Geschichte der Wurfbibel (historischer Abriss)

Werte redliche Gemeinde,

Gewiss haben Sie allesamt bereits mehr als einmal von einer Wurfbibel Gebrauch gemacht. Schließlich gehârt diese seit jeher zum Standardreportoire eines jeden redlichen Menschen. Woher aber kommt dieses redliche Brauchtum? SelbstverstÀndlich liegt es mir fern, Ihnen auf diesem Wege mangelnde Bildung zu unterstellen; indes sollte nicht vergessen werden, dass diese Heimseite insbesondere auch der moralischen Bildung der Jugend dienen soll. Insofern erscheint es mir angezeigt, hier nur einige Episoden wiederzugeben, welche mir als besonders signifikant erscheinen.

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  • Die Geschichte der Wurfbibel beginnt bei einem der großen KirchenvΓ€ter, dem Volkspropheten Paulus. Er soll die besagte Tradition begrΓΌndet haben. Man sagt, er habe seine RΓΆmerbriefe dem Kaiser persΓΆnlich an den Kopf geworfen. Der MΓ€rtyrertod durch das Schwert war ihm somit sicher
  • Als eigentlicher GrΓΌnder der Tradition gilt indes Papst Silvester I. So soll dieser Kaiser Konstantin beim Konzil von NicΓ€a Anno 325 die soeben beschlossenen Kanones aus dem Handgelenk ans Haupt geschleudert haben. Benommen und verwirrtΒ unterschreibt der Kaiser die sogenannte „konstantinische Schenkung“
  • Bereits 1521 wirft Martin Luther seine soeben fertiggestellte BibelΓΌbersetzung KurfΓΌrst Friedrich von Sachsen an den Kopf. Als er diesen allerdings nicht trifft, nimmt er dies als gΓΆttliches Zeichen fΓΌr die UnzulΓ€nglichkeit seines Werkes. Er selbst stellt fest, er „es sey, daß ich mich verworfen habe“ und ΓΌbersetzt die Bibel aufs Neue. Hier wird abermals Luthers unschΓ€tzbare sprachschΓΆpferische Leistung deutlich, spricht man doch noch heute davon, „etwas zu verwerfen“
  • 1456: euphorisch wirft Johannes Gutenberg die ersten Exemplare seiner druckfrischen Bibel unter das Mainzer Volk. Leider bewegt der Erfolg sich in engen Grenzen. Niemand kann lesen
  • 1867: Papst Pius IX stellt einen neuen Rekord im inzwischen im Jahresturnus veranstalteten Bibelwurf auf: zielsicher wirft er dem versammelten Kardinalskollegium samt und sonders die HΓΌte vom Kopf. Das Dogma der PΓ€pstlichen Unfehlbarkeit ist geboren.

Sie sehen – die Wurfbibel kann auf eine reiche Tradition innerhalb der Geistesgeschichte des christlichen Abendlandes zurΓΌckblicken. Wenn Sie also demnΓ€chst eine Bibel werfen, gedenken Sie der großen MΓ€nner, die es vor Ihnen taten.

Ihr

Baron von Friedel

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Kategorien: Historische Exkurse

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Ein Gedanke zu „Geschichte der Wurfbibel (historischer Abriss)

  1. Sehr geehrter Herr Baron Jesus-Maria von Friedel,

    wurde die Wurfbibel etwa nicht vom redlichen Herrn Asfaloths erfunden?

    Überrascht,
    Adolph Horn

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