Gesundheit

venire ad nihilum

Wer das Glück hatte, sich noch in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts als stolzer Besitzer eines Duschbades zu bezeichnen, wird sich noch bestens an die funktionale Einfachheit einer solchen Einrichtung erinnern: Meist beinhaltete diese seit Jahrzehnten bewährte Anlage, nicht selten eingerahmt von Fliesen in dezent gedimmten Signalfarben, alles Notwendige, was der Reinigungsbedürftige zum Abbrausen der zu Schweiß oder Talg geronnenen Beiprodukte des alltäglichen Abnutzungsgefechts dringend benötigte.

abzieher

Aus dem meist überall sehr ähnlich geformten Duschkopf schoss ein kräftiges Bündel von Strahlen, deren firm auf die Haut preschende Stringenz vielleicht im ersten Moment auf den Dusch-Delinquenten einschüchternd gewirkt haben mag. Zweifellos: Ein gerüttelt Maß an Überwindung musste, gerade an Morgen, durchaus aufgebracht werden, bevor man sich den reinigenden Fluten hingab; belohnt wurde man mit einem Gefühl gründlichster Sauberkeit, das sich nur umso kathartischer ausnahm, je weiter man mit dem Strahl in die sonst kaum für verirrte Sonnenstrahlen – und erst recht nicht für hochnotpeinlich bohrende Finger – zugänglichen Körperritzen vorgedrungen war.

Ebenfalls ein unverzichtbares Mitglied des Bad-Inventars: der Duschvorhang, auch er ein Musterbeispiel unprätentiöser Pflichterfüllung. Unaufgeregt erfüllte er die ihm einzig zukommende Dienstpflicht der möglichst zuverlässigen Spritzwasserminimirung (am Rade war er natürlich noch Sichtschutz) und gestatte sich dabei die eine Extravaganz, zuweilen mit einem Muster bedruckt zu sein, das in seiner ausgesuchten Scheußlichkeit mit den Fliesen der Marke „Villeroy & Boch“ in direkter Konkurrenz stand. Wurden die nahezu unvermeidlichen Zipperlein der Duschtextil-Vergreisung allzu manifest (meist Schimmelbefall oder unschöne Kalkflecken), so schickte man den verdienten Vinyl-Behang bedenkenlos in den Ruhestand und ersetzte ihn kurzerhand durch ein fabrikneues Exemplar. Ein bewährtes Prinzip, das beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt seit jeher blendend funktionierte – und es noch immer tut.

Dem einst so utilitaristisch-simplen Ort der täglichen Bebrausung war eine solche Konstanz hingegen keineswegs vergönnt. Vielmehr erlebte er einen Wandel von erstaunlicher Radikalität, der bei näherer Betrachtung in krassem Missverhältnis zum angenehm betulichen Reformstau deutscher Prägung steht.

Die Misere beginnt bereits beim Duschkopf, der weiland noch selbst den bockbeinigsten Klabusterbeer-Strauch mühelos mitsamt der Wurzel hinfortbrauste. Heutzutage begegnet dem Reinigungsbeseelten meist ein überdimensioniertes, löffelähnliches Konstrukt, dem ein lauer Tröpfelregen entweicht, nicht ganz unähnlich dem zögerlichen Urinfluss eines Prostata-Patienten. Ob das erklärte Ziel, nämlich ein „Wohlfühlerlebnis für Körper und Seele“, dabei erreicht wird, sei einmal dahingestellt. Fakt ist jedenfalls: ohne eine Wurzelbürste wird nicht einmal der Körper, erst recht nicht die Seele sauber.

Seinen unbestrittenen Gipfel erreicht der zivilisatorische Regress allerdings mit jedem Unding, welches uns die Folterknechte der modernen Badgestaltung uns als Spritzwasserschutz zudenken. Ganz einerlei, ob im heimischen Bad die Duschmöglichkeit auch als Badewanne fungiert, oder eine dezidierte Kabine vorhanden ist: fast überall musste der altbewährte Duschvorhang einem wie auch immer gearteten Plexiglas-Konstrukt weichen, mit überraschend weitreichenden Konsequenzen. Denn nicht nur sind diese Kabinen Aufgrund ihrer fast vollständigen Durchsichtigkeit schon als Sichtschutz völlig ungeeignet – sie sind außerdem HÖCHST anfällig auf Spritzwasser jedweder Intensität. Nahezu jeder Tropfen, der sich auf die Glastür verirrt, hinterlässt einen unschöne Kalkrückstände, die sich im großen Ganzen nach etwa einer Woche zu einem schmutzig-milchigen Film auf der Türoberfläche verdichten.

