Unwahrscheinlichste Multiversen

Die Multiversen-Theorie war mir stets ein Buch mit sieben Siegeln. Heute allerdings fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Wenn jedes auch nur halbwegs wahrscheinliche Ereignis irgendwo tatsächlich passiert und aus diesen zahllosen alternativen Handlungssträngen eine ebenso zahllose Anzahl neuer Universen entsteht, müssten ja, wenn man sich eine Skala denkt, sowohl eigene Welten für sehr wahrscheinliche und vielleicht nur zufällig nicht eingetretene Ereignisse existieren, wie ebenfalls welche für völlig wahnwitzige Absurditäten, so ihre Wahrscheinlichkeit auch nur einen winzigen Hauch über null liegt.

Am oberen Ende unserer gedachten Skala und damit kaum unwahrscheinlicher als unsere jetzige Realität befände sich beispielsweise ein Universum, in dem man dem Kleingartenvorsteher Kleinschmidt bei seinem Vereinseintritt Anno ’69 nicht die Parzelle 78, sondern die 77 zugewiesen hätte. Bis auf die Lage des Begonien-Beetes hätte sich vermutlich recht wenig geändert und Kleinschmidt wäre heutzutage höchstwahrscheinlich weiterhin haar- und zahnlos. Wesentlich unwahrscheinlicher erschiene da schon eine Welt, in der Affen an Schreibmaschinen wahllos Buchstaben aneinanderreihten, bis sich daraus vielleicht einst ein sinnvoller Satz oder gar alle Romane der Welt ergäben.

Ganz am anderen Ende der Skala und somit am unwahrscheinlichsten hingegen wäre ein Universum, in dem Christian Ude 2013 die Landtagswahl für sich entscheiden konnte und sich als amtierender Ministerpräsident soeben seine Wiederwahl vorbereitet. Oder stammt dieser Schwank doch nur aus der Feder der fabulierenden Affen zwei Universen weiter? Das erscheint wohl ausgesprochen wahrscheinlich. Nun müssen Sie mich allerdings entschuldigen – ich widme mich nun diesseitigeren Problemstellungen und löse ein Kreuzworträtsel aus meinem neuen Superblock.

 

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Kategorien: Die Sonntags-Sophisten

Ein schauerlicher Alpdruck

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Heute Nacht ein schauerlicher Alpdruck: Ich, in meinem Salon vor dem Fernseher eingenickt, werde, plötzlich erwachend, der Tatsache gewahr, daß auf dem Fersehschirm Hans Meiser zu sehen ist, der, unartikuliert sabbernd, von wirrsinnigen Meldungen, wohl das Börsenwesen auf seinem Heimatplaneten betreffend, fabuliert, deren genauer Sinn – wie übrigens auch das Thema der gesamten Sendung – sich aber beim besten Willen nicht erschließen lässt, zumindest, wenn man (wie ich) den Beginn verschlafen hat. Umso mehr erfreut mich ein erklärender Lauftext, der in gewohnter Unerbittlichkeit Buchstabe um Buchstabe in das untere Bilddrittel schiebt. Allein: diese Freude währt nur kurz. Mit zunehmendem Entsetzen lese ich dort: „Hans-Meiser-ent-hält…“. Hochpanisch beginne ich auf dem Couchtisch nach der Fernbedienung zu suchen, die aber im dichten Gestrüpp der Tisch-Fließen aus Theo-Waigel-Brauenechthaar völlig unauffindbar ist. In diesem Moment erwache ich schweißgebadet.

Kaum auszudenken, welch peinsame Gedankenbilder mir durch diese Gnade erspart blieben. Dieser Couchtisch indes geht mir seither nicht mehr aus dem Kopf. Ich will, ja, ich muss ihn besitzen!

Kategorien: Diabolisches

Ein weiser Rat vom Vater

Mein Herr Vater war ein weiser Mann. „Sohn“, so pflegte er stets zu sagen,“ vergiss nie, was ich Dir über das Leben und die Welt gesagt habe. Eines fernen Tages wird alles einen Sinn ergeben. Da wirst Du längst tot sein.“

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Kategorien: Familienchronik

Offiziös im Weltraum

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Die Brücke des Raumschiffs “Enterprise”.

Kirk: Computerlogbuch Nummer eins der Enterprise. Sternzeit Freitags um 9:30. Captain Kir… (unterbricht die Aufnahme) Pille, wer ist eigentlich dieser Mann da vorne? Und was hat er auf meiner Brücke zu suchen?

