Monatsarchiv: Juli 2016

Die rechte Zeit

K. u. k modert nahezu fรผhrungslos, der Brite ist mehr als eine ร„rmelkanallรคnge entfernt, der Russe weiterhin suspekt und mit dem osmanischen Despoten betreibt man ein fรผr beide Seiten fruchtbares Zweckbรผndnis. Zudem sprieรŸt der Terrorismus. Kurzum: ganz Europa gleicht einem Pulverfass. Wenn der Kaiser alsbald zurรผckkommt, wird er sich sogleich bestens zurechtfinden.

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Kategorien: Aktuelles, Der liebe Kaiser, Historische Exkurse

Ich werde nicht gelber Kaiser!

Der Kaiser von Japan ist ja bekanntermaรŸen Amtsmรผde, weswegen der werte Herr Schnabel mir, vรถllig folgerichtigerweise, die Amtsnachfolge antrug.

ein durchaus vortrefflicher Gedanke. Ich mรผsste wohl lรผgen, wรผrde ich mir anmaรŸen zu behaupten, dass ein solches Kaiser-Amt nicht stets einen gewissen Reiz ausรผbt. Zumal der Souverรคn in Japan ja bekanntermaรŸen als gottgleich gilt, was sich stets recht gรผnstig auf den sozialen Status und die Bonitรคt bei Aufnahme eines Kredits auszuwirken pflegt. Ich weiรŸ schlieรŸlich wovon ich spreche, werde ich doch im fernen Amazonas-Gebiete bei den Blรคhi-Indios seit Jahr und Tag als Gottheit verehrt (man nennt mich „Der wie zehn Monsune donnert“).

Kurzum: das Amt wรผrde sich auf den ersten Blick ganz vortrefflich in meinem Portfolio machen, zumal ich dem einzig wahren Kaiser und dem richtigen Allmรคchtigen mit dieser schรถnen ร„mteranhรคufung kaum ins Gehege kรคme – schlieรŸlich „zรคhlen“ heidnische ร„mter allenfalls als Annehmlichkeiten ohne echten sakrosankten Mehrwert.

Dem sei nun wie ihm wolle: Bei nรคherer Betrachtung ist es mir – allen Annehmlichkeiten zum Trotze – doch ganz unmรถglich, den besagten Posten anzutreten. Ich habe mich einmal probehalber in der landestypischen Tracht gewandet und ich muss schon sagen: selbst fรผr die Verhรคltnisse einer asiatischen Gottheit biete ich einen selten albernen Anblick, Potztausend!

Kategorien: Aktuelles, Der liebe Kaiser, Diabolisches

Eine รคuรŸerst ungustiรถse, mรผndliche Wurst

Werte Damen und Herren,

Wer mich kennt, der wird nur allzu genau wissen, dass mir nichts ferner lรคge, als die zivilisatorische GroรŸleistung des deutschen Menschen im Laufe der Weltgeschichte zu bestreiten. Welche Nation kann schlieรŸlich von sich behaupten, der Welt gleichsam mit groรŸen Kรถpfen wie Goethe und Helmut Kohl, sowie kulturellen Segnungen wie dem Vadalensturm oder dem Sparkassenwesen bedacht zu haben?

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Bisweilen jedoch beschleichen mich in stillen Momenten leise Zweifel an der subtil ausgebildeten Kulturfertigkeit meiner Landsleute. So ist es doch – gelinde gesprochen – einigermaรŸen befremdlich, dass eine Suchanfrage nach einer alten, meztgereiproduktbezogenen Volksweisheit zu gleichen Teilen kulinarische Ratgeberseiten und Verweise auf einen weithin bekannten Hersteller einschlรคgiger Chemie-Klosette ausspeit.

Woher, so muss man sich in diesem Zusammenhange doch fragen, rรผhrt die oftmals festzustellende, semantische ร„hnlichkeit (oder Gleichheit) von wohlschmeckenden Speisen und ScheuรŸlichkeiten aus dem Reich der Fรคkalien?

Kehren wir zurรผck zum Ausgangsbeispiel: auch dem Franzosen ist bekanntermaรŸen das Konzept der Wurst keineswegs unbekannt. Gleichwohl wird man ihn wohl niemals von einer„saucisse de merde“ sprechen hรถren – optische ร„hnlichkeit hin, optische ร„hnlichkeit her. Ganz im Gegenteil: der Franzose hรคlt diese beiden Sphรคren appetitlicherweise hรผbsch getrennt – kurzum: er defรคkiert nicht, wo er iรŸt. Ein Konzept, das wiederum zum deutschen Landsmann – wenigstens was die praktische Ausfรผhrung anbelangt – auch bereits durchgedrungen ist.

Fraglos: dass sich dergleichen auch in rein theoretischer, sozusagen mรผndlicher Form nicht geziemt, ist schon die hรถhere Schule. Gleichwohl wird es uns ausgesprochen gut tun, diesen nรคchsten zivilisatorischen Schritt alsbald zu wagen.

Also halten Sie sich gefรคlligst von nun an daran. Zuwiderhandlungen werden mit Kaviarlรถffel-Zรผchtigung nicht unter hundert Schlagen geahndet.

Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Kulinarisches

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