Monatsarchiv: September 2015

Gegendarstellung

Werte Damen und Herren,

Zitat:Schweich – Einen 94 Jahre alten Autofahrer ohne Führerschein hat die Polizei auf der Autobahn A1 in Rheinland-Pfalz gestoppt. Der Mann war laut Polizei bereits mehrfach ohne «Lappen» unterwegs. Gegen ihn laufen schon drei Verfahren. Auf der Strecke zwischen Prüm und dem Autobahndreieck Moseltal wurde dem Rentner nun zum Verhängnis, dass er zu nah an einen vorausfahrenden Wagen heranfuhr. Dessen Fahrerin verständigte die Polizei. Als Grund für das dichte Auffahren gab der Mann an, der Wagen der Frau sei aus dem gleichen Zulassungsbezirk wie sein eigener. So finde er schneller nach Hause.
Quelle

Ich stelle hierzu fest:

Ich bin nicht 94, sondern vielmehr 110 Jahre alt. Außerdem war ich keineswegs schon „mehrfach“ ohne diesen sogenannten „Führerschein“ unterwegs, sondern habe noch nie einen solchen besessen, da ich die bereits für meinen Herrn Vater von seiner Exzellenz, dem Reichskanzler von Bismarck ausgestellte Sondergenehmigung „zur Führung einer Kraftdroschke mit bis zu zwei Pferdestärken“ als rechtmäßiger Erbe übernommen habe.

Fürderhin möchte ich festhalten, dass ich keineswegs mit der Absicht „schneller nach Hause zu finden“ auf den vorausfahrenden Wagen auffuhr, da ich erstens aufgrund einer altersbedingten Sehschwäche das Kennzeichen selbst aus dieser Nähe nicht entziffern könnte, und ich zweitens das besagte Fahrzeug gar nicht erst bemerkte.
Ich betrachte die Angelegenheit hiermit als erledigt und sehe mich keineswegs veranlasst, am morgigen Tag meine Suche nach der Straße heimwärts aufzugeben.

Schweich, den 27.09.2015

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Kategorien: Aktuelles

Leserbefragung Teil II

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Kategorien: Aktuelles

Beeindruckende Erfolgsmeldungen vom Fratzenbuch

Wir verzeichnen ganze 19 Neuknorkungen in dieser Woche und kommen somit auf die nachgerade beeindruckende Gesamtzahl von 165 Menschen, denen unsere Seite gefällt.

Eine durchaus grenzwertige Zahl, bedenkt man, dass der Heiland selbst sich mit nur 12 Aposteln begnügte. Wäre unsere Grundbotschaft also nicht von derart strahlender Redlichkeit – wir würden uns fast in die obskuren Gefilde der Blasphemie begeben.

Sei es wie es will – ein solcher Zuwachs will selbstverständlich zur Kenntnis genommen werden. Daher haben wir einmal unsere Unterstützer gefragt: warum lesen Sie Redlichkeit Anschnur?

Hier nun das erste Ergebnis. Hurra!

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Kategorien: Aktuelles

Phobisches Mittagessen (lecker)

Werte redliche Brettbesucher,

pünktlich zur Mittagszeit, betrete ich voller Elan die Düsseldorfer Parkklause und suche mir sogleich einen strategisch gelegenen Tisch an der Tür zum Hinterzimmer – ist mir doch bekannt, das hinter der geschlossenen Türe heute wieder das monatliche Treffen der „Anonymen Phobiker“ abgehalten wird, sapperlot!

Kaum hat Herr Luigi, der Pächter der redlichen Parkklause, den versammelten Phobikern das Mittagessen hereingebracht, begebe ich mich auf alle Viere und beginne zaghaft an der Tür zu kratzen, wobei ich das das herzerfrischende Maunzen einer jungen Katze imitiere.

Ich muss indes recht überzeugend sein, kann ich doch durch die Türe Wortfetzen erhaschen, die in freudig-belustigtem Tonfall das „niedliche Kätzchen“ zum Thema haben. Als endlich ein Stuhl gerückt wird und einer der Herrschaften sich der Türe nähert, wird es Zeit die so genannte „Metamorphosierende Phase“ einzuleiten.

