Geißel Berufsunfähigkeit

Heute gedenken wir meinem Ahnherrn Wenzel-Eusebia, der nach einem tragischen Arbeitsunfall bei einer dereinst durchaus üblichen Massenhinrichtung seinen erlernten Beruf als Geißler und Vierteiler nicht mehr ausüben konnte. Noch heute wartet die Familie auf die Auszahlung einer angemessenen Berufsunfähigkeitsrente der Katholischen Liga.

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Kategorien: Aktuelles

Krautbusch zeigt sich unbestechlich

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Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft

Baron Friedels aristokratisches Konversationslexikon

Audienzbalkon, der: Für aristokratische Hofhaltung nahezu unabdingbarer, meist überdachter Gebäudevorbau, der sich sowohl durch seine Form als auch durch seine Zweckbestimmung deutlich von den an Plebejer-Unterkünften üblichen Freiluftvorbauten unterscheidet (vgl. Balkonien, das, Bal­kön­chen, das). Werden diese meist zur armseligen Nahsterholung und insbesondere zur Herausbildung einer vulgären Proletarier-Bräune oder im süddeutschen Raum zur Kopulationsanbahnung (vgl. fensterln) genutzt, dient der A. grundlegend anderen Zwecken. Durch seine meist eher längliche Anlage auf die repräsentative Aufreihung vielköpfiger Dynastien ausgelegt, wird der A. schon seit den Tagen des Imperium Romanum weniger als bloße Freiluftplattform, sondern vielmehr als erstes erstes Mittel der Untertanen-Kommunikation genutzt. Die Einsatzmöglichkeiten des A. waren ausgesprochen vielfältig. Sie konnten sich von Nachwuchspräsentationen über Brandreden (vgl. Hunnenrede, die) und Proklamationen bzw. Kriegserklärungen bis zur mildtätigen Verteilung von Holzpfennigen reichen, die zu diesem Zwecke vom A. aus auf das Volk geworfen wurden (aufgrund der akuten Verletzungsgefahr sieht man seit dem Hochmittelalter von Blechtalern und Granithellern ab). Mit dem zunehmenden Bedeutungsverlust des Adels entfallen heutzutage die meisten kommunikativen Funktionen des A., wohingegen er in der direkten Folge als Ausgangspunkt melodramatischer Suizide nochmals Konjunktur erlebte. Heutzutage werden durch einige, sich selbst als Audienzbalkon-Aktivisten bezeichnende Aristokraten (vgl. von Friedel, Jesus-Maria) zunehmend Versuche unternommen, den A. wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen, wobei diese Bemühungen meist an der engstirnigen Unkultiviertheit der bürgerlichen Behördenvertreter scheitern und nicht selten in einer unrechtmäßigen Internierung des adeligen Aufrührers gipfeln (vgl. Nervenheilanstalt, die).

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Kategorien: Baron Friedels aristokratischer Almanach, Die bessere Gesellschaft