Pille (halblaut): Hast Du das Memo nicht gelesen, Jim? Das ist unser neuer Chef-Bürokrat Ein Deutscher namens Kleinschmidt. Die Sternenflotte hat ihn beauftragt, in Zukunft auf die Einhaltung der Vorschriften zu achten.

Kleinschmidt (erhebt sich und streckt Kirk die Hand entgegen): Grüß Gott, Herr Kirk. Kleinschmidt, Amtsoberinspektor der Raumflotten-Regulierungsanstalt Interplanetarische Föderat…

Kirk: Das ist ja alles schön und gut, Mann. Jetzt gehen Sie auf Ihren Platz und behindern Sie mich nicht weiter. Diese Mission ist äußerst wichtig. Sozusagen von galaktischer Bedeutung! Mr. Spock, elektronische Abtastung des Zielgebiets.

Spock: Abtastung bis ein Parsec.

Kleinschmidt: Da muss ich jetzt kurz unterbrechen, Herr Spock. Laut Raumabtastungs-Satzungs-Novelle 1/II Absatz “e” muss der Scan auf einen HALBEN Parasec genau erfolgen, gell.

Spock: Abtastung bis auf einen halben Parasec. Abtastung negativ.

Kirk: Mr. Sulu, Kurs auf 1-8-5.3,4. Sol 9.

Kleinschmidt: Ja, also. Da muss ich jetzt aber schon vehement protestieren, das ist ja die neutrale Zone, sozusagen das Gebiet der Romulanier…

Kirk: Sofort Den Kurs ändern!

Sulu: Captain, ein Romulanier-Schiff enttarnt sich vor uns!

Kirk: Auf den Schirm, Mr. Sulu.

Chekov: Cäptain, die Romulaniär aktivieren ihre Waffänsysteme!

Kirk: Alarmstufe Rot. Alle Mann auf Gefechtsstationen. Volle Kapazität auf die Schilde und Phaserstrahl frei!

Kleinschmidt (räuspert sich): Da muss ich jetzt schon wieder unterbrechen, Herr Kirk.

Kirk: Was um Himmels Willen wollen Sie schon wieder, Mann? Sehen Sie nicht, daß wir es mit einer ernsten Situation zu tun haben?

Kleinschmidt: Ja, das mag schon sein, aber Sie können ja nicht einfach so gleich Alarmstufe Rot, die Schilde und auch noch den Phaser aktivieren. Und das alles auch noch ohne Genehmigung.

Spock: Captain, darf ich anmerken, daß die Aussagen des Mr. Kleinschmidt durchaus logisch sind?

Kleinschmidt: Natürlich sind sie das, ich bin schließlich vom Amt.

Kirk: Ich kann das alles nicht glauben.

Kleinschmidt: Nur die Ruhe, Herr Kirk, das haben wir ja gleich. (beginnt, mit konzentrierter Bedacht auf seiner Zukunfts-Schreibmaschine zu tippen und das geschriebene laut mitzusprechen) An-tra-g auf Ala-rm-Stu-fe Rot – Moment (blickt plötzlich eilig auf seine Zukunfts-Armbanduhr) Mei, es is ja scho Zwölfe!

Kirk (der inzwischen seine Wut kaum zurückhalten kann): Na und?

Kleinschmidt: Ja, ich weiß ja nicht, wann Sie Mittag machen, Herr Kirk. Was gibt’s denn heute in der Kantine?

Chekov: Ich glaubä es sind Beta-Quatrant-Wochän.

Kirk: Aber…

Kleinschmidt: Was, scho wieder? Einen vernünftigen Hackbraten bekommt man auf diesen Raumschiffen einfach nicht. Das können Sie quasi vergessen.

Sulu: Den “Schleimtopf klingonischer Art” kann ich sehr empfehlen.

Kleinschmidt: Gut, dann Mahlzeit zusammen!

Kirk: (empört) Sie können doch nicht… Die Romulanier werden uns vernichten. Wir werden alle… sterben.

Kleinschmidt: Jetzt stelln’s Ihnen nicht so an. Lassen’s halt erst mal den Vorspann laufen. Der Ablaufplan sieht den sowieso spätestens am frühen Nachmittag vor. Also bitte, Herr Sulu.

Sulu.: Aye, Mr. Kleinschmidt

Offstimme: Der Weltraum. In Föderation, Länder, Regierungsbezirke, Bezirke und Raumkreise gegliederte Weiten…

– Aus meinem Episoden-Drehbuch: “Eine anständige Ordnung” (leider abgelehnt).

