Eine Γ€ußerst ungustiΓΆse, mΓΌndliche Wurst

Werte Damen und Herren,

Wer mich kennt, der wird nur allzu genau wissen, dass mir nichts ferner lÀge, als die zivilisatorische Großleistung des deutschen Menschen im Laufe der Weltgeschichte zu bestreiten. Welche Nation kann schließlich von sich behaupten, der Welt gleichsam mit großen Kâpfen wie Goethe und Helmut Kohl, sowie kulturellen Segnungen wie dem Vadalensturm oder dem Sparkassenwesen bedacht zu haben?

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Bisweilen jedoch beschleichen mich in stillen Momenten leise Zweifel an der subtil ausgebildeten Kulturfertigkeit meiner Landsleute. So ist es doch – gelinde gesprochen – einigermaßen befremdlich, dass eine Suchanfrage nach einer alten, meztgereiproduktbezogenen Volksweisheit zu gleichen Teilen kulinarische Ratgeberseiten und Verweise auf einen weithin bekannten Hersteller einschlΓ€giger Chemie-Klosette ausspeit.

Woher, so muss man sich in diesem Zusammenhange doch fragen, rΓΌhrt die oftmals festzustellende, semantische Γ„hnlichkeit (oder Gleichheit) von wohlschmeckenden Speisen und Scheußlichkeiten aus dem Reich der FΓ€kalien?

Kehren wir zurΓΌck zum Ausgangsbeispiel: auch dem Franzosen ist bekanntermaßen das Konzept der Wurst keineswegs unbekannt. Gleichwohl wird man ihn wohl niemals von einer„saucisse de merde“ sprechen hΓΆren – optische Γ„hnlichkeit hin, optische Γ„hnlichkeit her. Ganz im Gegenteil: der Franzose hΓ€lt diese beiden SphΓ€ren appetitlicherweise hΓΌbsch getrennt – kurzum: er defΓ€kiert nicht, wo er ißt. Ein Konzept, das wiederum zum deutschen Landsmann – wenigstens was die praktische AusfΓΌhrung anbelangt – auch bereits durchgedrungen ist.

Fraglos: dass sich dergleichen auch in rein theoretischer, sozusagen mΓΌndlicher Form nicht geziemt, ist schon die hΓΆhere Schule. Gleichwohl wird es uns ausgesprochen gut tun, diesen nΓ€chsten zivilisatorischen Schritt alsbald zu wagen.

Also halten Sie sich gefΓ€lligst von nun an daran. Zuwiderhandlungen werden mit KaviarlΓΆffel-ZΓΌchtigung nicht unter hundert Schlagen geahndet.

Kategorien: Aktuelles, Die bessere Gesellschaft, Kulinarisches

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