Phobisches Mittagessen (lecker)

Werte redliche Brettbesucher,

pรผnktlich zur Mittagszeit, betrete ich voller Elan die Dรผsseldorfer Parkklause und suche mir sogleich einen strategisch gelegenen Tisch an der Tรผr zum Hinterzimmer – ist mir doch bekannt, das hinter der geschlossenen Tรผre heute wieder das monatliche Treffen der โ€žAnonymen Phobikerโ€œ abgehalten wird, sapperlot!

Kaum hat Herr Luigi, der Pรคchter der redlichen Parkklause, den versammelten Phobikern das Mittagessen hereingebracht, begebe ich mich auf alle Viere und beginne zaghaft an der Tรผr zu kratzen, wobei ich das das herzerfrischende Maunzen einer jungen Katze imitiere.

Ich muss indes recht รผberzeugend sein, kann ich doch durch die Tรผre Wortfetzen erhaschen, die in freudig-belustigtem Tonfall das โ€žniedliche Kรคtzchenโ€œ zum Thema haben. Als endlich ein Stuhl gerรผckt wird und einer der Herrschaften sich der Tรผre nรคhert, wird es Zeit die so genannte โ€žMetamorphosierende Phaseโ€œ einzuleiten.

Das niedliche Maunzen wird jรคh abgelรถst von einem unheilvollen Gurgeln und Wรผrgen, der Tonfall wird tiefer, lauter und bedrohlicher, bis es sich schlussendlich anhรถrt, als wรคre der Leibhaftige persรถnlich in das Katzentier gefahren. Zudem kratze ich nunmehr nicht mehr an der Unterseite der Tรผr, sondern unmittelbar neben der Tรผrklinke, was nur durch ein beachtliches Wachstum innerhalb von Sekunden zu erklรคren wรคre, sapperlot.

Als Hรถhepunkt der Schelmerei, lasse ich nun zudem meine Stimme erklingen,
indes als eine Mischung aus Katzenlauten, menschlicher Stimme und gurgelndem Knurren.

โ€žGrrrlllleich…โ€œ gurgelt es aus mir heraus, wรคhrend ich hart auf die Tรผrklinke schlage, โ€ž..komme ich.. herrrein!!!โ€œ

Potzdonner und Paukenschlag, im Hinterzimmer kommt Bewegung in die Sache und ich hรถre deutlich das Umstรผrzen von Stรผhlen, wilde Schritte sowie berstende Blumentรถpfe, die wohl beim Sturm auf die Fensterbank zu Boden geworfen werden. Die Herren Phobiker setzen offenbar kollektiv zur Flucht aus dem Fenster an, harhar.

Einen Moment noch herrscht Tumult, dann jedoch ist es vorbei und ich รถffne vorsichtig die Tรผre. Im Hinterzimmer erwarten mich eine reichhaltige Auswahl an frischen Speisen und Getrรคnken, wobei ich mich fรผr ein Wiener Schnitzel mit Frittierstangen, sowie ein frisch gezapftes Bier vom Fass entscheide. Das Wissen darum, dass mich dieser Schmaus keinen Heller kosten wird, lรคsst das Mahl gleich doppelt vergnรผglich werden, sapperlot.

Beim Hinausgehen vergessen ich es natรผrlich nicht, den Herrn Luigi auf die neuerliche Flucht der Anonymen Phobiker und deren kollektiven Zechprellerei hinzuweisen, was unbedingt durch eine Anzeige zu ahnden wรคre, โ€ž…WENN es nicht unser Christliches Gewissen einfordern wรผrde, diesen armen, verstรถrten Menschen noch eine allerletzte Chance einzurรคumen!โ€œ

Ich mรถchte ja schlieรŸlich auch im kommenden Monat noch lecker essen gehen, sapperlot!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

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Kategorien: Der Seesack, Erbauliches, Kulinarisches

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