Gelenk und Gesinnung

»Jedenfalls muss diese Nazi-Zeit schon ganz schlimm gewesen sein.«
»Ja, wirklich. Ich meine, man soll ja nicht alles unbesehen glauben, was man liest oder im Fernsehen sieht, aber ich weiß es ja aus erster Hand! Mein Großvater hat mir das alles genau erzählt!«
»Ach, tatsächlich?«
»Ja, natürlich. Er hat in dieser Zeit ja gelitten wie kein anderer. Er sagte immer: „Überall haben mich diese Nazis diskriminiert, wo sie nur konnten“.«
»War er im Widerstand?«
»Das nicht…«
»Oder gehörte Ihr Herr Großvater vielleicht zu einer Randgruppe? Die hatten es ja unter den Nazis besonders schwer.«
»Ja, so war es!«
»Oh! War er Jude?«
»Nein, ich bitte Sie! Das war er nicht und das konnte er auch beweisen!«
»Sinti und Roma?«
»Nein, nein! Er war, naja, sagen wir „gehandicapt“«
»Geistig?«
»Nein. Er hat nur bei diesem Hitlergruß nicht mitgemacht.«
»Ah, so eine Art alltäglicher Protest also?«
»Nein. Ein orthopädisches Leiden.«
»Wie?«
»Naja, er hatte es halt am Ellbogengelenk. Deshalb fiel ihm dieses ständige Armheben ausgesprochen schwer. Das wiederum mochten die Nazis überhaupt nicht. Deshalb haben sie ihm auch beruflich das Fortkommen vermiest, so viel sie konnten.«
»Oh, also quasi wegen seiner Behinderung? Schlimm!«
»Ja, in der Tat! Aber er hat sich davon nicht beirren lassen und dagegen abgekämpft wie ein Löwe.«
»Mutig! Mit Erfolg?«
»Allerdings! Irgendwann hat er erreicht, daß man ihn mit einem amtsärztlichen Attest vom Hitlergruß freistellt. „Darüber habe ich mich noch mehr gefreut als über den Arier-Nachweis“, sagte er immer.«
»Aber ein Gegner blieb er dann doch auch noch, nehme ich an?«
»Nun ja. Er hat natürlich auch dann nicht alles kritiklos gut gefunden. Aber im Gegensatz stand er ja „tendenziell eher orthopädisch als einstellungsmäßig“, wie er immer sagte.«
»Ach so?«
»Naja, wissen Sie, mein Großvater war ja Studienrat. Von der Gesinnung her waren seine Handlungsmöglichkeiten eben noch begrenzter als von den Gelenken.«

Kategorien: Aktuelles, Historische Exkurse, Zur Weltpolitik

Karfreitag

Wünsche allseits einen besinnlichen Feiertag. Und halten Sie in Gottes Namen die Füße still, gell.

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Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, theologische Meditationen

Palmin-Sonntag

Wünsche allseits einen gustiösen Palmin-Sonntag. Lassen Sie es sich einmal so richtig gutgehen und genießen Sie im Geiste des hehren Anlasses traditionelle Köstlichkeiten. Das große Leiden und Sterben kommt schließlich früh genug – bei dieser Ernährung unter Umständen sogar schon nächste Woche.

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Kategorien: Aktuelles, theologische Meditationen

Inselwissen

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Kategorien: Aktuelles, Montagslaecheln

Die „Nazarether Bindung“

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»[…] Für Irritation – ja bisweilen gar für Empörung – bei der Pilgerschaft sorgt noch heute allenthalben die sogenannte „Nazarether Bindung“, welchselbige dereinst als „letzter Schrei“ bei juvenilen Delinquenten galt, von mittelalterlichen Künstlern aber aufgrund ihres keck-lasziven Charakters oft durch den deutlich braveren „Bethlehemer Schurz“ ersetzt wurde. Der berühmte „Sternschnytte unseres Heylants in foler Groeß“, welcher der Erstausgabe der Lutherbibel beilag, präsentierte die originale Schurzbindung erstmals wieder einer breiteren Öffentlichkeit. In der von Papst Leo eilends verfassten Enzyklika „Castae condere obductis“ wurde die Authentizität der gewagten Heilandshüllung energisch bestritten. Freilich konnte er damit nicht mehr verhindern, daß sich der Nazarether Schurz alsbald als beliebtes Freizeitkleidungsstück in den frischreformierten Gebieten durchsetzte. Selbst Luther höchstpersönlich soll ich des Öfteren im neckisch umgeschwungenen Lendengewande präsentiert haben, was allerdings aufgrund der stetig sich mehrenden Leibesfülle des Chef-Evangelen rasch zu einem Abebben jenes frühreformatorischen Modetrends führte.«

Aus: Gunsser, Nikodemus: Von „Size Zero“ bis zum Stigma-Tunnel. Der Heiland am Kreuz als als Stilikone. Tübingen, 1925.