Doch der Badkonstrukteur moderner Prägung hat selbstverständlich auch für diesen Mißstand eine gewitzte Lösung erdacht. So trifft es sich, daß sich inzwischen in nahezu jedem Duschbad eine dieser Gerätschaften findet, die man sonst hauptsächlich im Repertoire eines Fensterputzers vermutet, hier einmal behelfsweise „Abzieher“ genannt. Meist wird das Utensil von der umtriebigen Hausfrau an taktisch wohl gewählter Stelle platziert, um auch den Gast subtil an das erste und oberste Gebot des modernen Duschens zu gemahnen, das da in Kalk gemeißelt lautet: „DU SOLLST DIE DUSCHKABINE GLEICH NACH DEM DUSCHEN ABZIEHEN“.

Und so sieht man sie allenthalben abziehen, honorige Herrschaften, Doktoren, Professoren gar: wie begossene Pudel stehen sie in ihren Duschen, nackt und frierend verrichten sie die ihnen vom Massengeschmack auferlegte, traurige Fron. Und sollten dereinst die Maschinen vermittels künstlicher Intelligenz ein Bewusstsein erlangen, so ist es wohl ihr Glück, daß ihnen zur Körperhygiene ein Fläschchen Metall-Politur ausreicht. Die Reinigung der Plexiglas-Kabinen bleibt wohl auch dann der versklavten Menschheit überlassen – dieser Vorgang ist selbst für eine Automatisierung zu dämlich.

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Kategorien: Aktuelles, Gesundheit

Die erstaunliche Erfindung der Anal-Arznei

Die Älteren unter Ihnen werden sich gewiss erinnern:
Bereits 1899 erfindet K. Prestorius in Linz das Fieberzäpfchen und entdeckt somit eine völlig neuartige, äußerst effektive, aber zugleich ungekannt unangenehme Form der Arzneimitteldarreichung. Seine revolutionäre Idee kommt ihm der Legende nach bei der Betrachtung alter Holzschnitte mit Darstellungen unter Vlad III. gepfählter Delinquenten.

Leider wäre die kühne Entdeckung beinahe an der leidigen Durchführbarkeit gescheitert: vor der Erfindung des Penicillins ist es schlicht unmöglich, Arzneiwirkstoffe auf eine handliche Größe zu komprimieren. Prestorius freilich lässt sich durch diese Widerstände nicht beirren. Flugs konstruiert er die „κώλος I“ getaufte (Prestorius war gelernter Altphilologe), motorisierte Zäpfchen-Droschke. Unter der Außenhülle aus einem hochwertigen Chinin-Morphin-Gemisch auf Hartfett-Basis ist ein Benz-Viertaktmotor mit drei Pferdestärken verbaut. Ein Zäpfchen mit Verbrennungsmotor – was aus heutiger Sicht vielleicht etwas bizarr anmuten mag, ist damals schob ob der schieren Größe der torpedoförmigen Anal-Arznei unabdingbar. Nur auf diesem Weg ließ sich eine korrekte Verabreichung sicherstellen.

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Die motorisierte Anal-Arznei des K. Prestorius

Am 29. April 1889 kommt es auf einem Streckenabschnitt der Semmeringbahn zum ersten Härtetest. Unter Zuhilfenahme des starken Gefälles gelingt es Prestorius, auf eine damals schier haarsträubende Spitzengeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern zu beschleunigen – ein neuer Rekord für die gesamte Region unter der Enns.

Auch die angedachte Applikation ist gelingt fast zur Gänze: Dem strategisch an der Ziellinie platzierten Schüttelfrost-Patienten, Herrn Landeskassendirektor Brunz, kann der Wirkstoff mindestens zur Hälfte verabreicht werden, bevor sein Perineum vor dem ungewohnten Anpressdruck kapituliert. Ein Teilerfolg. Außerdem erhält Prestorius so die Möglichkeit, mitsamt seiner nur halb geschmolzenen Konstruktion unter frenetischem Jubel des begeisterten Publikums eine Ehrenrunde zu drehen.

