Monatsarchiv: MΓ€rz 2017

Erprobter Aphorismus fΓΌr eine Festrede auf der goldenen Hochzeit eines geschΓ€tzten Freundes

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β€œSind nicht alle langjΓ€hrig Verheirateten ein bisschen wie Tropfsteine? Gemeinsam hΓ€ngt man, zu fahler, wulstig-schwieliger Statur erstarrt, in dumpfem Domizil nebeneinander. LΓ€ngst vergessen jene kurzlebige Jugendglut, als wallende Chemie beide einst Seit’ an Seit’ aus teigigem Kalkstein presste – doch weniger schicksalhafte Bestimmung denn diffuse Naturlaune. Und so tropft man in passiv-aggressiver Übereinkunft Dekaden und Γ„onen nebeneinanderher – mehr als genug Zeit immerhin, um das immergleiche Geblubber des anderen irgendwann ertragen zu lernen. Daher erhebe ich mein Glas auf Erna und Manfred!”

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Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Erbauliches

Die Sonntags-Sophisten. Heute: Das Raum-Zeitumstellungs-Problem

Station 58 E. Herr K. und Herr S. auf dem Gang.

Herr E.: Wie spΓ€t ist es bei Ihnen?

Herr S.: Bei mir ist es Viertel nach fΓΌnf.

Herr E.: Schwachsinn. Es ist Viertel nach sechs.

Herr S.: Viertel nach sechs kann es doch gar nicht sein. Dann wΓ€re jetzt Fernsehstunde.

Herr E.: Woher wollen wir wissen, daß gerade keine Fernsehstunde ist? Schließlich sitzen wir hier auf dem Gang. Von hier aus ist der Fernseher nicht zu hâren, sofern die Tür des Fernsehzimmers geschlossen ist.

Herr S: Dann sollten wir das umgehend ΓΌberprΓΌfen.

Herr S. (nachdem er die TΓΌr zum Fernsehzimmer geΓΆffnet hat laut ΓΌber den Gang rufend): Da ist niemand im Fernsehzimmer und der Fernseher ist aus. Also MUSS es ja Viertel nach fΓΌnf sein.

Herr E.: (noch lauter zurΓΌckrufend): Das ist doch gar nicht gesagt. Vielleicht ist ja gerade Fernsehstunde, aber niemand will fernsehen.

Herr S.: Das wÀre allenfalls wÀhrend der Rauchzeiten denkbar. Die sind aber alle zwei Stunden jeweils um halb. Es ist aber erwiesenermaßen weder halb fünf noch halb sechs. Zu der Uhr vor dem Raum der Stille gehe ich jetzt jedenfalls nicht auch noch. Ich habe Schmerzen in den Beinen.

(Es lΓ€utet das im Gang angebrachte Patiententelefon)

Patiententelefon: Ring Ring.

Herr E.: Hallo? Ja, Erwin, gut, daß Du gerade jetzt anrufst! Wie spÀt ist es denn bei Euch?

(UnverstΓ€ndliches Gemurmel aus dem Patiententelefon)

Herr E. (sichtlich erregt): Warum sollte ich das nicht wissen wollen? Glaubst Du vielleicht, die Uhrzeit sei fΓΌr mich egal? (zu Herrn S.): Bei denen ist es auch Viertel nach sechs.

Herr S.: Freilich stellt sich tatsÀchlich die Frage, warum Sie das so genau wissen müssen. Schließlich wÀren die einzigen Termine, die in Ihrer aktuellen Situation Pünktlichkeit erfordern die Fernsehstunde und die Rauchzeiten. Sie sind aber Nichtraucher und betreten den Fernsehraum für gewâhnlich nur, um das Programm umzuschalten und dann mit der Fernbedienung wieder den Raum zu verlassen.

Herr E.: Sie vergessen die Medikamentenausgabe.

Herr S.: Die erfordert ja wiederum keine Pünktlichkeit. Schließlich würde man, wenn Sie den Termin der Ausgabe verpassten, fraglos nach Ihnen suchen.

Schwester (tritt aus dem Personal-Aufenthaltsraum auf den Gang): Herr E., Herr S., vergessen Sie nicht, daß es gleich Medikamente gibt, gell?

Herr E.: Ha, da haben Sie es!

Herr S.: Was denn?

Herr E.: Na, jetzt haben wir endlich einen Anhaltspunkt!

Herr S.: Dazu mΓΌssten wir erst einmal wissen, wann es das letzte Mal Medikamente gegeben hat. Haben Sie eine Ahnung?

Herr E.: GefΓΌhlt ist das ist schon ewig her.

Herr S. (nachdem er seine Pillen-Ration mit etwas Wasser heruntergespΓΌlt hat): Die Erfahrung der Zeitlosigkeit schafft Klarheit und Gelassenheit.

Herr E.: Schweser, komme ich bald raus?

Schwester: Nein.

Kategorien: Aktuelles, Die Sonntags-Sophisten

Sog. „Fake News“ und ihre angemessene Kennzeichnung

Seit nunmehr einer geschlagenen Dreiviertelstunde lehnt, mithilfe meines Feldstechers deutlich erkennbar, die schwatzhafte Furtmayer ΓΌber ihren JΓ€gerzaun und verbreitet, wie man ja neuerdings sagt, sogenannte „Fake News“. Besonders tragisch: von den die Alte umringenden Weibsbildern ist wahrlich keines nur ansatzweise dazu imstande, Quelle und Autor in angemessener Weise kritisch zu ΓΌberprΓΌfen. Welches Ungewitter erst heraufzieht, wenn man solches Geschmeiß den neuen Medien (beispielsweise dem VolksempfΓ€nger) aussetzt, ist ohnehin hinreichend bekannt.Β 

Dabei ist es eine hinlÀnglich bekannte Tatsache, daß diese Furtmayer nicht einmal ihren Müll vernünftig trennt, was ich jederzeit mit einem inzwischen sechs Jahre zurückreichenden Archiv von periodisch entnommenen und minutiâs datierten Stichproben zweifelsfrei Belegen kann. Es wird endlich Zeit, staatsbürgerliche Verantwortung zu übernehmen. Ich habe dazu bereits eine anonyme Postwurfsendung vorbereitet, die ich heute Nacht im ganzen Viertel verteilen werde. Merke: Falschmeldungen lassen sich nur dadurch bekÀmpfen, daß man ihren Verursacher mâglichst umfassend unmâglich macht. Solche Personen gehen mir gegen jede Grundordnung.

Kategorien: Aktuelles, Diabolisches

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