Kategorien: Aktuelles, Dem kosmischen Rauschen lauschen

Eine kurze Geschichte des Schwitzens

Wer hierzulande der heilsamen Transpiration frönen will, wird in den allermeisten Fällen eine finnische Saunalandschaft aufsuchen. Nahezu gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist hingegen die indianische Schwitzhütte, die heutzutage allenfalls bei esoterisch beseelten Sinnsuchern einigen Anklang findet, ansonsten aber ein eher trauriges Nischendasein fristet.

Dabei schienen die Zukunftsaussichten der Schwitzhütte nach der Entdeckung der neuen Welt geradezu glänzend: Im Gegensatz zum bis Dato bekannten römischen Dampfbad war die indianische Variante nach damaligen Maßstäben für ein Gebäude geradezu unerhört leicht zu transportieren und überdies ausgesprochen günstig in der Anschaffung. Freilich war die damals noch recht schwachbrüstige amerikanische Wirtschaft nicht im Ansatz dazu imstande, die steigende Nachfrage auf der anderen Seite des Ozeans zu bedienen. Eine Marktlücke, die der Altöttinger Kaufmann Kuntz zu Holzhardt alsbald erkannte.

Holzhardt, im Hexenverfolgungs-Boom des 16. Jahrhunderts mit der Produktion von Folterinstrumenten früh zu Wohlstand gelangt, legte 1558 einen eigenen Entwurf für eine “Hutta fur gar wassirig Switz-Vroide” vor. Allerdings hatte Holzhardt bei seiner Schwitzhütte im Vergleich zum Original einige tiefgreifende Änderungen vorgenommen.

Der tiefgläubige Holzhardt wollte in der heidnischen “Ur-Schwitzhütte” einen entscheidenden, mit dem rechten Glauben unvereinbaren Schwachpunkt ausgemacht haben. So war er der Überzeugung, daß es sich für einen guten Christen schlicht nicht schicke, der wonnevollen Körperreinigung zu frönen, ohne dabei in ausgleichender Demut das Antlitz des Herrn schaun zu können – das Haupt des Saunierenden musste sich folglich zu jeder Zeit im Freien befinden. Auch in puncto Formsprache ging der bayerische Visionär eigene Wege. Seine Hütten-Konstruktion orientierte sich an der Tiara – der zeremoniellen Krone des Papstes.

Allerdings unterlief dem sittenstrengen Holzhardt bei seinem Konzept ein entscheidender Fehler: Im Gegensatz zur indianischen Hütte, die durch einen konventionellen Eingang betreten werden konnte, ersann er für seinen Entwurf im Sinne des ästhetischen Gesamtbildes ein elaboriertes System, das aus heutiger Sicht hanebüchen anmuten mag, aber durchaus dem medizinischen Kenntnisstand den 16. Jahrhunderts entsprach: Der Kopf des Schwitzhütten-Besuchers wurde mit einem entschlossenen Ruck mit der Streck-Maschine (selbstredend ebenfalls aus Holzhardts Sortiment) vom Torso getrennt und erst im dann wieder aufgesteckt, wenn der Körper durch ein tunnelähnliches Rohr ins Hütteninnere verbracht worden war.

Was für Holzhardt höchst einträglich war, wurde für die lokale Wirtschaft schnell zum Problem: die vermeintlich frischerholten Lehensnehmer agierten bei der Feldarbeit überraschend kopflos und mussten fast ausnahmslos nach den im Mittelalter üblichen Gepflogenheiten frühverrentet werden.

Gemeinsam mit den ersten Probanden wurde auch die Idee des Gesundschwitzens vorerst begraben. Es sollte noch einige Jahrhunderte dauern, bis sich die Sauna schließlich auch hierzulande durchsetzte.

Holzhardt indes fiel, ganz Tausendsassa, auch nach dieser Schlappe auf die Füße. Er konzentrierte sich wieder aufs Kerngeschäft und konnte seine verhinderte Schwitzhütte nach dem Aufkommen der hochnotpeinlichen Befragung erfolgreich als Folterinstrument vermarkten – und man darf wohl mit Sicherheit davon ausgehen, daß die Holzhardt-Hütte trotz ihrer Umwidmung noch so machen Delinquenten gehörig ins Schwitzen brachte.