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Eine Zeit kühner Männer in fahrenden Arzeimitteln

Insgesamt muss man wohl festhalten: so banal die damaligen Geschehnisse aus heutiger Sicht auch erscheinen mögen – Prestorius‘ Ur-Zäpfchen war das erste Medikament, das aus eigener Kraft einen Wettkampf gewann. Wenn Sie also demnächst bei einer Olympiade den Siegeszug eines Athleten bewundern, den er ganz zweifellos einem brandneuen Präparat verdankt, so bedenken Sie: ein kinderleicht einführbares Zäpfchen ist beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Kategorien: Gesundheit, Historische Exkurse

Mein kleiner Lumpi

„Da ist der Wurm drin“ – dieses Sprichwort gereicht doch insbesondere einem ausgemachten Mißstande zum eindrucksvollen Fanal: nämlich, dass das überaus redliche Weichtier völlig zu unrecht allenfalls einen tertiären Ruf unter den mutmaßlich besten Freuden des Menschen (neben dem Frauenzimmer, natürlich) genießt.

Der moderne Mensch hält sich Feliden, Caniden, ja, sogar garstige Nagetiere und behandelt sie mit einer treudämlich-nassforschen Vertraulichkeit, obschon es völlig offensichtlich ist, dass ihn diese Schädlinge nichts weiter als ausnutzen und ihm im Erstfall im wahrsten Sinne des Wortes sogar das Antlitz vom Schädel fressen würden, wäre gerade nichts anderes da.

Alldieweil fuhrwerkt der deutsche Regenwurm bienenfleißig und trutzig in der sakrosankten Heimaterde und ermöglicht so durch seinen unschätzbaren Umwühldienst Ernte um Ernte, ohne dafür auch nur im Ansatz eine angemessene Würdigung zu erfahren.

Ich selbst hatte gottlob schon in jüngsten Jahren die Gelegenheit, auf höchst zärtliche Weise mit einem waschechten Abkömmling jeder stolzen Mollusken in Kontakt zu treten: In der Tat war der liebe „Lumpi“, mein Haus-Bandwurm, sogar mein einziger Freund (und ist es, bei näherer Betrachtung, bis heute geblieben).

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Mein kleiner Lumpi

Wie Sie sicher wissen, hatte ich mich in meiner Kindheit auf Weisung meines gestrengen Herrn Vaters mit den Hofhunden um meine Nahrung zu balgen. Vermutlich trat Lumpi dereinst als niedliche Finne in einem rohen Pansen-Stück in mein Leben.

Als er erst in meinem Darm zu voller Größe ausgewachsen war, waren wir in der Tat unzertrennlich: nie vergesse ich die unbeschwerten Stunden, die ich damit zubrachte, meinen geliebten Lumpi von mir aufgenommene Nährstoffe apportieren zu lassen. Seither weiß ich: Oberbauchschmerzen können innige Liebe bedeuten! Bisweilen steckte er sogar sogar während des Defäkierens auf grüner Heide frech seinen Kopf hervor, um blöde Mädchen zu erschrecken. Kurzum: Lumpi war wie der Bruder, den ich gehabt hätte, hätten ihn nicht die Wölfe gerissen.

Leider verließ mich mein Lumpi allzu früh: die alten, zinnhaltigen Rohre des friedelschen Landgutes sorgten dafür, dass mein kleiner Freund unser Trinkwasser nicht recht vertrug; selbst ein Ehrengrab auf dem Tierfriedhof blieb ihm leider verwehrt; Mein Herr Vater war strikt dagegen, Potztausend!

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Familienchronik, Gesundheit

Urlaubsschnäppchen im Pflegeheim

Werte Damen und Herren,

gewiss kennen auch Sie dieses Gefühl: bisweilen scheinen die nagenden Fährnisse des tristen Alltags selbst den duldsamsten Menschen geradezu zu verzehren. Freilich: man soll sich nicht beklagen, so steht es schließlich bereits in der Bibel – den Lohn für alle irdische Müh erhält man im Jenseits, wo auf den guten Christenmenschen gottlob nur eine einzige, auf ewig unbefleckbare Jungfrau wartet.