Das niedliche Maunzen wird jäh abgelöst von einem unheilvollen Gurgeln und Würgen, der Tonfall wird tiefer, lauter und bedrohlicher, bis es sich schlussendlich anhört, als wäre der Leibhaftige persönlich in das Katzentier gefahren. Zudem kratze ich nunmehr nicht mehr an der Unterseite der Tür, sondern unmittelbar neben der Türklinke, was nur durch ein beachtliches Wachstum innerhalb von Sekunden zu erklären wäre, sapperlot.

Als Höhepunkt der Schelmerei, lasse ich nun zudem meine Stimme erklingen,
indes als eine Mischung aus Katzenlauten, menschlicher Stimme und gurgelndem Knurren.

„Grrrlllleich…“ gurgelt es aus mir heraus, während ich hart auf die Türklinke schlage, „..komme ich.. herrrein!!!“

Potzdonner und Paukenschlag, im Hinterzimmer kommt Bewegung in die Sache und ich höre deutlich das Umstürzen von Stühlen, wilde Schritte sowie berstende Blumentöpfe, die wohl beim Sturm auf die Fensterbank zu Boden geworfen werden. Die Herren Phobiker setzen offenbar kollektiv zur Flucht aus dem Fenster an, harhar.

Einen Moment noch herrscht Tumult, dann jedoch ist es vorbei und ich öffne vorsichtig die Türe. Im Hinterzimmer erwarten mich eine reichhaltige Auswahl an frischen Speisen und Getränken, wobei ich mich für ein Wiener Schnitzel mit Frittierstangen, sowie ein frisch gezapftes Bier vom Fass entscheide. Das Wissen darum, dass mich dieser Schmaus keinen Heller kosten wird, lässt das Mahl gleich doppelt vergnüglich werden, sapperlot.

Beim Hinausgehen vergessen ich es natürlich nicht, den Herrn Luigi auf die neuerliche Flucht der Anonymen Phobiker und deren kollektiven Zechprellerei hinzuweisen, was unbedingt durch eine Anzeige zu ahnden wäre, „…WENN es nicht unser Christliches Gewissen einfordern würde, diesen armen, verstörten Menschen noch eine allerletzte Chance einzuräumen!“

Ich möchte ja schließlich auch im kommenden Monat noch lecker essen gehen, sapperlot!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Der Seesack, Erbauliches, Kulinarisches

Bieten auch Sie Flüchtlingen ein Zuhause, Potzblitz!

Hochgeehrte Damen und Herren!

Europäische Politiker tappen bis zum heut’gen Tage im Dunkeln, wie die gegenwärtige Flüchtlingskrise zu bewältigen ist, wobei die Lösung doch so unglaublich simpel zu sein scheint: redliche Privatpersonen nehmen den Rat des unsrigen Pontifex endlich zu Herzen & schaffen Wohnraum für die Asylbewerber, Sackerlot! Nicht nur Kirchengemeinden sind in die Pflicht genommen, nein, ein jeder ist es! Lassen Sie mich nun aber vermuten, geschätzter Leser, dass Ihnen gänzlich unbekannt, wie dies zu verwirklichen ist, gell? Nun denn, so scheint es in höchstem Masse obligat, den meinigen Text mit Interesse weiterzulesen.

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Als redlicher Christenmensch war es mir selbstverständlich eine grosse Freude, dem papalen Wunsche unverzüglich nachzukommen & meinen Keller den einst Heimatlosen zur Verfügung zu stellen, sie gar unter meinem Hause arbeiten zu lassen, Potzferikel! Nicht eine, sondern ganze vierundsechzig Flüchtlingsfamilien fanden Platz! Die Kinderchen schrauben in meinem knorken, schalldichten Keller unter der Aufsicht mehrerer befreundeter Senioren töfte Klugschnurlostelephone Marke „Apfel“ für den Einzelhandel zusammen, die Weiber verrichten unter meiner Beobachtung die häuslichen Dienste und die Männer fanden allesamt bei „Dr. Drechslers Indische Taxen“ eine Arbeitsstelle als Fahrer. Wie schön, dass die syrischen Herrschaften den restlichen Mitarbeitern aus Indien sehr ähnlich sehen – so haben Ressentiments in diesem Dr. Drechsler’schen Unternehmen nicht den Hauch einer Chance, Sackerdei. Sie bemerken, wertester Leser, dass mit etwas Anstrengung sowie christlichem Geschäftssinn ein jedes Hindernis zur Zufriedenheit aller Protagonisten überwunden werden kann, nehmen Sie sich getrost ein Beispiel an mir. Ky­rie elei­son!

