Monatsarchiv: Juni 2019

Wilder (deutscher) Westen

Die Authentizitรคt der Werke Karl Mais gilt heutzutage bekanntlich weithin als widerlegt. Dabei verlacht man insbesondere die Tatsache, daรŸ seine Version des Wilden Westens letztlich aus ein paar Indianern und ansonsten fast ausschlieรŸlich aus deutschen Akademikern besteht. Dabei kann ich Ihnen aus schmerzlicher Erfahrung sagen: Gerade diesbezรผglich hat der gute Herr Mai sogar eher noch untertrieben. Ich sage Ihnen eins: Um die Jahrhundertwende waren die amerikanischen Grenzlรคnder in puncto Germanensichtungen teils schlimmer als heutzutage die Balearen! Man machte sich auf den beschwerlichen Weg รผber den Atlantik, reiste westwรคrts, befreundete sich mรผhevoll mit den Indianern, bis sie einen schlieรŸlich sogar „weiรŸer Bruder“ nannten โ€” und letztlich entpuppte sich der Hรคuptling doch wieder nur als Exil-Altphilologe aus dem Breisgau.

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Der Anfang vom Ende

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Forscherleiden

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Meilensteine meiner Familiengeschichte, Teil VI

Naher Osten, 2578 v. Christus.

Im Reigen der biblischen Urvรคter kommt insbesondere dem wackeren Baumeister Noah noch immer eine Sonderrolle zu. Durchaus zu Recht: Die Konstruktion eines seetรผchtigen Sรคugetierfrachters darf auch heutzutage noch als historische GroรŸleistung gelten – die nur umso imposanter erscheint, wenn man bedenkt, daรŸ die deutsche Ingenieurskunst – wie รผberhaupt der Deutsche – damals noch lรคngst nicht erfunden war.

Viel weniger Wรผrdigung erfรคhrt Schagah (ืœื˜ืขื•ืช) aus Friedebeth, der heutzutage wohl nur noch den Kennern obskurer Apokryphen ein Begriff ist. Aber auch jenen eingeweihten Theologen gilt er meist bestenfalls als glรผckloser Wirrkopf, dem man meist immerhin eine mit der seines berรผhmten Anverwandten vergleichbare Schaffenskraft zuzubilligen bereit ist. Zu Recht?

Doch der Reihe nach. Eines Tages wendet der Gott JHWH sich an Schagah. Er sei, so bekundet er freimรผtig, mit seiner bisherigen Schรถpfung latent unzufrieden und trage sich daher mit dem Gedanken, alles bisherige hinwegzuraffen und nochmals von vorne zu beginnen. Allerdings sei er, Schagah, ihm schon immer sympathisch gewesen, wie er da jeden Tag opfere, bete und zeuge. Er trage sich daher mit dem Gedanken, ihn zu verschonen und ihn รผberdies mit der Rettung der wenigen rettenswerten Kreaturen zu betrauen, je zwei Exemplare jeder Art, versteht sich. Bibelkundigen Zeitgenossen wird an dieser Stelle nicht entgehen, daรŸ die Vernichtungsplรคne JHWHs (wie auch sein Eigenname) dereinst noch lange nicht so ausgereift waren.

Schagah, dereinst ein relativer Jungspund von vielleicht 570 Jahren, macht sich sogleich mit willfรคhrigem Eifer ans Werk. Und als gelernter Fischer erscheint es ihm am naheliegendsten, gleich mit der Rettung der Meereskreaturen zu beginnen – beileibe kein triviales Unterfangen. So muss zunรคchst ein mindestens ein 300 Ellen langes, 100 Ellen hohes und 500 Ellen breites Wasserbassin konstruiert werden, das nach Schagahs grober Schรคtzung ausreichend Platz fรผr alle Meeresbewohner anbieten soll – der Import einer ausreichenden Menge รคgyptischen Glases kostet den emsigen Urvater ein Vermรถgen.

