! Wir waren die größten!

„Nur ein halbes Grad Abweichung..“ sagte Kapitän Harmsen „…und der Klabautermann bekommt uns mit Mann und Maus, da gibt es kein Vertun! In dem tückischen Minenfeld wird auf Navigationsfehler kein pardon gegeben!“

Doch sowohl dem Kapitän als auch der Mannschaft war klar, dass das Wagnis in Angriff genommen werden musste. Kaiserliche Truppen ohne Schuhpolitur – diese Vorstellung trieb auch den hart gesottensten Seemännern die Tränen der Ergriffenheit in die Augen, sapperlot. Zu Dutzenden meldete man sich freiwillig für diese Mission.

Parbleu, ich habe noch genau vor Augen, wie die „Seemöve“ aus dem Hafen fuhr, während die Kapelle „Muss I denn zum Städele hinaus“ spielte. Auf der Brücke stand Kapitän Harmsen, wie ein Fels erstarrt, die Hand zum militärischen Gruß an die Hutkante gelegt.

Auch wenn er ehrfurchtsvoll schwieg, so konnte ich es in seinen Augen lesen: „Ein halbes Grad nur und es ist aus, Potzdonner! Nun heißt es sklavisch auf den errechneten Kurs und den Himmel vertrauen!“

Heureka, auch wenn ich den exakten Kurs mitberechnet hatte, teilte ich die Ansicht, dass auch der Himmel ein Wörtchen mitzureden habe. Ich hatte daher in der Nacht zuvor, ohne das Wissen meines Kameraden, eine herrliche Marienstatue an Bord gebracht, ganz aus reinem Eisenerz und diese direkt neben dem Kompass versteckt.

Ich stand am Quai und salutierte redlichst zurück und änderte diese Stellung erst, als die „Seemöve“ am fernen Horizont verschwunden war. Das war das letzte, was ich von dem Schiff und meinem Freunde, dem Kapitän Harmsen gesehen habe.

„Sä la Gärr“, wie der Franzose sagt.

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

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Mein schönstes Kriegserlebnis

Werte Heimseitenbesucher,

an dieser Stelle soll Ihnen die Möglichkeit gegeben werden, Ihre schönsten und herzerwärmensten Kriegserlebnisse mit der geneigten Netzgemeinde zu teilen. Schwelgen Sie ruhig in wohliger Nostalgie und lassen Sie uns allesamt an jenen Erinnerungen teilhaben, in welche Sie sonst nur mit dem innersten Kreis Ihres Stammtisches einweihen. Ich möchte selbst den Anfang machen.

[Bild: trenner2.gif?w=690]

Ich entsinne mich noch trefflichst, fast, als hätte es sich vor fünfzig Jahren zugetragen.

Unsere Einheit war versprengt, in ungeordneten Teilen hatten wir uns in einem Schützengraben vor Verdun verschanzt, der Engländer befand sich unmittelbar visavis. Tagein, tagaus pflegte das Artilleriefeuer über uns hinwegzupfeifen, dass es eine wahre Freude war.
Das schlimmste an unserer Situation war jedoch zweifellos: ich war der letzte überlebende der dritten Schreibstuben-Einheit, eine bestens ausgebildete Elite-Truppe heldenhafter Bürokraten.
Ohne unser Zutun wäre ein ordnungsgemäßer Kriegsverlauf kaum denkbar gewesen, ob der famose Paragraf 34 der Leipziger Schusswaffenverwesungsverordnung (Nachladeintervall mindestens 3,6 Sekunden) oder der Reichskonservendosenerlass (Rechtsdrehende Öffnung verbindlich) – wir hatten darüber zu wachen, dass auch im Kriege alles seine Ordnung hatte.

Nun befanden wir uns in diesen Tagen in einer garstigen Patt-Situation: zwar war uns der Gegner sowohl zahlenmäßig, als auch vom Munitionsvolumen deutlich unterlegen, jedoch reichten die Farbbänder meiner Reiseschreibmaschine lediglich, um einen Schützengrabenausfallbefehl mit einfachem Durchschlag zu erstellen – jeder halbwegs vernünftige Mensch wird verstehen, dass ein derart schludrig erstellter Befehl keinesfalls Rechtskraft erlangen kann. Zudem (und fast noch schlimmer) war die Stempeltinte fast aufgebraucht.
Somit blieb mir kaum eine andere Wahl, als aufs Entschiedenste auf ein Aussetzen des Angriffes zu insistieren, bis die Feldpost ein neues Farbband und Tinte zu liefern imstande war. Ganz im Sinne des Kaisers, möchte man meinen.

Jedoch bekam ich es mit dem größten Feind in den eigenen Reihen zu tun: dem garstigen Feigling, in diesem Falle mit dem Obergefreiten Hans Bestfleisch:

[Bild: cjf7dt26z57jfx9k4.jpg]

Entgegen meiner ausdrücklichen Diestanweisung wartete dieser heimtückische Lümmel schlicht ab, bis ich mich zur Ruhe gelegt hatte, um einen Angriff auf die Stellung des Feindes zu organisieren und diese sozusagen „im Handstreich“ zu nehmen.

Groß war meine Überraschung am nächsten Morgen, wie der geneigte Leser sich sicher ausmalen kann.
Nun, den Schaden hatte ich zu tragen – mühsam musste ich den in Gefangenschaft geratenen Feinden neue Waffen aushändigen, um sie abermals in ihrer Stellung anzusiedeln, welche ohne legale Grundlage eingenommen wurde – ein untragbarer Skandal für Kaiser und Vaterland.
Über den garstigen Quasi-Deserteur Bestfleisch verfasste ich indes umgehend eine gepfefferte Protestnote mit Antrag auf ein Disziplinarverfahren . Wie erfreulich, dass die Satzung hierfür bloß einen Durchschlag vorsah.

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