Gleichwohl ist jedermann bloß ein Mensch – sogar eine Schlüsselfigur meines Zuschnitts. So trifft es sich, dass auch ich bisweilen eine sogenannte „Auszeit“ vom Trubel des Alltags benötige. Als vielbeschäftigter Hochbetagter habe ich mir ein wenig Erholung ja auch redlich verdient. Da erscheint ein Kuraufenthalt auf den ersten Blick als das Gebot der Stunde. Wohingegen sich bereits beim zweiten Hinsehen die Nachteile eines solchen Erholungsurlaubes offenbaren: Kurtaxe, Hotelkosten, sowie teure und wenig nahrhafte Schonkost sind da nur die Spitze des kostspieligen Eisberges.

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Betreuung auf Fünf-Sterne-Niveau

Meine Maxime lautet hingegen: Erholung sollte in diesem Lande auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich sein und bleiben. Daher urlaube ich seit Jahr und Tag im Pflegeheim St. Theresa. Wie herrlich erholsam ist es doch, endlich einmal wieder völlig umsorgt zu werden und Seele wie Schließmuskel vollends baumeln lassen zu können.

Noch nicht einmal um die Anreise muss ich mich kümmern: ich brauche lediglich den sogenannten „Notfallknopf“, den ich an einer uhrähnlichen Vorrichtung am Handgelenk trage zu betätigen –  flugs eilt medizinisch geschultes Personal herbei. Meist genehmige ich mir noch kurz vor dem beherzten Knopfdruck ein gesundes Fläschchen Sechsämter und lege meine Dragoner-Uniform an. Logische Diagnose: fortgeschrittene Demenzerkrankung. Nächster Halt: Seniorenstift!

Erfreulicherweise verfüge ich über keinerlei lebende Verwandtschaft und bin zudem durch eine geschickte Finanzbuchhaltung bedarfsweise völlig mittellos. Die Kosten meines Aufenthalts trägt also Vater Staat.

Nach der Erledigung dieser lästigen Formalitäten kann denn auch endlich die Erholung beginnen – und die umfassende Betreuung lässt in der Tat kaum Wünsche offen. Endlich völlig unbehelligt von der alten Zeit berichten, oder dem Ärger über die falsch ausgefüllte Steuererklärung Anno ’75 freien Lauf lassen, ohne auf terminliche Zwänge, Nervenkostüm oder Feierabend des Personals oder der anderen Insassen Rücksicht nehmen zu müssen – herrlich!

Man wird angekleidet, auf Wunsch gefüttert, ja, nicht einmal das Klosett muss man besuchen, sollte man es vorziehen, den Tag gemütlich im Bett zu verbringen. Gut, bisweilen bleibt man vielleicht, aufgrund von personellen Engpässen, im wahrsten Sinne des Wortes auf der eigenen Bettpfanne sitzen. Immerhin: eine Fango-Packung käme weitaus teurer!

Die Verpflegung ist übrigens besser als ihr Ruf: Freude exotischer Kost erwartet eine aufregende Entdeckungsreise in unendliche kulinarische Weiten – bei Astronautennahrung und Magensonde speisen Sie wie weiland die Besatzung des Raumschiffs Orion.

Langeweile kommt ebenfalls nicht auf: bei bunten Abenden im Aufenthaltsraum kommt selbst der reservierteste Insasse in ausgelassene Schunkelstimmung. Bisweilen sorgt bei der gemeinsamen Polonaise zudem ein spontaner Schlaganfall bei einem Mitbewohner für knisternde Spannung. Im Falle seines Ablebens lässt man den Abend dann bei einer guten Tasse Harntee mit informierten Gesprächen über die tragische Krankengeschichte des Verschiedenen ausklingen. Wohlige Schauer, sowie das befriedigende Gefühl, selbst noch am Leben zu sein, sind garantiert!

Man darf also zusammenfassend festhalten: wer seinen Urlaub im Pflegeheim verbringt, der kann sich hernach mit neugewonnener Energie wieder ins Tagesgeschäft stürzen; Ich kann Ihnen folglich nur raten, es mir nachzutun. Bedenken Sie: Das Pflegepersonal wird schließlich nur dafür bezahlt, Sie nach allen Regeln der Kunst zu umsorgen. Ein schlechtes Gewissen – oder gar Trinkgelder – sind völlig unangebracht. Schließlich steht es schlussendlich jedem frei, etwas Vernünftiges zu lernen –  beispielsweise Sparkassendirektor oder Berufspolitiker.

