Dämonisch – eine Lichtspiel-Rezension

Abendfüllende Lichtspiele meide ich gewöhnlicherweise. Ich entsinne mich noch immer mit Grausen an die ungute Erfahrung, als ich mit meinem Herrn Vater dereinst einmal ein Kintopp besuchte. Acht, vielleicht neun Lenze zählte ich dereinst. Zu sehen war ein Zug, der mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit auf uns zuraste. Panisch duckte ich mich unter meinen Sitz, in völliger Überzeugung, alsbald von dem stählernen Ungetüm überrollt zu werden. Zwar überlebte ich knapp, besuchte aber dennoch seither kein Kintopp mehr. Indes muss man heutzutage nicht einmal mehr die heimelige Stadtvilla verlassen, um sich mit einem solchen Schauspiel zu unterhalten. Dieser technische Fortschritt. Faszinierend!

Besprechen will ich in diesem Artikel den Film „Dämonisch“ aus dem Jahre 2001, den ich beim alljährlichen Benefiz-Basar der örtlichen Liebfrauen-Gemeinde erwarb. Der Obermüller-Bengel, der ihn an seinem Stand feil bot behauptete, dass ihn dieser Film „immer an mich erinnert habe“. Soso. Regie führte im Übrigen ein Herr Namens Wilhelm Pachston, der auch sogleich die Hauptrolle übernahm. Ein echter Tausendsassa also. Man darf gespannt sein

Die Vorbereitung

Einen saftigen Punktabzug trägt dem Machwerk bereits seine seltsame Verpackung ein; geschlagene anderthalb Stunden benötigte ich allein, um das Film-Band aus seiner unsinnigen Hülle (eine sogenannte „VHS-Kassette“) zu entfernen. Hernach musste ich es mühevoll auf eine Rolle wickeln, um es auf dem Projektor abspielen zu können, den ich mir eigens von Pfarrer Willms geborgt hatte. Trotzdem funktionierte der Unfug nicht. Hanebüchen!

Erfreulicherweise gelang es mir, den kompletten Streifen anschnur aufzufinden. Das Angebot kommt direkt aus dem schönen Togo-Land und ist damit schon aufgrund der steten Missionsarbeit des werten Herrn Kunz gewiss keusch und redlich. Hurra!

Die Handlung

Alles beginnt mit einem uns bis Dato unbekannten Herrn, der sich in einer Polizeistation vorstellt, um Angaben zu machen, die zur Aufklärung eines Mordfalles führen könnten. Da zeigt sich wieder einmal, dass der hinterwäldlerische Amerikaner kein „Aktenzeichen XY“ kennt; hierzulande hätte ein besorgter Bürger einfach im Aufnahmestudio angerufen. Sei es wie es will. Jedenfalls beginnt dieser uns noch völlig unbekannte Herr aus Gründen, die mir nicht ganz einleuchten wollten, dem redlichen Ordnungshüter (ob es sich um einen Kommissar oder einen Hauptkommissar handelt wird nicht erwähnt) seine Lebensgeschichte zu erzählen. Und hier wird es denn auch durchaus interessant! Was nun folgt, ist eine ein filmischer Kunstgriff Namens „Rückblende“.

Wir erfahren, dass der junge Mann den Namen Fehnton Meiks trägt und mit seinem Bruder Adam bei seinem Vater aufwuchs, der seine Gattin auf dem Kinderbette verlor. Wie traurig. Die Familie lebt ein eher ereignisloses Leben in einem Häuschen in einer beschaulichen Kleinstadt, idyllisch gelegen unmittelbar hinter einem Rosengarten.

Doch der Herr hat große Pläne für die Familie Meiks. Eines Tages erscheint dem Vater während der Verrichtung seines Tagewerkes ein Engel des Herrn und erteilt ihm einen äußerst speziellen Auftrag: er und seine Söhne sollen garstige Dämonen aufspüren, die heimtückischerweise in Gestalt exakt normalen Menschen gleichen. Und Herr Meiks tut, was jeder normale Mensch in einem solchen Fall täte: er beginnt emsig damit, die dämonische Brut einzufangen und ihnen mithilfe einer gesegneten Axt den Schädel zu spalten. Hernach verscharrt er ihre jämmerlichen Reste im Rosengarten. Wie schön.