Von Nächstenliebe erfüllt,

Dr. Waldemar Drechsler

Kategorien: Aktuelles | Schlagwörter: , , ,

„Einen Finger zu rühren“ – schwerer als gedacht!

Will man es für möglich halten: soeben hat meine Zugehfrau ihr schon Jahrzehnte währendes und in meinen Augen auch äußerst fruchtbares Arbeitsverhältnis kurzerhand aufgekündigt, ja, sie hat es mir gar förmlich vor die Füße geworfen. Sie wolle und könne, so sagte sie, nicht länger für einen Menschen tätig sein, der seinen Lebtag nie erlernt habe, selbst „auch nur einen Finger zu rühren“. Unerhört, ich muss schon sagen. Da behandelt man sein Gesinde stets zuvorkommend, verzichtet sogar meist auf die Knute und zeigt ihm sogar unverzüglich an, in welche Richtung man die Knochen der Hühnerkeulen hinter sich geworfen hat, um ihm unnötige Sucharbeit zu ersparen – und dies ist nun der Dank!

Freilich kam ich gleichwohl nicht umhin, ob der vehement und in aller Schärfe vorgetragenen Kritik auch ein wenig nachdenklich zu werden.  Erreicht man mein hohes Alter, so stellt man sich doch des Öfteren die Frage, ob man nicht doch etwas verpasst hat im Leben. Ich habe also einmal probehalber einen Finger gerührt. Beziehungsweise habe ich viel eher, um mich nicht sogleich zu übernehmen, erst einmal einen solchen gekrümmt. Was soll ich sagen: es war grausig. Nicht nur stand auch nach zweimaligem Krümmen noch immer kein Mittagsmahl auf dem Tisch; viel gravierender: ich verspüre auch noch nach zwei Tagen einen empfindlichen, ziependen Schmerz im Finger. „Knaurs großes Gesundheitsbuch“ suggeriert, dass es sich dabei um einen sogenannten „Muskelkater“ handeln könnte. Feurio, wie unschicklich für einen Herrn von Stande! Würden meine Mit-Rotarier davon erfahren – ich wäre gesellschaftlich sozusagen erledigt.

Gleichwohl bleibt noch immer mein zumindest temporäres Versorgungsproblem. Daher meine dringende Nachfrage an die Gemeinen unter Ihnen: ist Ihnen möglicherweise eine Bildungseinrichtung bekannt, die Anfängerkurse in diesem ominösen „Fingerrühren“ anbietet? Vielleicht diese sogenannte „Pöbel-Hochschule“? Schließlich muss man sich auch als Senior eine gewisse Neugier bewahren.

Und bevor ich es vergesse: selbstverständlich suche ich auch ab sofort eine erfahrene Zugehfrau. Fingerfertigkeit ausdrücklich erwünscht, Potztausend!

Will man es für möglich halten: soeben hat meine Zugehfrau ihr schon Jahrzehnte währendes und in meinen Augen auch äußerst fruchtbares Arbeitsverhältnis kurzerhand aufgekündigt, ja, sie hat es mir gar förmlich vor die Füße geworfen. Sie wolle und könne, so sagte sie, nicht länger für einen Menschen tätig sein, der seinen Lebtag nie erlernt habe, selbst „auch nur einen Finger zu rühren“. Unerhört, ich muss schon sagen. Da behandelt man sein Gesinde stets zuvorkommend, verzichtet sogar meist auf die Knute und zeigt ihm sogar unverzüglich an, in welche Richtung man die Knochen der Hühnerkeulen hinter sich geworfen hat, um ihm unnötige Sucharbeit zu ersparen – und dies ist nun der Dank!

Freilich kam ich gleichwohl nicht umhin, ob der vehement und in aller Schärfe vorgetragenen Kritik auch ein wenig nachdenklich zu werden.  Erreicht man mein hohes Alter, so stellt man sich doch des Öfteren die Frage, ob man nicht doch etwas verpasst hat im Leben. Ich habe also einmal probehalber einen Finger gerührt. Beziehungsweise habe ich viel eher, um mich nicht sogleich zu übernehmen, erst einmal einen solchen gekrümmt. Was soll ich sagen: es war grausig. Nicht nur stand auch nach zweimaligem Krümmen noch immer kein Mittagsmahl auf dem Tisch; viel gravierender: ich verspüre auch noch nach zwei Tagen einen empfindlichen, ziependen Schmerz im Finger. „Knaurs großes Gesundheitsbuch“ suggeriert, dass es sich dabei um einen sogenannten „Muskelkater“ handeln könnte. Feurio, wie unschicklich für einen Herrn von Stande! Würden meine Mit-Rotarier davon erfahren – ich wäre gesellschaftlich sozusagen erledigt.