Ich wünsche Ihnen von Herzen einen erholsamen Urlaub!

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Gesundheit

Nachhaltigkeit mit der Heiligen Schrift

Nur allzu oft werden dem redlichen Menschen zum Beleg unsinniger Legenden („die Erde ist rund“ und ähnlicher Unsinn) Zitate von Albert Einstein und anderer Physik-Ketzer entgegengehalten.

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Die Sintflut – durch und durch ökologisch

So meint man, die Bibel als eine Ansammlung von lächerlichen Fabeln brandmarken zu können. Was, darf man in diesem Zusammenhange fragen, hat uns die moderne Physik schon nützliches eingebracht? Die Atomkraft? Also jene überkommene Form der Energiegewinnung, die derzeit für teures Geld mit hochmoderner Kohlekraft ersetzt werden muss? Überhaupt war bereits das erste Anwendungsszenario des Atoms – namentlich das Zerbomben einiger japanischer Dörfer – völlig unsinnig. Auf Jahrzehnte war hernach alles verseucht und unbenutzbar.

Ein Blick in die Heilige Schrift belegt, dass dem Herrn zur Vernichtung ganzer Zivilisationen eine einfache Sintflut genügte, also reines Wasser. Im Gegensatz zur Atombombe bewundernswert ökologisch und nachhaltig! Welche Praxis halten Sie für zeitgemäßer? Die Antwort sollte recht klar sein; da mögen sich die Atheisten meinethalben grün und schwarz ärgern, Potztausend!

Kategorien: Aktuelles, Gesundheit, theologische Meditationen

Ein Robotor wollte mich totschlagen!

Werte Herren,

wie Sie wissen, bin ich mir schon lange darüber im klaren, dass es sich bei meinem Nachbarn Krawullke um einen getarnten Robotoren handelt, der nur zur Täuschung die Identität eines Bauarbeiters angenommen hat und vorgibt, in der Nachtschicht des Straßenbaus zu arbeiten.

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Mein Nachbar Herr Krawullke. Schon mehrmals hat er mir Gewalt angedroht.

Ich habe es mir daher zur Aufgabe gemacht, tagsüber seinen Batterie-Aufladezyklus zu stören, um ihn damit seiner Kräfte zu berauben. Gestern hätte dies beinahe mein Leben gekostet, als ich ihn wiederholt aus der Telefonzelle vor seinem Haus angerufen habe.

Krawulke geht an den Hörer: „Was ist denn?“

Ich: „Miau, miau!“

Krawullke knallt den Hörer auf die Gabel. 5 Minuten später:

Krawullke: „HALLO? WAS IST?“

Ich: “La-la-la, gar niemand da!“

Krawullke: „WOLLEN SIE MICH VERARSCHEN ODER WAS?“

Ich: „Ich bin nur ein harmloses Haustier, Wau-Wau!“

Krawullke flucht und hängt auf. 10 Minuten später:

Krawullke:“Wenn ich rausbekomme wer du Spinner bist, dann mach ich dich platt!

Ich: “Veronica, der Lenz ist da, der Waldemar singt trallala…“

Krawullke: „HARTLAUB, SIND SIE DAS WIEDER SIE SPINNER??“

Ich: “Nein ich bin es nicht, ich bin ein Laubfrosch, Quack, Quack!! Oh, moment ich muss gerade Geld nachwerfen, bitte bleiben Sie kurz dran…“

In diesem Moment starrt Herr Krawullke aus dem Fenster und genau in die Telefonzelle. Ich machte sofort eindeutige Zeichen, dass ich es NICHT bin der ihn da gerade anruft -aber sein teuflisches Robotorengehirn durchschaut meinen Trick!

„ICH DREH DIR JETZT DEN HALS UM DU SPINNER, ICH MACH DICH ALLE!“

Ich bin dann ganz schnell aus der Telefonzelle gelaufen und habe mich hinter einem Gebüsch versteckt. Herr Krawullke kam mit hochrotem Kopf aus dem Haus und hat überall gesucht, ich hatte furchtbare Angst. Nach einer Stunde etwa hatte er genug und ist nach Hause gegangen, weil er ja vor der harten Nachtschicht seine Batterien laden muss.