Während Sohn Adam seinen Herrn Vater mit aller Kraft in seiner göttlichen Mission unterstützt, hegt der Knabe Fehnton schon zu Anfang kleinliche Zweifel an der Richtigkeit des väterlichen Vorgehens. Er hält dem Vater vor, er sei „wahnsinnig geworden“ und will seinen jüngeren Bruder sogar zum Ausbüchsen anstiften. Feurio, diese rotzfreche Göre machte mich derart fuchsteufelswild, dass ich beinahe meinen wertvollen Datensichtschirm hinuntergeworfen hätte, als ich ihm eine reflexhafte Maulschelle versetze.

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Familie Meiks mit einem eben gefangenen Dämon

Vater Meiks reagiert auf diese offene Auflehnung, wie es ein redlicher Vater sollte: er lässt seinen halbstarken Sohn eine Grube im Garten ausheben, bis seine Hände zerschunden sind, dass es eine wahre Freude ist. Doch auch diese wohlverdiente Disziplinierung bringt den Knaben nicht zur Raison. Vielmehr zeigt er seinen Vater sogar noch bei der Polizei an!

Nun allerdings ist das Maß auch bei Vater Meiks voll. Er sperrt seinen missratenen Sohn in ein Erdloch und gewährt im immerhin ein Glas Wasser am Tag. Viel zu großzügig, wenn Sie mich fragen. Nach mehreren Wochen gibt Fehnton sich schließlich geläutert und behauptet, den Herrn gesehen zu haben, was sein Vater ohne weiteres Hinterfragen akzeptiert. Hätte er ihn zumindest einer Wasserprobe unterzogen!

So kommt es, wie es kommen muss: Wechselbalg Fehnton soll zum Beweis seiner neuen Überzeugung selbst einen Dämonen enthaupten und richtet die Axt stattdessen gegen den eigenen Vater! Hier musste ich mit einigen Tränen der Wut kämpfen. Welch himmelschreiende Ungerechtigkeit.
Doch mit dem Ende der Rückblende offenbart der Film seinen „Clou“: der angebliche Fehnton auf der Polizeistation ist in Wahrheit Adam, der das großartige Werk seines Vater fortführt. Dem wahren Fehnton hat er hingegen zur Strafe den Schädel in zwei saubere Hälften gespalten. Zudem hat der sympathische Jüngling sogar noch den redlichen Beruf eines Oberbüttels (unredl.: „Scheriff“) ergriffen. Angesichts dieser unerwarteten Wendung kam ich nicht umhin, umgehend meine Flinte vom Kamin zu holen und einige Freudensalven den Nachthimmel abzufeuern.

Die Mimen

Unbekannt. Weltsterne wie Heinz Rühmann, Inge Meysel oder Theo Lingen sucht man hier vergebens. Indes muss man den agierenden Mimen – insbesondere Hauptdarsteller Matthias MäckKonnahie – durchaus zu Gute halten, die wendungsreiche Geschichte mit raffiniertem Minenspiel zu illustrieren.

Die Das Fazit

Das Lichtspiel „Dämonisch“ stellt eine hervorragende Parabel dar, die nachgerade bestens geeignet ist, insbesondere der medienaffinen Jugend eine wichtige biblische Botschaft näher zu bringen: wer an dem Wort des Herrn zweifelt, wird am Ende unnachgiebig bestraft.

Auch die Eltern können aus der Geschichte wichtige Schlüsse ziehen, beispielsweise dass Nachsicht bei gotteslästerlichem Verhalten des Nachwuchses völlig fehl am Platze ist. Wie schnell hat man eine Axt zwischen den Rippen!

Kurzum: ein lehrreiches Vergnügen für die ganze Familie!

Daher erhält dieses Lichtspiel auch die Freigabe ab null Jahren und eine Wertung von viereinhalb Kreuzen. Ein halbes Kreuz Abzug gibt es für die technischen Schwierigkeiten zu Beginn.

Gleichwohl gilt: Prädikat besonders wertvoll, Potztausend!

Kategorien: Aktuelles

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