[Bilder: Oben: Holzhardt mit einem Modell seiner Schwitzhütte. Unten: Zeichnung aus dem originalen Patent-Dokument]

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Kategorien: Aktuelles, Historische Exkurse

Ein modernes Märchen

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Ei, Großmutter, warum hast Du so einen tiefen, wannenartigen Schlund?«
»Damit ich mehr Auffangvolumen fassen kann.«

»Ei, Großmutter, warum hast Du kleingeschnipselte Reste der Vertragsentwürfe 2016 überall in Deinem Bauch?«
»Damit sie kein Unbefugter lesen kann.«

»Ei, Großmutter, warum ist Dein Elektromotor so laut?«
»Damit sich meine ineinandergreifenden Räder besser drehen können.«

»Ei, Großmutter, warum hast Du so ein messerscharfes Schneidwerk?«
»Damit ich Dich besser schreddern kann! Im Partikelschnitt und mit genormter Zerkleinerungsstufe natürlich, ich bin schließlich ein Premium-Modell. Rrrrrrrrrrrrrrrrr.«

– Rotkäppchen und der Reißwolf

Kategorien: Aktuelles, Erbauliches

Vor dem “Copy & Print”

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München-Haidhausen. Ein professoral-zerstreuter Mann mittlerer Statur, unter dem Arm einen offenbar eilens zusammengerafften Stapel Papiere, rüttelt erfolglos an der Tür eines Landenlokals, das schon aufgrund der bedrückend endgültigen Dunkelheit im Inneren kaum Eindruck erweckt, als habe sich der Besitzer nur für ein spätes Mittagspausen-Bier entfernt. Der Professor, ob dieser unerhörten und offenbar mit schier unzumutbaren Disponierarbeiten verbundenen Entwicklung sichtlich aus dem Konzept gebracht, dreht sich einige Male unbeholfen um die eigene Achse und fixiert schließlich einen ihm offenbar zumindest flüchtig bekannten Mann im FC-Bayern-Sweater, dessen hausmeisterhaftigkeit bis hin zum Schnauzbart eine derart klischeehafte Ausprägung erreicht, daß er im Sinne des erzählerischen Neutralitätsgebots hier in einem gänzlich anderen Metier verortet werden soll, etwa im Investementbanking.

Professor: Sagen Sie, warum ist denn der “Copy & Print” um diese Uhrzeit geschlossen? Ich muss doch dringend meine Unterlagen kopieren. Und Mittag ist schon längst vorbei.

Banker: Der hat doch schon vor, na, ungefähr zwei Wochen zugemacht.

Professor: Wegen Krankheit? Ja, also das ist ja ….

Banker (fischt mit dem Mund eine “Ernte” aus dem Päckchen): Nein, doch nicht deshalb. Der Anger hat den Laden endgültig zugesperrt.

Professor: Ach so, also hat er pleite gemacht? Dabei war doch immer Betrieb im Laden…

Banker (nachdem er, seinen Wissensvorsprung wohl etwas mehr als das zuströmende Nikotin goutierend, versonnen an seiner “Ernte” gezogen hat): Nein, gar nicht. Im Gegenteil: Da kam neulich einer in den Laden, Geschäftsmann glaube ich, Siemens oder Linde oder so, der war wohl unter Zeitdruck. Und stellen Sie sich vor: Der hat achtzig Abzüge, also wirklich achtzig, von einer Präsentation haben wollen. Und auch noch spiralgebunden und auf dem guten Papier! Und was glauben Sie, wieviele Seiten die hatte?

Professor: Nun…

Banker: Ich sag’s Ihnen: achtunddreißig! Da hat der Anger, also summa summarum, an einem Tag locker eins drei gedreht. Eintausenddreihundert! Der Mensch hat nur seine Karte gezückt. Und wusch! Der hat das vermutlich nicht selbst gezahlt.

Professor: Na, das ist ja schon eine Menge Geld. Aber deshalb gleich den ganzen Laden…

Banker: Der Anger hat doch schon Jahre gespart. Der hat ja gelebt wie ein Mönch. Unverheiratet und alles. Der hat ja sogar absolut alles von “Ja” gekauft, sogar die Pizza. Die Summe hat ihm noch gefehlt. Dann ist er weg. Einfach so. Wusch!

Professor: Wo soll ich denn in Zukunft meine Unterlagen kopieren? Hier gab es doch im ganzen Umkreis nur das “Copy & Print”…

Banker: Also hier jedenfalls nicht. Hier kommt, soweit ich weiß, jetzt so ein Friseursalon rein. Sie wissen schon, so ein moderner. Für Bärte.

Professor: Das ist alles schrecklich! Schrecklich! Und der Anger? Was macht der jetzt?

Banker (diese Frage längst antizipierend): Der, das sage ich Ihnen, ist schlauer als wir beide zusammen. Der sitzt jetzt auf den Malediven. Das war nämlich schon immer sein Traum.