Ich hatte zum Glück noch etwas Kleingeld und hab dann wieder klingeln lassen, bis er dran ging.

Krawullke, sehr ermattet: „ja…was ist denn? In Himmels Namen… lassen Sie mich doch schlafen Mann, ich muss gleich zur Schicht….“

Ich: „Ja hallo Herr Krawullke, hier ist der Laubfrosch von vorhin, Quack Quack, wir wurden wohl irgendwie getrennt“

Dabei winkte ich ihm freundlich aus der Telefonzelle zu und trieb dieses Spiel auch bis zu seinem Schichtbeginn, wobei er noch dreimal vorher raus gelaufen kam – einmal sogar mit einem Bleirohr in der Hand, mit dem er mich totschlagen wollte.

Ich vermute, der Roboter wird heute Nacht einfach „stehen bleiben“, so fertig hat er ausgesehen, als er dann endlich zur Arbeit ging. Wie schön.

Ich kann wirklich stolz sein.

Ganz herzlich
Waldemar

Kategorien: Aktuelles, Dem kosmischen Rauschen lauschen, Diabolisches, Gesundheit

Kopfweh vom Kamillentee

Werte redliche Heimseitenbesucher,

gestern mit den Herren von Friedel und von Angmar nach der Messe noch einen kleinen Abstecher in die „Parkklause“ unternommen, auf „einen kleinen Kamilentee“.

Foto (16)

Tee war hervorragend und der Herr von Angmar schlug vor, zur geschmacklichen Aufwertung noch jeweils einen kleinen „Wacholder“ zu bestellen. Erste Bedenken sind schnell überwunden, so dass gegen 17.00 die Gläser erneut befüllt werden.

17.10 Runde des Herrn von Friedel auf „Die Dragoner“

17.15 Runde meinerseits auf „Die Marine“

17.20 Runde des Herrn von Angmar auf „Die Kaiserliche Infantrie“

17.25 Gemeinsame Runde „Auf seine Majestät“

17.30 Gemeinsame Runde „Auf den Kaiser“

17.35 Runde des Herrn von Friedel auf „Unseren geliebten Souverän“

17.40 Runde von Klotz/von Angmar „Auf das schöne Wetter“

17.45 Runde des Herrn von Angmar „Ein letztes Glas bevor wir gehen“

17.50 Runde meinerseits, so genannter „Absacker“

17.50 Runde des Herrn von Friedel „Auf das Vaterland“

17.55 Runde des Herrn von Angmar „Auf unser Vaterland“

18.00 Runde meinerseits „Ein letztes Glas aufs Vaterland, bevor wir zahlen“

18.05. Gemeinsame Runde „Auf die Kameradschaft“, absingen heroischer Lieder

18.10 Letzte Runde des Tages

18.11 Runde von irgendwem „Auf den Beginn der neuen Minute“

18.12 Weitere Runden „Auf den Beginn jeder neuen Minute“

Ab 18.30 weitere Runden auf irgendwas, nachspielen prägender Kriegserlebnisse über Tisch und Bänke, unter Einbeziehung der anderen Gäste.

…19.00 oder so, Trinken Schnaps direkt aus der Flasche, Herr von Angmar feuert mit Revolver in die Decke, Gäste verlassen die Parklause

…irgendwann, Wirt ist entfleucht, überall Flaschen…keine Munition mehr..Trinken noch „Eine letztes Glas“, versuchen selbst die Zeche auszurechnen. Herr von Friedel errechnet für alle zusammen 4,75 „oder so“. Potzdonner, ich knalle generös 5 Euro auf den Tisch, dann verlassen wir redlichst die verwüstete Stube.

Heute seltsamerweise leichtes Kopfweh, ebensolches Befinden bei den anderen Herren, wie mir telefonisch versichert wurde. Erneuter Beweis dafür, das „Quertrinken“ nichts bringt, sapperlot. Den anfänglichen Kamillentee hätte man unbedingt weglassen müssen!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Aktuelles, Der Seesack, Die bessere Gesellschaft, Gesundheit