Kategorien: Aktuelles, Historische Exkurse

Transformermäßiger Sachschaden

»Du wirst es nicht glauben, Manfred!«
»Was denn?«
»Ich hab‘ ihn endlich gesehen, diesen Transformer-Fim!«
»Ja endlich! Und? Der ist schon stark, oder? Wie da die ganzen Autos explodieren! Stark!«
»Ja, schon stark! Ich schlafe ja normalerweise immer gleich ein bei so Filmen. Da auch. Aber wie die Autos explodiert sind, bin ich sofort wieder aufgewacht.«
»Ja, eine starke Action!«
»Das schon. Aber bei mir haben sich da schnell ganz andere Überlegungen eingestellt.«
»Ach so? Welche denn?«
»Du weißt, daß ich jetzt 25 Jahre bei einer Versicherung arbeite?«
»Ja, schon… Na und?«
»Na, das ist doch ganz klar. Da geht natürlich sofort mein Gehirn an. Dieser ganze Sachschaden. Das muss alles einer regulieren.«
»Aber das ist doch gar nicht der Punkt. Das ist doch nur ein Film.«
»Ja, aber das ist doch gerade das Spannende!«
»Naja…«
»Doch doch. Stell Dir doch beispielsweise mal vor, der Transformer, der da im Eifer des Gefechts alle Autos kaputthaut hinterlässt keine Personalien und begeht quasi Fahrerflucht. Dann bleiben die Fahrzeughalter, wenn sie kein Vollkasko haben, letztlich auf den Kosten sitzen. Und die Reparaturkosten liegen eindeutig über der Wertgrenze. Das sind alles Totalschäden!«
»Ja, aber warum soll denn der Transformer seine Personalien hinterlassen? Der ist doch eine außerirdische Maschine!«
»Ich darf Dich daran erinnern, daß es diese Transformer sich in Kraftwagen verwandeln können. Dieser Optimus Breim, oder wie der heißt, ist zum Beispiel auch ein Brummi. Damit muss der sich, wenn er am Straßenverkehr teilnimmt, selbstverständlich auch versichern.«
»Aber den kennt doch jeder. Der muss also keine Personalien hinterlassen.«
»Ich möchte eh wissen, welcher Prüfer so einen Brummi zulassen würde. Aber Du hast natürlich Recht. Na, den würde seine Versicherung jedenfalls saftig hochstufen.«
»Na, wenn Du meinst. Ich muss jetzt.«
»Gut. Was treibst Du dann heute noch.«
»Ach, nicht viel. Vielleicht einen Film.«
»Ah, den zweiten Transformer?«
»Nein, nein. Ich habe jetzt eher Lust auf einen mit diesem Freddy Krüger. Da kommen wenigstens nur Menschen zu Schaden.«

Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Redliches Fernsehprogramm

Teuflischer Verbrecher dringend gesucht

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Endlich ist es den braven Ordnungshütern gelungen, ein aussagekräftiges Phantombild jenes Galgenvogels zu erstellen, der mein Wohnviertel schon seit Jahren in Atem hält. Von Delikten wie vorsätzlicher Körperverletzung, über Nötigung, Bedrohung, bis zu unerlaubtem Waffenbesitz hat dieser Unhold jede denkbare Straftat auf dem Kerbholz. Sehen Sie sich diese degenerierte Verbrechervisage nur an; die aggressiv blitzenden, zu Schlitzen zusammengezogenen Augen; die schmalen, von krimineller Energie kündenden Lippen; der ungepflegte Vollbart. Solange solche Subjekte sich ganz unbehelligt in Freiheit bewegen, sind unbescholtene Bürger nicht mehr sicher. Ich jedenfalls werde meine Bemühungen zur Ergreifung dieses Subjekts nunmehr intensivieren und bei jedem kleinsten Verdacht umgehend meinen Gehstock zum Einsatz bringen und gegebenenfalls auch sogleich das Feuer eröffnen.

Für Sie gilt selbstverständlich: sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen!

Kategorien: Aktuelles, Diabolisches

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