Hรถchste Pflegestufe

Werte Heimseitenbesucher,

โ€žKommen Sie nur, kommen Sieโ€œ rufe ich mit einem herzlichen Lachen im Gesicht und drรผcke dem
Herrn vom Amt anerkennend die Schulter, als er auch die letzte Stufe meiner steilen Treppe in den
ersten Stock รผberwunden hat. Sogleich verwandelt sich mein Griff aber auch in einen eisenharten
Schraubstock, der sicherstellt, dass der Herr nicht vor der Zeit den Rรผckweg nach unten antreten kann,
sapperlot. โ€žUnd nun schauen sie mein Guterโ€œ kommt es รผber meine noch immer freundlich lรคchelnden
Lippen โ€žWir stehen nun direktemang auf meiner Pflegestufe, sogar auf der allerobersten, harhar. Und
sie wollten mir nicht glauben, dass ich bereits eine besitze!โ€œ. Der schmรคchtige Herr mit der Brille windet sich
etwas unter meinem eisenharten Griff, den ich nun langsam in Richtung seines Genicks verlagere und
beginnt zรถgerlich seinen Einwand wie folgt zu formulieren: โ€žAlso Herr von Klotz, ich verstehe nicht ganz…
wie gesagt mรผssen wir jetzt ernsthaft รผber eine Heimeinweisung…sie wissen doch, dass…โ€œ, doch da
unterbreche ich ihn mit einem sanften Knuff gegen das Schultergelenk, dass es unter dem Pullover knackt,
ziehe in ganz dicht an mein Gesicht und lasse ihn in meine Augen starren, die nun eine dramatische Wandlung in stechende, kleine Punkte durchmachen. โ€žUnd wollen sie denn gar nicht wissen, WARUM ich dies meine oberste Pflegestufe nenne, sapperlot?โ€œ zischt es durch meine nur noch aus einem Spalt bestehenden Lippen und bevor der Kerl sein heiseres โ€žJa..aber..โ€œ zu Ende gehaucht hat, bricht es aus mir heraus, laut wie ein Donnerschlag, dass die Bilder an der Wand sich von selber schief stellen โ€žIch nenne diese Stufe so, weil ich von hier aus jeden Lulatsch, der es wagt mein Haus mit irgendeinem Kokolores zu betreten, hinunter zu stoรŸen pflege, sapperlot!โ€œ.

Und kaum dass das Wort geendet ist, gebe ich dem Hallodri einen StoรŸ vor die Brust, dass er die erste Hรคlfte der Treppe im freien Fall รผberwindet, bevor er in der Mitte hart aufsetzt und sodann unter den tollsten Kapriolen und รœberschlรคgen den Weg bis ganz nach unten zurรผcklegt. Dort liegt er erst einmal wie ein Kรคfer der alle Beinchen von sich gestreckt hat, wobei eines der Beinchen so abgewinkelt ist, dass ich nicht umhin komme, den Herrn ob seiner anatomischen Geschicklichkeit zu loben. Freundlichst lรผfte ich sodann die Kappe und rufe hinunter, dass ich mich nun zu einem kurzen Mittagsschlaf zurรผckzuziehen gedenke und man kenne ja den Ausgang selbst nicht wahr?
Indes, sollte noch weiterer Gesprรคchsbedarf bestehen, so soll der gute Mann einfach liegen bleiben, damit wir NACH meinem Mittagsschlaf noch รผber die so genannte PFLEGEZUSATZVERSICHERUNG schwadronieren kรถnnen, sapperlot.

Danach drehe ich mich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren auf dem Absatz um und begebe mich in mein Schlafzimmer,ย  um zu notieren, solange die Erinnerung noch frisch ist: โ€žDaran denken: nach Schlummer schauen, ob Lulatsch noch vor der Treppe liegt! Wenn ja, wie versichert nochmals nach oben tragen und zusรคtzlich Pflege angedeihen lassen!โ€œ
Leider muss ich mir immer hรคufiger derlei Dinge aufschreiben, das Gedรคchtnis lรคsst immer weiter nach und es ist eine Schande wie der Staat verdiente, redliche Senioren wie mich gรคnzlich ohne Hilfe alleine wohnen lรคsst, dem Schicksal ganz รผberlassen. Irgendwann einmal werde ich vielleicht die Treppe hinunterfallen, ich mag mir gar nicht ausmalen, wie so etwas aussehen kรถnnte, sapperlot!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

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Kategorien: Aktuelles, Der Seesack, Gesundheit

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Ein Gedanke zu „Hรถchste Pflegestufe

  1. Werter Herr von Klotz,

    Sie sprechen mir wahrlich aus der Seele. Hat man erst einmal unser hohes Alter erreicht, so lauern in der Tat in jeder scheinbaren Alltรคglichkeit tรถdliche Fallstricke, allรผberall lugt die hรคssliche Fratze des Sensenmannes hervor. Man kann nicht einmal mehr eine Leiter besteigen oder oder an einem Marathonlauf teilnehmen, ohne potentiell fatale Knochenbrรผche oder Herzzustรคnde befรผrchten zu mรผssen.
    Und was wird von staatlicher Seite gegen solcherlei MiรŸstรคnde unternommen? Die Antwort lautet selbstverstรคndlich: wenig bis nichts!
    Nach dem Studium Ihres Beitrages wird mir nunmehr auch immer evidenter, was es mit diesem vielbeschworenen „Pflegenotstand“ auf sich hat. SchlieรŸlich verfรผgt nahezu jeder redliche Mensch รผber eine solche Pflegestufe, von welcher er unerwรผnschte Bettler, Hausierer oder Pfadfinder auf rasche und unbรผrokratische Art und Weise von seinem Grund und Boden wieder aufs รถffentliche Trottoir befรถrdert und somit der Verantwortung des StraรŸenkehrpersonals รผberstellt. Werden wir indes in unserem Alter schlicht zu hinfรคllig, um solcherlei Gesindel einen herzhaften Schubs zu versetzen, so herrscht doch ganz eindeutig ein Pflegenotstand!

    Was wir ganz dringend benรถtigen, ist viel mehr amtlich examiniertes Pflegepersonal. Sogenannte „Treppenaufzรผge“ sind jedenfalls kein adรคquater Ersatz. SchlieรŸlich muss der lรคstige Hausierer erst einmal gebeten werden, in einem solchen Platz zu nehmen. Die Peinliche Situation, die entsteht, wenn man einem solchen Menschen sodann quรคlende Minuten lang in die Augen blicken muss, wรคhrend der Aufzug gemรคchlich den Weg nach unten antritt mรถchte man sich doch tunlichst ersparen, Potztausend!

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