Gleichwohl bleibt noch immer mein zumindest temporäres Versorgungsproblem. Daher meine dringende Nachfrage an die Gemeinen unter Ihnen: ist Ihnen möglicherweise eine Bildungseinrichtung bekannt, die Anfängerkurse in diesem ominösen „Fingerrühren“ anbietet? Vielleicht diese sogenannte „Pöbel-Hochschule“? Schließlich muss man sich auch als Senior eine gewisse Neugier bewahren.

Und bevor ich es vergesse: selbstverständlich suche ich auch ab sofort eine erfahrene Zugehfrau. Fingerfertigkeit ausdrücklich erwünscht, Potztausend!

Kategorien: Aktuelles

Mein schönstes Kriegserlebnis, Teil II

Werte redliche Heimseitenbesucher,

es war im Jahre 1916. Mein alter Freund, der Kapitän Harmsen, schickte sich an die Blockade in der Beeringstraße zu durchbrechen, um den Kaiserlichen Truppen in den Kolonien Nachschub an Zahnseide und Schuhpolitur zu bringen.

Heureka, Planung war das A und O, führte sein Weg doch geradewegs durch ein tükisches Minenfeld, welches der Feind vor der Küste angelegt hatte.

Drei Tage und drei Nächte brüteten wir über den Seekarten, beobachteten mittels Sekstanten den Sternenhimmel, führten die kompliziertesten Berechnungen durch, bis der Kurs der „Seemöve“ endlich stand. Heureka, wie schön! Wir waren die größten!

„Nur ein halbes Grad Abweichung..“ sagte Kapitän Harmsen „…und der Klabautermann bekommt uns mit Mann und Maus, da gibt es kein Vertun! In dem tückischen Minenfeld wird auf Navigationsfehler kein pardon gegeben!“

Doch sowohl dem Kapitän als auch der Mannschaft war klar, dass das Wagnis in Angriff genommen werden musste. Kaiserliche Truppen ohne Schuhpolitur – diese Vorstellung trieb auch den hart gesottensten Seemännern die Tränen der Ergriffenheit in die Augen, sapperlot. Zu Dutzenden meldete man sich freiwillig für diese Mission.

Parbleu, ich habe noch genau vor Augen, wie die „Seemöve“ aus dem Hafen fuhr, während die Kapelle „Muss I denn zum Städele hinaus“ spielte. Auf der Brücke stand Kapitän Harmsen, wie ein Fels erstarrt, die Hand zum militärischen Gruß an die Hutkante gelegt.

Auch wenn er ehrfurchtsvoll schwieg, so konnte ich es in seinen Augen lesen: „Ein halbes Grad nur und es ist aus, Potzdonner! Nun heißt es sklavisch auf den errechneten Kurs und den Himmel vertrauen!“

Heureka, auch wenn ich den exakten Kurs mitberechnet hatte, teilte ich die Ansicht, dass auch der Himmel ein Wörtchen mitzureden habe. Ich hatte daher in der Nacht zuvor, ohne das Wissen meines Kameraden, eine herrliche Marienstatue an Bord gebracht, ganz aus reinem Eisenerz und diese direkt neben dem Kompass versteckt.

Ich stand am Quai und salutierte redlichst zurück und änderte diese Stellung erst, als die „Seemöve“ am fernen Horizont verschwunden war. Das war das letzte, was ich von dem Schiff und meinem Freunde, dem Kapitän Harmsen gesehen habe.

„Sä la Gärr“, wie der Franzose sagt.

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Der Seesack, Redliche Kriegserlebnisse

Netzpatrouille wird intensiviert

Redlichkeit Anschnur vergibt wieder Heimseitenplaketten! Melden auch Sie noch heute Ihre Internetzpräsenz zur eingehenden Prüfung an und erfahren Sie somit, ob diese den universalen Ansprüchen von inhaltlicher Keuschheit und inhärenter Redlichkeit entspricht. Schundseiten werden selbstredend umgehend vom Netz genommen!