Höchste Pflegestufe

Werte Heimseitenbesucher,

„Kommen Sie nur, kommen Sie“ rufe ich mit einem herzlichen Lachen im Gesicht und drücke dem
Herrn vom Amt anerkennend die Schulter, als er auch die letzte Stufe meiner steilen Treppe in den
ersten Stock überwunden hat. Sogleich verwandelt sich mein Griff aber auch in einen eisenharten
Schraubstock, der sicherstellt, dass der Herr nicht vor der Zeit den Rückweg nach unten antreten kann,
sapperlot. „Und nun schauen sie mein Guter“ kommt es über meine noch immer freundlich lächelnden
Lippen „Wir stehen nun direktemang auf meiner Pflegestufe, sogar auf der allerobersten, harhar. Und
sie wollten mir nicht glauben, dass ich bereits eine besitze!“. Der schmächtige Herr mit der Brille windet sich
etwas unter meinem eisenharten Griff, den ich nun langsam in Richtung seines Genicks verlagere und
beginnt zögerlich seinen Einwand wie folgt zu formulieren: „Also Herr von Klotz, ich verstehe nicht ganz…
wie gesagt müssen wir jetzt ernsthaft über eine Heimeinweisung…sie wissen doch, dass…“, doch da
unterbreche ich ihn mit einem sanften Knuff gegen das Schultergelenk, dass es unter dem Pullover knackt,
ziehe in ganz dicht an mein Gesicht und lasse ihn in meine Augen starren, die nun eine dramatische Wandlung in stechende, kleine Punkte durchmachen. „Und wollen sie denn gar nicht wissen, WARUM ich dies meine oberste Pflegestufe nenne, sapperlot?“ zischt es durch meine nur noch aus einem Spalt bestehenden Lippen und bevor der Kerl sein heiseres „Ja..aber..“ zu Ende gehaucht hat, bricht es aus mir heraus, laut wie ein Donnerschlag, dass die Bilder an der Wand sich von selber schief stellen „Ich nenne diese Stufe so, weil ich von hier aus jeden Lulatsch, der es wagt mein Haus mit irgendeinem Kokolores zu betreten, hinunter zu stoßen pflege, sapperlot!“.

Und kaum dass das Wort geendet ist, gebe ich dem Hallodri einen Stoß vor die Brust, dass er die erste Hälfte der Treppe im freien Fall überwindet, bevor er in der Mitte hart aufsetzt und sodann unter den tollsten Kapriolen und Überschlägen den Weg bis ganz nach unten zurücklegt. Dort liegt er erst einmal wie ein Käfer der alle Beinchen von sich gestreckt hat, wobei eines der Beinchen so abgewinkelt ist, dass ich nicht umhin komme, den Herrn ob seiner anatomischen Geschicklichkeit zu loben. Freundlichst lüfte ich sodann die Kappe und rufe hinunter, dass ich mich nun zu einem kurzen Mittagsschlaf zurückzuziehen gedenke und man kenne ja den Ausgang selbst nicht wahr?
Indes, sollte noch weiterer Gesprächsbedarf bestehen, so soll der gute Mann einfach liegen bleiben, damit wir NACH meinem Mittagsschlaf noch über die so genannte PFLEGEZUSATZVERSICHERUNG schwadronieren können, sapperlot.

Danach drehe ich mich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren auf dem Absatz um und begebe mich in mein Schlafzimmer,  um zu notieren, solange die Erinnerung noch frisch ist: „Daran denken: nach Schlummer schauen, ob Lulatsch noch vor der Treppe liegt! Wenn ja, wie versichert nochmals nach oben tragen und zusätzlich Pflege angedeihen lassen!“
Leider muss ich mir immer häufiger derlei Dinge aufschreiben, das Gedächtnis lässt immer weiter nach und es ist eine Schande wie der Staat verdiente, redliche Senioren wie mich gänzlich ohne Hilfe alleine wohnen lässt, dem Schicksal ganz überlassen. Irgendwann einmal werde ich vielleicht die Treppe hinunterfallen, ich mag mir gar nicht ausmalen, wie so etwas aussehen könnte, sapperlot!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Aktuelles, Der Seesack, Gesundheit

Skandal im Enddarmzentrum

Werte Damen und Herren,
geschätzte Mitpatienten,

Sie sehen mich fassungslos. Da versucht man doch, alles möglichst richtig zu machen und sich wie ein vorbildlicher Patient zu betragen, schon der eigenen Gesundung zu liebe. Doch wird es einem gedankt? Selbstverständlich nicht einmal im Ansatz!

