Zum Nikolaustag etwas ganz Besonderes

[Dieser Beitrag bezieht sich auf das letzte Jahr]

Werte Damen und Herren,

und wieder ist Sankt Nikolaus! Ein รผberaus freudiger Anlass und zudem ein bedeutendes Fest im Kirchenjahr. Und doch ist mir diese Festivitรคt zuletzt arg zuwider.

Heutzutage scheint der allgegenwรคrtige Kommerz, gepaart mit weichlicher Streichelpรคdagogik vollends Besitz von einer einst hehren Tradition ergriffen zu haben. Sprich: dumme und rotzfreche Bรคlger โ€“ zumeist ohnehin mit dem Umfang eines Mastferkels โ€“ werden von einem verlausten โ€žSpontiโ€œ-Zausel mit abgewetzter Zipfelmรผtze mit pappsรผรŸer Industrieschokolade gemรคstet. Ob sie รผberhaupt brav waren spielt dabei gar keine Rolle mehr. Ekelhaft.

Denke ich da an die Besuche des heiligen Nikolaus in meiner eigenen Kindheit zurรผck, so fรคllt eine nachgerade eklatante Diskrepanz ins Auge. Schon als ich vernahm, dass die schweren Schritte des heiligen Mannes sich meiner Kammer nรคherten, sprang ich, bibbernd vor Furcht, unter meine Pritsche. Denn der Ablauf des Besuchs war mir nur allzu schmerzlich bewusst: zunรคchst รถffnete der Heilige Nikolaus sein goldenes Buch, verlas daraus die lange Liste meiner Sรผnden (und ihm entging keine). Sodann verlieรŸ der den Raum und รผberlieรŸ mich ganz der Gnade seines diabolischen Gehilfen, dem Krampus (oder auch โ€žKnecht Ruprechtโ€œ).

[Bild: cu5nym9amzczm069i.jpg]

Diese alljรคhrliche, bittere Stunde der Bestrafung war, so bin ich mir heute noch sicher, ganz entscheidend fรผr die Bildung meiner hochmoralischen Charakterstรคrke, auch wenn ich mir heutzutage jede Erinnerung an den genauen Inhalt der Disziplinierung in meinem Wandschrank fehlt. Erst als der redliche Krampus sein Werk beendet hatte, betrat sein Herr und Meister wieder den Raum und schenkte mir, nach einer vรคterlichen Maulschelle, eine schรถne Walnuss, die ich freudigst mit den Zรคhnen knackte.

Sie kรถnnen, so meine ich, durchaus meinen Punkt erkennen. Was die Kindlein jedenfalls auch heute wieder erlernen mรผssen, ist die Furcht vor dem Nikolaus. Er ist eben kein netter, trottliger Oheim, der sรผรŸe Drops verteilt, sondern ein gestrenger Zuchtmeister, den es zu fรผrchten gilt!

Und ich gedenke nunmehr, diese Tradition wieder aufleben zu lassen.

Auch heuer werde ich nรคmlich in der katholischen Kindertagesstรคtte โ€žSankt Klothildeโ€œ den Nikolaus geben. Im letzten Jahr lieรŸ mein Auftritt leider zu wรผnschen รผbrig, allerdings ohne mein Verschulden. So war beispielsweise nicht einmal eine anstรคndige Mitra als Kopfbedeckung vorhanden, sondern vielmehr eine alberne Zipfelmรผtze. Auch war ich auf das ganze AusmaรŸ der vorweihnachtlichen Verlotterung nicht vorbereitet.

In diesem Jahr allerdings wird sich dies รคndern. Erfreulicherweise wird der Nikolaus nรคmlich erst am Elften die Tagesstรคtte besuchen, was mir etwas mehr Vorbereitungszeit lรคsst.

Und ich habe mir einiges vorgenommen! Es gilt, die Kindlein auch an die zahlreichen Wundertaten des Sankt Nikolaus zu erinnern. So beabsichtige ich, eine besonders beeindruckende Tat zur Auffรผhrung zu bringen.

[Bild: cu5o0571ocjw8wjau.jpg]

So soll der Bischof von Myra dereinst einige fahrende Scholaren wieder zum Leben erweckt haben, die ein mรถrderischer Gastwirt aus schierer Habgier umgebracht, zerstรผckelt und sodann in ein Salzfass eingepรถkelt hatte. Wie beindruckend.

Herr Kleinschmidt aus dem Vorstand des Kleingartenvereins โ€žTeutoniaโ€œ wird also die Rolle des eingepรถkelten Scholaren รผbernehmen. Zunรคchst werden nur sein Kopf und seine Arme im Salzfass (welches uns freundlicherweise das Wirtshaus โ€žzur Burenschanzโ€œ zur Verfรผgung stellt) zu sehen sein, was eine durchaus effektive Illusion von abgetrennten GliedmaรŸen erzeugt.

[Bild: cugjkl9ycvc7k1yf2.jpg]

Sodann betrete ich den Raum und erzรคhle den Kleinen die fesselnde Mรคr von Habgier und Totschlag. Auf mein Zeichen hin (ich hebe die segnende Hand) wird Herr Kleinschmidt mit einem Ruck aus dem Fasse springen und laut ausrufen. โ€žEs ist ein Wunder, ich bin wieder ganz! Gelobt sei Sankt Nikolaus!โ€œ

Im Anschluss verteilen wir gemeinsam feine Nรผsse und ร„pfel.

Wenn dies den Kindlein nicht die Bedeutung dieses schรถnen Festes vor Augen fรผhrt, werde ich mich, und Sie dรผrfen mich durchaus beim Worte nehmen, endgรผltig aus dem Nikolaus-Darstellertum zurรผckziehen.

Ich werde Sie auf dem Laufenden halten, Potztausend!

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Kategorien: Aktuelles, Das Christfest | Schlagwรถrter:

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