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Kategorien: Aktuelles

Skandal im Enddarmzentrum

Werte Damen und Herren,
geschätzte Mitpatienten,

Sie sehen mich fassungslos. Da versucht man doch, alles möglichst richtig zu machen und sich wie ein vorbildlicher Patient zu betragen, schon der eigenen Gesundung zu liebe. Doch wird es einem gedankt? Selbstverständlich nicht einmal im Ansatz!

Da wird man also dazu verdonnert, eine solche „Probe“ einer ausgesprochen unerfreulichen Substanz abzugeben, natürlich unbedingt vom Tage, sozusagen frisch gepresst. Weiterhin soll diese bis spätestens Punkt elf abgeliefert werden. Da wird der Metabolismus einem prekären Termindruck unterzogen, dem er sich leider nur höchst widerwillig unterwirft.

Es stellt sich also fast zwingend die Frage: was tun, um nicht im entscheidenden Moment zu versagen? Sicherlich ist eine gezielte Selbstmedikation unabdingbar – serbische Bohnensuppe erschien mir hier nachgerade als DAS Mittel der Wahl – allerdings muss diese doch AUSGESPROCHEN präzise erfolgen, will man vermeiden, dass alle minutiöse Vorbereitung als paukender Walkürenritt schon vor dem eigentlichen „Festspieltermin“ in der erbärmlichen Akustik des heimischen Privés verpufft. Dem passionierten Wagnerianer wird die schiere Unwürdigkeit eines solchen Vorganges schon rein intuitiv einleuchten.

stuhlprobe

Doch damit der schier erdrückenden Erwartungshaltung noch immer nicht genug: auch die zu produzierende Menge ist einer strickten Reglementierung unterzogen. So soll diese ganz EXAKT ein winziges Löffelchen befüllen, dessen Fassungsvermögen in etwa einem halben Teelöffel entspricht. Gerade den hochbetagten Herrschaften unter der Leserschaft wird nur allzu schmerzlich bewusst sein, dass weitaus größere Mengen bisweilen schon ein jähes Aufhusten als unerwünschte Dreingabe auf ekelhafte Weise sekundieren. Und getroffen will ein solcher Löffel im Übrigen auch erst einmal sein, zumal selbst dergestaltige Zielübungen sich nicht einmal im Repertoire von einschlägigen Studentenverbindungen finden lassen. Somit ist selbst ein gestandener Akademiker heillos überfordert.

All diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich am letzten Donnerstag begann, die Vorbereitungen für eine termingerechte Abgabe am nächsten Tag zu treffen. Von der erwähnten Bohnensuppe standen fünf Dosen bereit. Ab sieben Uhr abends verzehrte ich halbstündlich eine halbe davon, dazu jeweils ein schönes Glas Sauerkrautsaft. Hernach jeweils eine halbe Tafel „Herrenschokolade“ zur Vermeidung einer frühzeitigen Evakuierung. Mir also mangelnde Planung vorzuwerfen erschiene mir somit als blanker Hohn. Aber ist es angesichts solch immenser Erwartungen nicht nur allzu menschlich, dass sich eine makellose Perfektion schlicht nicht erreichen lässt?

Jedenfalls wollte sich der sehnlichst erwartete Erfolg in den frühen Morgenstunden nicht einstellen, und mit jeder weiteren Stunde wuchs der Erfolgsdruck, bis er sich schließlich ins schier unerträgliche steigerte (vom inneren Druck ganz zu schweigen). So kam es, dass ich mich um viertel vor Elf bislang unverrichteter Dinge, aber durchaus noch guter Hoffnung in der Praxis einfand und bereits das Probenwägelchen des Laborhelfers am Empfangstresen vorfand. Bei diesen Anblick indes begannen meine Gedanken zu rasen: könnte ich mir ein Versagen im alles entscheidenden Moment jemals verzeihen? Was nur würde der Kaiser dazu sagen?

Der Gedanke daran, unseren geliebten Souverän derart bitterlich zu enttäuschen schien indes ungeahnte Kräfte, ja, nachgerade alles in mir freizusetzen. Plötzlich zählte jede Sekunde, für Floskeln und Erklärungen blieb keine Zeit. Hunderte Male hatte ich den nun folgenden Ablauf in der vergangenen Nacht im Kopfe durchexerziert. Und was soll ich sagen: alles klappte geradezu perfekt, von der vollendet eingesprungenen Halbhocke bis hin zur gleichzeitigen Ausrichtung des Löffelchens in der von mir im Vorfeld errechneten, idealen Entfernung. Ich konnte den Löffel auch wunderbar treffen. Nun, ich traf ihn unter anderem.