Auch der Lebendfang der Meeresbewohner erweist sich als verzwickter als gedacht: Zu Schagahs Missvergnรผgen besteht gerade die Tiefseefauna damals in der groรŸen Hauptsache aus, nun, biblischen Monstren, deren Ausfindigmachung und Festsetzung sich als logistische Mammutaufgabe erweist und zahlreiche Hilfskrรคfte das Leben kostet.

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Schagahs Archen-Aquarium vor der Katastrophe, Darstellung aus dem 15. Jahrhundert aus der „Chronica Friedora“

Konsequenterweise ist Schagahs Werk erst 250 Jahre spรคter vollbracht und im Archen-Aquarium herrscht geschรคftiges Treiben – allerdings nicht fรผr lang. Denn alsbald beginnen die zahllosen Ungeheuer, allesamt Glieder einer komplizierten Nahrungskette, sich gegenseitig zu verspeisen, bis nur noch der mรคchtige Leviathan รผbrig bleibt, welcher, von der schieren Menge der verspeisten Mit-Monstren auf mindestens das Anderthalbfache seiner ohnehin schon imposanten KรถrpermaรŸe aufgeblรคht, prompt das Bassin zum Bersten bringt. Von da an รผberschlagen sich die Ereignisse.

Die dem Aquarium entweichenden Wassermassen ergieรŸen sich รผber Stadt und Land und fegen Mensch, Tier und Gewรผrm hinweg. Nur einer bleibt bekanntlich verschont: Nรคmlich Noah, der, vom Anblick von Schagahs Bassin tief beeindruckt, das touristische Potential der neuen Sehenswรผrdigkeit erkennt und im Zeitraum von nur 100 Jahren ein zur Bassinbeschiffung gedachtes Kreuzfahrtschiff konstruiert, โ€œohne sich zu waschen und die Kleidung zu wechselnโ€ (ApkPaul 50). Gemeinsam mit den zu Proviantierungszwecken mit an Bord genommenen Nutztieren entgeht er den alles verheerenden Wassermassen und darf sich fortan als โ€œHeld der Sintflutโ€, quasi eine Art Gerhard Schrรถder der Frรผhzeit, hochleben lassen.

Schagah hingegen wรคre wohl an seinem spektakulรคren Scheitern zugrunde gegangen, hรคtte ihm ein gnรคdiges Schicksal nicht diese Schmach erspart: Er wird vom adipรถsen Leviathan zerquetscht. JHWH indes betrachtet das entstandene Chaos, sieht, daรŸ es gut ist und beschlieรŸt, mit der endgรผltigen Vernichtung allen Lebens wenigstens noch bis zur Entdeckung der Kernspaltung abzuwarten. So ward die Welt wieder einmal gerettet – wenigstens vorerst.

Kategorien: Aktuelles, Familienchronik

Freibadsaison

Der Lรผstling mag die Fleischeslust,
Er starrt auf schรถne Beine.
Dem Schlemmer schmeckt die Wachtelbrust,
Und auch tranchierte Schweine.

Der ร„sthet liebt Proportion,
Und blassen Alabaster.
Der Kneippist schรคtzt die Funktion,
Von heilsam-klarem Wasser.

Der Freibadgast liebt, was er so mag,
Nur: dort wird er’s nicht finden,
Kaum tritt er ein zum Planschetag,
Wird alle Schรถnheit schwinden.

Das Fleisch hรคngt eher auรŸerplan,
Es trieft das Frittenfett,
Und auch der Badegรคste-Teint,
Gemahnt an faules Mett.

Warum nur geh’n wir trotzdem hin?
Steht das gar wo geschrieben?
Besteigen Becken voll Urin…?
Ja โ€” weil wir’s halt einfach lieben!

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Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Gesundheit, Zum Wetter

Heute in der Reihe: „Denkwรผrdige Katastrophen der Sprachwissenschaft“:

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Eine linguistische Forschergruppe entdeckt die erste Nutzwerbewertung des „Google Play Store“ (2019, Kรผnstler unbekannt).

Kategorien: Aktuelles, Historische Exkurse

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