Monatsarchiv: Juli 2017

Vor dem “Copy & Print”

copyshop

München-Haidhausen. Ein professoral-zerstreuter Mann mittlerer Statur, unter dem Arm einen offenbar eilens zusammengerafften Stapel Papiere, rüttelt erfolglos an der Tür eines Landenlokals, das schon aufgrund der bedrückend endgültigen Dunkelheit im Inneren kaum Eindruck erweckt, als habe sich der Besitzer nur für ein spätes Mittagspausen-Bier entfernt. Der Professor, ob dieser unerhörten und offenbar mit schier unzumutbaren Disponierarbeiten verbundenen Entwicklung sichtlich aus dem Konzept gebracht, dreht sich einige Male unbeholfen um die eigene Achse und fixiert schließlich einen ihm offenbar zumindest flüchtig bekannten Mann im FC-Bayern-Sweater, dessen hausmeisterhaftigkeit bis hin zum Schnauzbart eine derart klischeehafte Ausprägung erreicht, daß er im Sinne des erzählerischen Neutralitätsgebots hier in einem gänzlich anderen Metier verortet werden soll, etwa im Investementbanking.

Professor: Sagen Sie, warum ist denn der “Copy & Print” um diese Uhrzeit geschlossen? Ich muss doch dringend meine Unterlagen kopieren. Und Mittag ist schon längst vorbei.

Banker: Der hat doch schon vor, na, ungefähr zwei Wochen zugemacht.

Professor: Wegen Krankheit? Ja, also das ist ja ….

Banker (fischt mit dem Mund eine “Ernte” aus dem Päckchen): Nein, doch nicht deshalb. Der Anger hat den Laden endgültig zugesperrt.

Professor: Ach so, also hat er pleite gemacht? Dabei war doch immer Betrieb im Laden…

Banker (nachdem er, seinen Wissensvorsprung wohl etwas mehr als das zuströmende Nikotin goutierend, versonnen an seiner “Ernte” gezogen hat): Nein, gar nicht. Im Gegenteil: Da kam neulich einer in den Laden, Geschäftsmann glaube ich, Siemens oder Linde oder so, der war wohl unter Zeitdruck. Und stellen Sie sich vor: Der hat achtzig Abzüge, also wirklich achtzig, von einer Präsentation haben wollen. Und auch noch spiralgebunden und auf dem guten Papier! Und was glauben Sie, wieviele Seiten die hatte?

Professor: Nun…

Banker: Ich sag’s Ihnen: achtunddreißig! Da hat der Anger, also summa summarum, an einem Tag locker eins drei gedreht. Eintausenddreihundert! Der Mensch hat nur seine Karte gezückt. Und wusch! Der hat das vermutlich nicht selbst gezahlt.

Professor: Na, das ist ja schon eine Menge Geld. Aber deshalb gleich den ganzen Laden…

Banker: Der Anger hat doch schon Jahre gespart. Der hat ja gelebt wie ein Mönch. Unverheiratet und alles. Der hat ja sogar absolut alles von “Ja” gekauft, sogar die Pizza. Die Summe hat ihm noch gefehlt. Dann ist er weg. Einfach so. Wusch!

Professor: Wo soll ich denn in Zukunft meine Unterlagen kopieren? Hier gab es doch im ganzen Umkreis nur das “Copy & Print”…

Banker: Also hier jedenfalls nicht. Hier kommt, soweit ich weiß, jetzt so ein Friseursalon rein. Sie wissen schon, so ein moderner. Für Bärte.

Professor: Das ist alles schrecklich! Schrecklich! Und der Anger? Was macht der jetzt?

Banker (diese Frage längst antizipierend): Der, das sage ich Ihnen, ist schlauer als wir beide zusammen. Der sitzt jetzt auf den Malediven. Das war nämlich schon immer sein Traum.

Professor: Die Malediven… Der Anger kam mit immer eher wie ein gemütlicher Mensch vor. Daß der surft, oder sowas, das überrascht mich doch sehr.

Banker: Ha, der Anger und “surfen”. Daß ich nicht lache! Der hat doch jedes Wasser verabscheut. Nicht mal bei der größten Hitze hat man den überhaupt im Schwimmbad gesehen.

Professor: Aber was macht er denn dann gerade auf den Malediven?

Banker: Na, was denken Sie denn? Natürlich einen Copyshop!

Professor (resigniert): Natürlich.

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Kategorien: Aktuelles, Die Sonntags-Sophisten

Ausländische Autopiloten

Sonntagnachmittägliche Parkgesellschaft. Zwei Hundehalterinnen in asymmetrischem Zwiegespräch. Dame Nummer eins, Meisterin der überakzentuierten Betonung, ist sichtlich in Rage. Dame zwei, wohl eher ruhig bis phlegmatisch angelegt, verhehlt ihr Halbinteresse nur viertelgewissenhaft.

Betonerin: …jedenfalls sage ich Ihnen ganz klar: mit diesen SÜDLÄNDISCHEN Airlines fliegen wir nicht mehr!

Phlegma: Ja, warum denn nicht?

Betonerin: Also diese Piloten waren uns ja schon beim Boarding sehr suspekt mit ihren Schnauzbärten. Und „Grüß Gott“ haben die auch mit einem HÖCHST komischen Akzent gesagt. Und dann stellen Sie sich vor: als ich während des Flugs zur Toilette gegangen bin, konnte ich kurz einen Blick ins Cockpit werfen. Und Sie werden es nicht glauben: Der Pilot hatte die Füße oben!

Phlegma: Ach so?

Betonerin: Wenn ich es Ihnen doch SAGE!

Phlegma: War das der Pilot oder der Co-Pilot?

Betonerin: Also zu hundert Prozent kann ich das nicht sagen. Ich bin mir aber SICHER, daß das der Pilot war.

Phlegma: Naja, wirklich schlimm ist das aber eigentlich nicht. Das macht ja heute sowieso alles der Autopilot.

Betonerin: Den konnte ich leider gar nicht sehen. Es würde mich aber bei diesen Brüdern ÜBERHAUPT nicht wundern, wenn der EBENFALLS die Füße oben gehabt hätte! NIE wieder!

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