Am Ende der ganzen Chose steht nun also ein Lokalverbot im Enddarmzentrum. Immerhin: der Befund ist unbedenklich, Potztausend!

Kategorien: Gesundheit

Mein schönstes Kriegserlebnis

Werte Heimseitenbesucher,

an dieser Stelle soll Ihnen die Möglichkeit gegeben werden, Ihre schönsten und herzerwärmensten Kriegserlebnisse mit der geneigten Netzgemeinde zu teilen. Schwelgen Sie ruhig in wohliger Nostalgie und lassen Sie uns allesamt an jenen Erinnerungen teilhaben, in welche Sie sonst nur mit dem innersten Kreis Ihres Stammtisches einweihen. Ich möchte selbst den Anfang machen.

[Bild: trenner2.gif?w=690]

Ich entsinne mich noch trefflichst, fast, als hätte es sich vor fünfzig Jahren zugetragen.

Unsere Einheit war versprengt, in ungeordneten Teilen hatten wir uns in einem Schützengraben vor Verdun verschanzt, der Engländer befand sich unmittelbar visavis. Tagein, tagaus pflegte das Artilleriefeuer über uns hinwegzupfeifen, dass es eine wahre Freude war.
Das schlimmste an unserer Situation war jedoch zweifellos: ich war der letzte überlebende der dritten Schreibstuben-Einheit, eine bestens ausgebildete Elite-Truppe heldenhafter Bürokraten.
Ohne unser Zutun wäre ein ordnungsgemäßer Kriegsverlauf kaum denkbar gewesen, ob der famose Paragraf 34 der Leipziger Schusswaffenverwesungsverordnung (Nachladeintervall mindestens 3,6 Sekunden) oder der Reichskonservendosenerlass (Rechtsdrehende Öffnung verbindlich) – wir hatten darüber zu wachen, dass auch im Kriege alles seine Ordnung hatte.

Nun befanden wir uns in diesen Tagen in einer garstigen Patt-Situation: zwar war uns der Gegner sowohl zahlenmäßig, als auch vom Munitionsvolumen deutlich unterlegen, jedoch reichten die Farbbänder meiner Reiseschreibmaschine lediglich, um einen Schützengrabenausfallbefehl mit einfachem Durchschlag zu erstellen – jeder halbwegs vernünftige Mensch wird verstehen, dass ein derart schludrig erstellter Befehl keinesfalls Rechtskraft erlangen kann. Zudem (und fast noch schlimmer) war die Stempeltinte fast aufgebraucht.
Somit blieb mir kaum eine andere Wahl, als aufs Entschiedenste auf ein Aussetzen des Angriffes zu insistieren, bis die Feldpost ein neues Farbband und Tinte zu liefern imstande war. Ganz im Sinne des Kaisers, möchte man meinen.

Jedoch bekam ich es mit dem größten Feind in den eigenen Reihen zu tun: dem garstigen Feigling, in diesem Falle mit dem Obergefreiten Hans Bestfleisch:

[Bild: cjf7dt26z57jfx9k4.jpg]

Entgegen meiner ausdrücklichen Diestanweisung wartete dieser heimtückische Lümmel schlicht ab, bis ich mich zur Ruhe gelegt hatte, um einen Angriff auf die Stellung des Feindes zu organisieren und diese sozusagen „im Handstreich“ zu nehmen.

Groß war meine Überraschung am nächsten Morgen, wie der geneigte Leser sich sicher ausmalen kann.
Nun, den Schaden hatte ich zu tragen – mühsam musste ich den in Gefangenschaft geratenen Feinden neue Waffen aushändigen, um sie abermals in ihrer Stellung anzusiedeln, welche ohne legale Grundlage eingenommen wurde – ein untragbarer Skandal für Kaiser und Vaterland.
Über den garstigen Quasi-Deserteur Bestfleisch verfasste ich indes umgehend eine gepfefferte Protestnote mit Antrag auf ein Disziplinarverfahren . Wie erfreulich, dass die Satzung hierfür bloß einen Durchschlag vorsah.

Kategorien: Der liebe Kaiser, Historische Exkurse, Redliche Kriegserlebnisse

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