Professor: Die Malediven… Der Anger kam mit immer eher wie ein gemütlicher Mensch vor. Daß der surft, oder sowas, das überrascht mich doch sehr.

Banker: Ha, der Anger und “surfen”. Daß ich nicht lache! Der hat doch jedes Wasser verabscheut. Nicht mal bei der größten Hitze hat man den überhaupt im Schwimmbad gesehen.

Professor: Aber was macht er denn dann gerade auf den Malediven?

Banker: Na, was denken Sie denn? Natürlich einen Copyshop!

Professor (resigniert): Natürlich.

Kategorien: Aktuelles, Die Sonntags-Sophisten

Ausländische Autopiloten

Sonntagnachmittägliche Parkgesellschaft. Zwei Hundehalterinnen in asymmetrischem Zwiegespräch. Dame Nummer eins, Meisterin der überakzentuierten Betonung, ist sichtlich in Rage. Dame zwei, wohl eher ruhig bis phlegmatisch angelegt, verhehlt ihr Halbinteresse nur viertelgewissenhaft.

Betonerin: …jedenfalls sage ich Ihnen ganz klar: mit diesen SÜDLÄNDISCHEN Airlines fliegen wir nicht mehr!

Phlegma: Ja, warum denn nicht?

Betonerin: Also diese Piloten waren uns ja schon beim Boarding sehr suspekt mit ihren Schnauzbärten. Und „Grüß Gott“ haben die auch mit einem HÖCHST komischen Akzent gesagt. Und dann stellen Sie sich vor: als ich während des Flugs zur Toilette gegangen bin, konnte ich kurz einen Blick ins Cockpit werfen. Und Sie werden es nicht glauben: Der Pilot hatte die Füße oben!

Phlegma: Ach so?

Betonerin: Wenn ich es Ihnen doch SAGE!

Phlegma: War das der Pilot oder der Co-Pilot?

Betonerin: Also zu hundert Prozent kann ich das nicht sagen. Ich bin mir aber SICHER, daß das der Pilot war.

Phlegma: Naja, wirklich schlimm ist das aber eigentlich nicht. Das macht ja heute sowieso alles der Autopilot.

Betonerin: Den konnte ich leider gar nicht sehen. Es würde mich aber bei diesen Brüdern ÜBERHAUPT nicht wundern, wenn der EBENFALLS die Füße oben gehabt hätte! NIE wieder!

Kategorien: Aktuelles, Die Sonntags-Sophisten

Meine liebste Kindheitserinnerung

Zeitlebens war mein Herr Vater ein sittenstrenger Zuchtmeister, der mich stets auf Distanz hielt. Umso größer mein Entzücken, als er eines sonnigen Tages vor meine Kinderhütte trat und sprach: „Sohn, wir fahren in den Streichelzoo. Wir nehmen meinen Geländewagen.“
Und Trauma hin, Trauma her – noch heute handelt es sich bei dieser Ausfahrt mit großem Abstand um meine liebste Kindheitserinnerung. Bisweilen konnte ich sogar für einige Sekunden zaghaft ein Häschen oder Rehlein liebkosen, sofern die possierlichen Tierchen (oder immerhin Teile von ihnen) von den massiven Hinterreifen seines Armee-Jeeps in Richtung der Rückbank geschleudert wurden. Am Ende ließ er mich außerdem ganz alleine die Kadaver zum späteren Verzehr aufsammeln (die anderen Kinder hatten zu diesem Zeitpunkt längst die Flucht ergriffen).

Insgesamt ein denkwürdiger Tag für beide – ich kam meinem Herrn Vater, mein Vater wiederum seinem Automobil ein Stückchen näher. Den Anblick von rohem Hackfleisch kann ich aber auch heute nur schwer ertragen.

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Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Familienchronik

Erprobter Aphorismus für eine Festrede auf der goldenen Hochzeit eines geschätzten Freundes

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“Sind nicht alle langjährig Verheirateten ein bisschen wie Tropfsteine? Gemeinsam hängt man, zu fahler, wulstig-schwieliger Statur erstarrt, in dumpfem Domizil nebeneinander. Längst vergessen jene kurzlebige Jugendglut, als wallende Chemie beide einst Seit’ an Seit’ aus teigigem Kalkstein presste – doch weniger schicksalhafte Bestimmung denn diffuse Naturlaune. Und so tropft man in passiv-aggressiver Übereinkunft Dekaden und Äonen nebeneinanderher – mehr als genug Zeit immerhin, um das immergleiche Geblubber des anderen irgendwann ertragen zu lernen. Daher erhebe ich mein Glas auf Erna und Manfred!”

Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Erbauliches

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