Mein schΓΆnstes Kriegserlebnis, Teil II

Werte redliche Heimseitenbesucher,

es war im Jahre 1916. Mein alter Freund, der KapitÀn Harmsen, schickte sich an die Blockade in der Beeringstraße zu durchbrechen, um den Kaiserlichen Truppen in den Kolonien Nachschub an Zahnseide und Schuhpolitur zu bringen.

Heureka, Planung war das A und O, fΓΌhrte sein Weg doch geradewegs durch ein tΓΌkisches Minenfeld, welches der Feind vor der KΓΌste angelegt hatte.

Drei Tage und drei NΓ€chte brΓΌteten wir ΓΌber den Seekarten, beobachteten mittels Sekstanten den Sternenhimmel, fΓΌhrten die kompliziertesten Berechnungen durch, bis der Kurs der β€žSeemΓΆveβ€œ endlich stand. Heureka, wie schΓΆn! Wir waren die grâßten!

β€žNur ein halbes Grad Abweichung..β€œ sagte KapitΓ€n Harmsen β€žβ€¦und der Klabautermann bekommt uns mit Mann und Maus, da gibt es kein Vertun! In dem tΓΌckischen Minenfeld wird auf Navigationsfehler kein pardon gegeben!β€œ

Doch sowohl dem KapitΓ€n als auch der Mannschaft war klar, dass das Wagnis in Angriff genommen werden musste. Kaiserliche Truppen ohne Schuhpolitur – diese Vorstellung trieb auch den hart gesottensten SeemΓ€nnern die TrΓ€nen der Ergriffenheit in die Augen, sapperlot. Zu Dutzenden meldete man sich freiwillig fΓΌr diese Mission.

Parbleu, ich habe noch genau vor Augen, wie die β€žSeemΓΆveβ€œ aus dem Hafen fuhr, wΓ€hrend die Kapelle β€žMuss I denn zum StΓ€dele hinausβ€œ spielte. Auf der BrΓΌcke stand KapitΓ€n Harmsen, wie ein Fels erstarrt, die Hand zum militΓ€rischen Gruß an die Hutkante gelegt.

Auch wenn er ehrfurchtsvoll schwieg, so konnte ich es in seinen Augen lesen: β€žEin halbes Grad nur und es ist aus, Potzdonner! Nun heißt es sklavisch auf den errechneten Kurs und den Himmel vertrauen!β€œ

Heureka, auch wenn ich den exakten Kurs mitberechnet hatte, teilte ich die Ansicht, dass auch der Himmel ein WΓΆrtchen mitzureden habe. Ich hatte daher in der Nacht zuvor, ohne das Wissen meines Kameraden, eine herrliche Marienstatue an Bord gebracht, ganz aus reinem Eisenerz und diese direkt neben dem Kompass versteckt.

Ich stand am Quai und salutierte redlichst zurΓΌck und Γ€nderte diese Stellung erst, als die β€žSeemΓΆveβ€œ am fernen Horizont verschwunden war. Das war das letzte, was ich von dem Schiff und meinem Freunde, dem KapitΓ€n Harmsen gesehen habe.

β€žSΓ€ la GΓ€rrβ€œ, wie der Franzose sagt.

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.

Kategorien: Der Seesack, Redliche Kriegserlebnisse

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