Bald im Fernsehen: „Pfiff der Lunge“

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Allรผberall wird derzeit รผber eine mรถgliche Abschaffung des รถffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutiert. In meinen Augen nicht ganz zu Unrecht, hat man doch insbesondere bei den gebรผhrenfinanzierten Fernsehanstalten inzwischen strรคflich jenen Bildungsauftrag aus den Augen verloren, der ihr sรผndteures Dasein ja eigentlich erst legitimiert. Lรคngst ist das mahnende Fernsehspiel allรผberall der leichten Unterhaltung gewichen, wรคhrend endlose Gesprรคchssendungen als Feigenblatt den Blick auf die รผberยญborยญdende Einschaltquotenorientierung verstellen sollen. Kurzum: So kann es nicht weitergehen!

Dabei wรคre es doch mehr als simpel, der allgemeinen Einfalt intelligente Formate entgegenzusetzen, die zwar durchaus modern sind, der Jugend aber trotzdem den Weg zum Studium klassischer Stoffe weisen. Kurzum: Es ist wohl wieder einmal an mir, dem Abendland mit virtuoser Feder zur Rettung zu eilen. Lesen Sie hier ein Handlungs-Outline der ersten Episode meiner Rรผckbildungs-Telenovela โ€œPfiff der Lungeโ€, die den Stoff von Thomas Manns โ€œZauberbergโ€ ebenso unterhaltsam wie informativ aufgreift. Schon die erste Folge, so viel sei schon im Voraus verraten, hat es durchaus in sich.

Der vielversprechende, wenngleich etwas schwรคrmerisch veranlagte Student Josรฉ Castorp (Bachelor, Wirtschaftsingenieurwesen) macht sich eines Tages allein mit seiner Tasche aus Krokoimitat (Urban Outfitters), ein Geschenk seines Stiefvaters und Kumpels, Bankvorstand Dr. Tienappel, auf den Weg ins Sanatorium „Gourmet- und Wellness-Ressort Berghof“, einer romantisch-verwunschenen, aber liebevoll sanierten und mit modernem Spa-Bereich ausgestatteten Schlossruine in den Dolomiten und begegnet dort der oberflรคchlich biestigen, im Grunde aber herzensguten Krankenschwester Claire Chauchat, die eigentlich schon seit Jahren selbst unter einer Salon-TBC leidet, dies aber vor aller Welt geheim hรคlt, um im Kreise der Patienten den รœbeltรคter zu identifizieren, der sie als im Alter von zarten 17 in einer stรผrmischen Liebesnacht hinter dem Bierzelt des Bruschenvereins mit der teuflischen Lust- und Lungenseuche infizierte. Castorp fรผhlt sich schon beim allerersten Treffen โ€œirgendwie soโ€ zu Schwester Claire hingezogen, was er sich erst kaum erklรคren kann, spรคter aber auch nicht so richtig. Sie รคhnelt wohl ein bisschen seinem Jugendschwarm Lady Gaga. Allerdings ist Claire schon hoffnungslos mit dem Niederlรคndischen Energy-Drink-Produzenten Mynheer Pieter van der Vaart liiert, was wiederum Castrops Cousin, der Social-Media-Manager Hansjรถrg ZiemรŸen, zum Anlass nimmt, ihn via Messenger und Whatsapp eindringlich vor den Reizen der wollรผstig keuchenden Schwester Claire zu warnen, die er fรผr eine schlechte Partie hรคlt, da sie โ€œnicht mal studiertโ€ hat. Allerdings kann auch er nicht verhindern, daรŸ die beiden Protagonisten sich beim Stationsfasching nรคherkommen, die nach fรผnf Jackie-Cola einigermaรŸen sturzbesoffene Claire Castorp schlieรŸlich sogar ihre Krankheit gesteht und ihm รผberdies noch in derselben Nacht als Zeichen ihrer Verbundenheit ein Rรถntgenbild ihrer Lunge in die Timeline postet, was Castorps Kommilitonen Pietro Settembrini dazu veranlasst, sie in drei seiner merkelkritischen Postings zu markieren. Das wiederum ruft Sascha Naphta auf den Plan, der in mindestens fรผnf antifaschistischen Gruppen aktiv ist und eine sogar selbst verwaltet. Die beiden liefern sich daraufhin ein intensives Duell in der Kommentarspalte, wรคhrend Castrop bereits beginnt, die Vorzรผge des kommoden Spa-Bereichs und die ersten Anzeichen einer Wohlstands-Tropenkrankheit zu entdecken. Der Zuschauer hingegen fragt sich unversehens: Werden die beiden je zueinanderfinden – insbesondere aber: wird das alles je auch nur irgendeinen Sinn ergeben?

Wird es natรผrlich nicht. Freilich werden Castorps sieben Wellness-Jahre im in sieben seelenstreichelnden Staffeln trotzdem detailliert beleuchtet, wรคhrend die Buchvorlage die letzten sechseinhalb Jahre aus Platzgrรผnden nur gerafft wiedergibt. Die Langeweile, die auch der Zuschauer unweigerlich verspรผrt, wenn er die Protagonisten beim Aufnehmen von Selfies, Spielen von โ€œPlay to Winโ€-Spielen und dem posten vermeintlich metaironischer Essensbilder beobachtet, hat durchaus Methode. Denn gerade auf der alles entscheidenden Symbolebene verkรถrpern die in sich vรถllig hohlen Figuren und ihre siech-saturierte Dumpfheit in nuce auch soziale, politische und geistige Dรผrre Europas kurz vor dem Dritten Weltkrieg. Ganz im Stile des klassischen Rรผckbildungsdramas entwickeln sich die Protagonisten im Laufe der Handlung wieder zurรผck zum kleinbรผrgerlichen Ideal, das sich schon immer in der eigenen Filterblase genรผgte.

Ich erwarte stรผndlich die Zusage des zustรคndigen Rundfunkrates!

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Kategorien: Aktuelles, Erbauliches, Redliches Fernsehprogramm

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