Da wird man also dazu verdonnert, eine solche „Probe“ einer ausgesprochen unerfreulichen Substanz abzugeben, natürlich unbedingt vom Tage, sozusagen frisch gepresst. Weiterhin soll diese bis spätestens Punkt elf abgeliefert werden. Da wird der Metabolismus einem prekären Termindruck unterzogen, dem er sich leider nur höchst widerwillig unterwirft.

Es stellt sich also fast zwingend die Frage: was tun, um nicht im entscheidenden Moment zu versagen? Sicherlich ist eine gezielte Selbstmedikation unabdingbar – serbische Bohnensuppe erschien mir hier nachgerade als DAS Mittel der Wahl – allerdings muss diese doch AUSGESPROCHEN präzise erfolgen, will man vermeiden, dass alle minutiöse Vorbereitung als paukender Walkürenritt schon vor dem eigentlichen „Festspieltermin“ in der erbärmlichen Akustik des heimischen Privés verpufft. Dem passionierten Wagnerianer wird die schiere Unwürdigkeit eines solchen Vorganges schon rein intuitiv einleuchten.

stuhlprobe

Doch damit der schier erdrückenden Erwartungshaltung noch immer nicht genug: auch die zu produzierende Menge ist einer strickten Reglementierung unterzogen. So soll diese ganz EXAKT ein winziges Löffelchen befüllen, dessen Fassungsvermögen in etwa einem halben Teelöffel entspricht. Gerade den hochbetagten Herrschaften unter der Leserschaft wird nur allzu schmerzlich bewusst sein, dass weitaus größere Mengen bisweilen schon ein jähes Aufhusten als unerwünschte Dreingabe auf ekelhafte Weise sekundieren. Und getroffen will ein solcher Löffel im Übrigen auch erst einmal sein, zumal selbst dergestaltige Zielübungen sich nicht einmal im Repertoire von einschlägigen Studentenverbindungen finden lassen. Somit ist selbst ein gestandener Akademiker heillos überfordert.

All diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich am letzten Donnerstag begann, die Vorbereitungen für eine termingerechte Abgabe am nächsten Tag zu treffen. Von der erwähnten Bohnensuppe standen fünf Dosen bereit. Ab sieben Uhr abends verzehrte ich halbstündlich eine halbe davon, dazu jeweils ein schönes Glas Sauerkrautsaft. Hernach jeweils eine halbe Tafel „Herrenschokolade“ zur Vermeidung einer frühzeitigen Evakuierung. Mir also mangelnde Planung vorzuwerfen erschiene mir somit als blanker Hohn. Aber ist es angesichts solch immenser Erwartungen nicht nur allzu menschlich, dass sich eine makellose Perfektion schlicht nicht erreichen lässt?

Jedenfalls wollte sich der sehnlichst erwartete Erfolg in den frühen Morgenstunden nicht einstellen, und mit jeder weiteren Stunde wuchs der Erfolgsdruck, bis er sich schließlich ins schier unerträgliche steigerte (vom inneren Druck ganz zu schweigen). So kam es, dass ich mich um viertel vor Elf bislang unverrichteter Dinge, aber durchaus noch guter Hoffnung in der Praxis einfand und bereits das Probenwägelchen des Laborhelfers am Empfangstresen vorfand. Bei diesen Anblick indes begannen meine Gedanken zu rasen: könnte ich mir ein Versagen im alles entscheidenden Moment jemals verzeihen? Was nur würde der Kaiser dazu sagen?

Der Gedanke daran, unseren geliebten Souverän derart bitterlich zu enttäuschen schien indes ungeahnte Kräfte, ja, nachgerade alles in mir freizusetzen. Plötzlich zählte jede Sekunde, für Floskeln und Erklärungen blieb keine Zeit. Hunderte Male hatte ich den nun folgenden Ablauf in der vergangenen Nacht im Kopfe durchexerziert. Und was soll ich sagen: alles klappte geradezu perfekt, von der vollendet eingesprungenen Halbhocke bis hin zur gleichzeitigen Ausrichtung des Löffelchens in der von mir im Vorfeld errechneten, idealen Entfernung. Ich konnte den Löffel auch wunderbar treffen. Nun, ich traf ihn unter anderem.

Am Ende der ganzen Chose steht nun also ein Lokalverbot im Enddarmzentrum. Immerhin: der Befund ist unbedenklich, Potztausend!

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